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Betriebswirtschaftler - zufrieden mit Studium und Berufsaussichten, aber karrieremüde?

05.06.2002 - (idw) HoF Wittenberg - Institut für Hochschulforschung

HoF-Wittenberg - das Institut für HochschulForschung e.V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg untersuchte im Rahmen einer Fallstudie die Vorstellungen angehender Absolventen der Betriebswirtschaftslehre (Ende des 7. Fachsemester) an Fachhochschulen vom Berufsübergang. Ziel war es zu erkunden, welche Vorstellungen vom Beruf die Strategien der Arbeitsstellensuche in alten und neuen Bundesländern bestimmen. Die Untersuchung erfolgte an einer ostdeutschen und einer westdeutschen Fachhochschule (FH Anhalt, Bernburg und FH Nordostniedersachsen, Lüneburg). In einer späteren Untersuchungsphase soll geprüft werden, inwieweit dadurch der tatsächliche Berufseintritt geprägt wird.

Die Ergebnisse bestätigen einerseits die weitere Annäherung von Positionen und Haltungen sowohl von Studierenden der alten und neuen Bundesländer als auch von männlichen und weiblichen Studierenden. Gleichzeitig zeigten sich neue Entwicklungen:

1. Werteverschiebung: Höchst bemerkenswert sind die gegenüber früheren Befunden hohen Ansprüche der angehenden Absolventen an das soziale Klima der künftigen Arbeitsstelle. Ein gutes Klima im Team hat für sie den höchsten Stellenwert bei ihrer künftigen beruflichen Tätigkeit (74 % hielten das für sehr wichtig). An zweiter Stelle rangiert ein gutes Betriebsklima, erst danach kommen mit deutlichem Abstand anspruchsvolle Arbeitsinhalte oder die Verwirklichung eigener Ideen.
Hier deutet sich möglicherweise eine Veränderung der Werte bei den bislang besonders karriereorientierten Betriebswirtschaftlern an. Aber auch eine spezifische hochschulische Sozialisation könnte die Ursache sein, schließlich bescheinigen 92 % der Befragten ihren Hochschulen ein außergewöhnlich gutes soziales Klima durch engen Kontakt zu den Lehrenden.

2. Dominanz sozialer und methodischer Kompetenzen: Auch die Einschätzungen der Studierenden zu Kompetenzen, die Arbeitgeber in der künftigen Berufstätigkeit von ihnen erwarten, drücken diesen Wandel aus. Kommunikationsfähigkeiten und rhetorischem Geschick messen sie erstrangige Bedeutung bei; an zweiter Stelle stehen für sie Organisationsfähigkeiten, an dritter Verhandlungsgeschick und Führungsqualitäten. Erst danach folgen spezielles Fachwissen und breites Grundlagenwissen.

3. Umkehr: Unerwartete Ost-West-Unterschiede zeigen sich hinsichtlich der Ansprüche an die künftige Berufstätigkeit. So ist den angehenden Absolventen in Lüneburg das gute Klima im Team und im Betrieb tendenziell noch wichtiger als den Studierenden Bernburgs. Das weicht ab von Befunden aus den neunziger Jahren, die für die neuen Bundesländer sozialisationsbedingt höhere soziale Ansprüche ausmachten.

4. Zuversicht: Rund 2/3 der Befragten schätzen ihre berufliche Perspektive positiv/sehr positiv ein - bei Unterschieden in der zeitlichen Sichtachse. Fast 70 % beurteilen ihre kurzfristige Beschäftigungssicherheit gut/sehr gut. Die langfristige Beschäftigungssicherheit wird etwas weniger positiv gesehen. 65 % glauben zudem auch an kurzfristig gute/sehr gute berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

5. Perspektivenwechsel: Die angehenden Absolventen aus Lüneburg halten ihre kurzfristige Beschäftigungssicherheit für wesentlich günstiger als die aus Bernburg, während beide die langfristige fast ähnlich sehen. Das dürfte primär aus den aktuellen Standortunterschieden alte/neue Bundesländer hinsichtlich der Arbeitsmarktsituation resultieren. Die Bernburger Studierenden schätzen aber sowohl ihre kurz- als auch ihre langfristigen beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten (Karriere) positiver ein.

6. Gelassenheit: Getragen von dieser Zuversicht hat die Arbeitsstellensuche Ende des vorletzten Semesters bei den Studierenden erst einen marginalen Stellenwert; die Mehrzahl hat sie noch vor sich, erst wenige hatten schon damit begonnen. 15 % brauchen sich keine Arbeitsstelle mehr suchen (Zusage liegt schon vor).

7. Aktivität-Reaktivität: Für die Arbeitsstellensuche steht die Recherche im Internet derzeit an beiden Hochschulorten an erster Stelle, an zweiter die gezielte Nachfrage im Praktikumsbetrieb. Die weiteren Such-Strategien unterscheiden sich leicht. Die Studierenden in Lüneburg sind eher reaktiv, die in Bernburg stärker selbst aktiv.

8. Zufriedenheit: Die Mehrheit der Studierenden sieht die mit dem Studium verbundenen Erwartungen in hohem Maße erfüllt. Am Ende des Studiums sind fast 3/5 vorbehaltlos und weitere 2/5 eingeschränkt mit der Wahl ihres Studienganges zufrieden. Drei Viertel würden diesen ohne Einschränkungen wieder wählen. Auch mit ihren Studienleistungen sind 82 % zufrieden bzw. sehr zufrieden.

Für weitere Ergebnisse und Informationen wenden Sie sich bitte an Dr. Irene Lischka, 03491-466-145 oder lischka@hof.uni-halle.de.

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