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Was ist der Mensch?

04.06.2012 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Doktorarbeit zum Verhältnis von Mensch und Tier in der modernen Literatur Was ist der Mensch? Welche Vorstellung habe ich von ihm, welche Rechte gestehe ich ihm zu, was verstehe ich unter dem Humanen? Solche Fragen können sich zuspitzen, wenn zum Beisppiel in Bezug auf lebensverlängernde Maßnahmen oder eine Organspende eine Entscheidung getroffen werden muss. Solche Entscheidungen werden von Menschenbildern- und konzepten beeinflusst, die in einer Kultur wirken. Ein Blick in die abendländische Philosophiegeschichte zeigt, dass das Konzept des Menschen in Abgrenzung zum Tier gestaltet wird. Wie das Verhältnis von Mensch und Tier in der modernen Literatur verhandelt wird, hat die Germanistin Dr. Julia Bodenburg in ihrer Doktorarbeit untersucht.

Analysiert hat sie dafür "Die Rättin" von Günter Grass, "Elementarteilchen" und "Die Möglichkeit einer Insel" von Michel Houellebecq, "Kaltenburg" von Marcel Beyer und "Das Leben der Tiere" und "Schande" von J. M. Coetzee. "Das sind Texte, die alle im Hier und Jetzt verortet sind", sagt Julia Bodenburg. "Sie behandeln das Verhältnis von Mensch und Tier auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Gemeinsam ist ihnen, dass das Interesse für Tiere als ein Interesse für Menschen lesbar wird." Behandelt werden Fragen nach den Rechten von Tieren und Menschen, der Zukunft des Menschen im Zeitalter der Klonierung und nach der Definition von Humanität und Animalität.

"Diese dringlichen Fragen und lebensnahen Diskurse werden in einer fiktionalen, unterhaltenden und spannenden Welt gestellt", sagt Julia Bodenburg. So erhält die Rättin in dem gleichnamigen Roman von Günter Grass aus dem Jahr 1984 die Funktion einer Kassandra, die vor den nicht abzuschätzenden Folgen der Gentechnologie warnt. Geschrieben in einer Zeit des Waldsterbens und dem Beginn der Gentechnik, fordert der Roman zum Nachdenken darüber hinaus, wie der Mensch in Zukunft vor dem Hintergrund der sich rasant entwickelnden Biowissenschaften - leben will.

"Literatur zeichnet sich dadurch aus, dass sie keine Antworten gibt, sondern Fragen stellt", sagt Julia Bodenburg. Anders als beispielsweise bei einem Zeitungsartikel beziehen diese literarischen Texte keine Stellung, wollen nicht überzeugen, sondern stellen ein Diskussions- und Reflexionsangebot unserer Wirklichkeit bereit.

Julia Bodenburg, "Tier und Mensch. Zur Disposition des Humanen und Animalischen in Literatur, Philosophie und Kultur um 2000", Rombach-Verlag, 64 Euro jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });
Weitere Informationen: http://www.uni-muenster.de/Germanistik/Lehrende/bodenburg_j/ Homepage Dr. Bodenburg
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