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FRIEDMUND NEUMANN PREIS 2012 FÜR ENDOMETRIOSE-FORSCHERIN

30.05.2012 - (idw) Schering Stiftung

Anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums vergibt die Schering Stiftung in diesem Jahr erstmalig den Friedmund Neumann Preis für junge Nachwuchswissenschaftler, die herausragende Forschungsarbeiten auf den Gebieten der biologischen, chemischen und medizinischen Grundlagenforschung erbracht haben. Erste Preisträgerin ist PD Dr. Sylvia Mechsner von der Klinik für Gynäkologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Sie wird am 10. September 2012 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit dem Preis für ihre herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Pathogenese der Endometriose geehrt. Mit 45 hervorragenden Nominierungen war die Resonanz auf die Preisausschreibung gewaltig und die Entscheidungsfindung damit umso schwerer. Nach einem intensiven Auswahlprozess im Wissenschaftlichen Ausschuss folgte der Stiftungsrat der Schering Stiftung der Empfehlung, den Friedmund Neumann Preis 2012 an Frau PD Dr. Sylvia Mechsner zu vergeben. Sylvia Mechsner arbeitet an der Klinik für Gynäkologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin und wird mit dem Preis für ihre herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Pathogenese der Endometriose geehrt.

KRANKHEITSBILD ENDOMETRIOSE
Endometriose ist eine Erkrankung bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter, die aufgrund ihrer Symptome wie z.B. Unterbauchschmerzen, Blutungsstörungen und Fertilitätsbeeinträchtigung zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität der Betroffenen führen kann und darüber hinaus eine extreme soziale, klinische und volkswirtschaftliche Relevanz hat.

Die Häufigkeit der Endometriose wird mit 2-20 % aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter angegeben. Schätzungen ergeben, dass in Deutschland ca. 2 Mio. Frauen betroffen sind und bis zu 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr diagnostiziert werden. Bei ca. 50 % dieser Frauen besteht ein anhaltender Therapiebedarf. Neben der starken körperlichen Einschränkung durch Schmerzen stellen die Rückfallraten von 50-80 % auch nach operativer und endokriner Therapie ein großes Problem dar.

FORSCHUNGSARBEIT VON SYLVIA MECHSNER
Die Arbeitsgruppe um Sylvia Mechsner beschäftigt sich in ihren Untersuchungen mit Mechanismen der Entstehung und Entwicklung der Endometriose und mit möglichen Mechanismen der Schmerzentstehung durch Endometrioseläsionen. Mit dem Ziel, neue therapeutische Ansätze zu etablieren, wurde bei diesen Studien fokussiert auf die klinische Relevanz hingearbeitet.

Durch Mechsner und ihr Team konnte erstmals die lympathische Ausbreitung von Endometriosezellen belegt und hinsichtlich der klinischen Bedeutung untersucht werden. Passend zum nodalen Vorkommen von Endometriose konnten Lymphangiogenesemechanismen in Endometrioseläsionen dargestellt werden, ein neuer Aspekt in der Entstehung und Entwicklung der Endometriose, der besondere Beachtung verdient.

Ein weiterer Fokus der Arbeiten von Mechsner betrifft den Nachweis und die Charakterisierung von Endometriose-assoziierten Muskelzellen die sowohl den Oestrogen-, den Progesteronrezeptor sowie den Oxytocin-Rezeptor exprimieren. Diese Daten, die den Tatbestand stützen, dass bei einer Endometriose neben Epithel- und Stromazellen immer auch glatte Muskelzellen vorhanden sind, sind von Bedeutung für das Verständnis der Entstehung und Entwicklung der Erkrankung und können Ansätze für neue Therapieformen liefern.

Frau Mechsner hat erfolgreich begonnen, den Zusammenhang zwischen Entzündung und Schmerz bei der Endometriose aufzuklären. Dabei geht es nicht nur darum, wie die Entzündung Schmerz auslöst, sondern wie das Nervensystem die Entzündung steuert. Mechsner und ihrem Team gelang der Nachweis von Nervenfasern, die in die peritonealen Endometrioseläsionen einsprossen und vermehrt bei Patientinnen mit starken UBS/Dysmenorrhoe auftreten. Dies ist ein erstes Indiz, dass neben der inflammatorischen Schmerzkomponente auch neuropathische Schmerzen Ursache der Schmerzentstehung sind. Von Bedeutung sind auch die neuesten Arbeiten, die sich mit den neuromodulatorischen Eigenschaften der Endometriose befassen. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Endometriose neurotrophe Eigenschaften aufweist und die Aussprossung von sensiblen Nervenfasern induziert, auf die sympathischen Nervenfasern aber einen hemmenden Einfluss ausübt. Interessant ist, dass sehr wahrscheinlich eine Neuromodulation infolge der entzündlichen Reaktion stattfindet.

SYLVIA MECHSNER
1972 in Reinbek geboren, wuchs Sylvia Mechsner in der Nähe von Hamburg auf. Nach ihrem Abitur 1991 leistete sie in Berlin ein freies Soziales Jahr und begann 1992 ihr Studium der Humanmedizin an der Freien Universität Berlin. Nach dem Physikum verfasste sie am Institut für Biochemie der FU Berlin ihre Dissertation. 2001 schloss Mechsner ihre Facharztausbildung ab. Derzeit ist sie als Oberärztin an der Klinik für Gynäkologie mit Hochschulambulanz, Campus Benjamin Franklin beschäftigt und arbeitet dort schwerpunktmäßig im Endometriose- und Myomzentrum. Seit 2002 betreut sie Endometriose-patientinnen ambulant und stationär und leitet seit 2005 das Grundlagenforschungslabor für Endometriose. 2010 hat sie sich auf dem Gebiet der Endometriose zum Thema Endometriose, das verkannte Frauenleiden - Untersuchungen zur Pathogenese und Schmerzentstehung habilitiert. Sylvia Mechsner ist verheiratet und hat drei Kinder.

FRIEDMUND NEUMANN
Der Preis ist Herrn Prof. Dr. vet. med. Friedmund Neumann (1935-2007) gewidmet, um damit seine bahnbrechenden Untersuchungen zu modernen Gestagenen sowie sein Engagement zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu würdigen.

Weitere Informationen finden Sie hier:
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Weitere Informationen: http://www.scheringstiftung.de
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