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Wissenschaftsrat: Gemischte Bilanz bei der Ressortforschung

29.05.2012 - (idw) Wissenschaftsrat

In seinen Frühjahrssitzungen hat der Wissenschaftsrat in sechs Fällen über die Umsetzung seiner Empfehlungen aus zurückliegenden Evaluationen von Ressortforschungseinrichtungen des Bundes beraten. Die Bilanz fällt gemischt aus, so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Wolfgang Marquardt. Zwar sind in allen sechs Einrichtungen Fortschritte erkennbar. Allerdings sieht der Wissenschaftsrat weiterhin teilweise deutlichen Verbesserungsbedarf im Hinblick auf die wissenschaftlichen Grundlagen von Zulassungs- und Beratungsleistungen einzelner Einrichtungen.

Anerkannt wird, dass das Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn, erste Maßnahmen eingeleitet und teilweise bereits umgesetzt hat, um Forschungsplanung, wissenschaftliche Vernetzung und Qualitätssicherung sowie Effizienz seiner Aufgabenwahrnehmung zu verbessern. Kritisch wird allerdings bewertet, dass das zuständige Bundes-umweltministerium dem BfN zuletzt zusätzliche Aufgaben übertragen, auf eine angemessene Personal- und Mittelaufstockung jedoch verzichtet hat. Dies wirkt sich negativ auf die Forschung aus, kommentiert Marquardt. Der Umfang eigener Forschungstätigkeit am BfN ist nach wie vor nicht ausreichend, um anspruchsvollen Aufgaben wie der Bewertung gentechnisch veränderter Organismen in guter Qualität nachkommen zu können. Die Empfehlung von 2008, mangelnde eigene Forschungskapazitäten in diesem Bereich durch Forschungskooperationen mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen auszugleichen, muss jetzt dringend umgesetzt werden, so Marquardt.

Ihre Kooperationsbeziehungen zu anderen wissenschaftlichen Einrichtungen haben das Deutsche Jugendinstitut (DJI), München, und das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA), Berlin, inzwischen deutlich verbessert. Ebenso positiv zu würdigen ist die Zusammenführung mehrerer Langzeitstudien des DJI zu dem integrierten Survey AID:A (Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten). Bei seinen Begutachtungen des DJI und des DZA im Jahr 2008 hatte der Wissenschaftsrat dem zuständigen Bundesfamilienministerium empfohlen, die für Politik und Wissenschaft wichtigen Langzeitstudien beider Einrichtungen in die Grundfinanzierung aufzunehmen und Forschungsdatenzentren einzurichten. Wir können nicht nachvollziehen, warum diese Empfehlungen für das DZA umgesetzt wurden, für das DJI jedoch nicht, wundert sich Marquardt. Auch die Freiräume für eigene Forschung, auf die eine vorausschauende Politikberatung nicht verzichten kann, sind im DJI weitaus geringer als im DZA. Dem DZA ist es aus Sicht des Beratungsgremiums sehr gut gelungen, seine ausgeprägte Forschungsorientierung und sein sehr gutes Forschungsniveau beizubehalten und zugleich die Interessen seiner Nutzer besser zu berücksichtigen. Auch das DJI erbringt gute bis sehr gute wissenschaftliche Leistungen, sollte seine wissenschaftliche Qualitätssicherung aber weiter verbessern.

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), Koblenz, und die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), Karlsruhe, haben ihren Forschungsbereich seit der Evaluation durch den Wissenschaftsrat im Jahr 2008 deutlich ausgebaut und weiterentwickelt. Beide Bundesanstalten verfügen nun über gute Voraussetzungen, um ihre Position sowohl auf wissenschaftlichem als auch auf Dienstleistungsgebiet ausbauen und ihr Ansehen weiter stärken können. Einige wesentliche Empfehlungen des Wissenschaftsrates wurden bislang allerdings nicht umgesetzt, so zum Beispiel eine öffentliche Aus-schreibung der Leitungspositionen oder die Einrichtung eines eigenen Haushalts für die jeweilige Bundesanstalt.

Das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB, ehemals WIWEB), Erding, hat sich insgesamt positiv entwickelt. So konnte der auf Forschung und Entwicklung bezogene Aufgabenanteil auf 30 Prozent erhöht werden. Verbesserungen konnten darüber hinaus im Bereich der Flexibilisierung von For­schungs­stel­len insbesondere im Nachwuchsbereich erzielt werden. Die Expertise im Bereich der Explosivstoffe wurde nach Schließung des Standorts Swisstal-Heimerzheim bei Bonn in andere Wehrforschungseinrichtungen überführt und konnte auf diese Weise erhalten werden. Den Empfehlungen des Wissenschaftsrates, eine engere Vernetzung mit der zivilen Forschung anzustreben, ist das WIWeB nach­gekommen, diese Anstrengungen sollten jedoch intensiviert werden. Besondere Würdigung verdient die Einführung eines hauptsächlich mit zivilen Wissenschaftlern besetzten wissenschaftlichen Beirats sowie eines Kuratoriums. jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
Weitere Informationen: http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2023-12.pdf - BfN, Bonn http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2021-12.pdf - DZA, Berlin http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2022-12.pdf - DJI, München http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2020-12.pdf - BfG, Koblenz http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2019-12.pdf - BAW, Karlsruhe http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2025-12.pdf - WIWEB (WIWeB),Erding

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