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Afrika in seiner Vielfalt erleben

14.10.2003 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

"Markt der Möglichkeiten" beim SWR UniForum in Heidelberg beschäftigte sich mit dem Thema Afrika - Weder Kontinent voller Seuchen, Kriege und Hungernöte noch Ferienparadies mit Palmenstränden

Vor dem Marstallhof der Universität Heidelberg zeigte sich von Freitag bis Sonntag ein wahrhaft buntes Szenarium. Im Rahmen des SWR UniForums organisierte die Bundeszentrale für Politische Bildung zusammen mit dem SWR den "Markt der Möglichkeiten". An rund 20 Ständen gab es nicht nur Informationen zum Thema Afrika, sondern auch traditionelle afrikanische Kleider in leuchtenden Farben, Schnitzereien aus dunklem Holz, Schmuckstücke aus Metall und Stein sowie Bilder mit verschlungenen, mythisch wirkenden Motiven zu kaufen. Daneben waren Bierbänke und Tische aufgebaut, wo die Besucher fröhlich schwatzend bei einer Tasse Kaffee beisammen saßen und den Klängen der Trommelwirbel lauschten, die immer mal wieder von der großen Bühne herab klangen. Ziel des Marktes war es, den vielen Besuchern den Kontinent Afrika, seine Kultur und Mentalität sowie die Arbeit vieler verschiedener Organisationen, die sich dort engagieren, näher zu bringen.

"Rund ein halbes Jahr haben wir diese Veranstaltung vorbereitet", erzählt Katja Böhler, Afrikabeauftragte der Bundeszentrale für Politische Bildung. "Mit dieser Aktion möchten wir nicht zuletzt das gängige Afrikabild zurechtrücken" Die Vorstellung in der Bevölkerung sei zweifach überzeichnet. Im Negativen würde Afrika lediglich als ein Kontinent voller Seuchen, Kriege und Hungernöte wahrgenommen, die positiven Klischees bestünden aus Ferienparadiesen mit Palmenstränden und stets gutgelaunten Sportlern. "Der Markt der Möglichkeiten ist ein Pilotprojekt, dem schon bald weitere Veranstaltungen folgen. In enger Zusammenarbeit mit Jürgen Hören vom SWR planen wir für Dezember einen dreiwöchigen Themenschwerpunkt Afrika", so Böhler. Im Anschluss werde die Bundeszentrale für Politische Bildung sogar einen Dreijahresschwerpunkt Afrika ins Leben rufen: "Die Aufgabe unserer Einrichtung ist es zum einen, die deutsche Geschichte in Afrika ins rechte Licht zu rücken. Zum anderen müssen wir was die Zukunft angeht für einen Dialog auf Augenhöhe sorgen."

Zusammen mit Freunden informiert Ibrahim Alassani an seinem Stand über die politische Situation in Togo. Er selbst lebt seit elf Jahren in Deutschland und versucht von Deutschland aus, die demokratische Bewegung in seiner Heimat zu unterstützen. "Wir sind sehr froh darüber, hier mit so vielen Besuchern über die Lage in unserer Heimat sprechen zu können", sagt Alassani. "Das Eyadéma-Regime fälschte im Juni diesen Jahres die Wahlergebnisse massiv, um an der Macht zu bleiben. Wir brauchen weiterhin die Hilfe Deutschlands und der EU. Nur mit ihrer Hilfe kann es uns gelingen, eine friedliche und demokratische Zukunft im Togo aufzubauen."

Am Stand der Lehrergewerkschaft GEW Baden-Württemberg und der Initiative Pro Afrika berichten Werner Kersting und Heidi Meinzolt-Depner über die Arbeit ihrer Organisationen. Sie sind beide Lehrer, von daher liegt ihr Schwerpunkt im Bereich der Bildung. "Jeder sollte sich in dem Bereich engagieren, von dem er etwas versteht", so Kersting. "Ich nehme keine Wertung vor, was wichtiger ist: Hungerhilfe, Kulturaustausch, Errichtung von Infrastruktur oder Bildungswesen. Alle Bereiche leisten das ihre." So waren sie selbst schon mit Schülern in Burkina Faso oder hatten letztes Jahr zwei Lehrer von dort für drei Monate zu Besuch. An ihrem Stand präsentieren sie auch die großformatigen Bilder des Malscher Künstlers Jörg Mohme. In leuchtenden Orange- und Blautönen zeigen sie sich stark von der afrikanischen Malerei inspiriert. Am KASA-Stand, der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika, sammelt Stephanie Till Unterschriften für die Entschädigung von Opfern der Apartheid. "Viele bedeutende Unternehmen haben damals von der Apartheid profitiert und sie deshalb unterstützt. Wir möchten mit unserer Aktion dazu aufrufen, dass diese Vergangenheit jetzt aufgearbeitet wird."

Francis Zonon stammt ursprünglich aus Benin, lebt aber schon seit vielen Jahren in Karlsruhe. Seit seinem elften Lebensjahr spielte er in einer afrikanischen Band und hat sich musikalisch mittlerweile vor allem auf die Trommel und das Balafon, das ist ein Vorläufer des Xylophons, spezialisiert. Er trommelte nicht nur auf dem SWR UniForum und stellte diese Instrumente auf dem Markt der Möglichkeiten vor, sondern unterrichtet schon seit längerem auch drei Trommelkurse im Heidelberger Karlstorbahnhof. "Die afrikanische Musik fasziniert die Menschen deshalb so sehr, weil sie eine sehr naturnahe Musik ist", so Zonon. "Insbesondere die Trommel führt zu musikalisch-körperlichen Erlebnissen, wie ich es nennen mag. Sie kann uns in eine leichte Trance oder Ekstase versetzen, ihre Rhythmen rühren jeden von uns ganz unmittelbar an."

Johannes Schnurr

Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz, Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

und
Irene Thewalt
presse@rektorat.uni-heidelberg.de
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