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Moderner Chemieunterricht: Was kann er, was soll er leisten?

15.10.2003 - (idw) Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Auf der Jahrestagung Chemie 2003 der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) befasst sich die GDCh-Fachgruppe Chemieunterricht mit neuen Vorstellungen für einen modernen Chemieunterricht und mit möglichen Wegen zur Verbesserung der Allgemeinbildung in der Chemie. Die Jugendlichen und späteren mündigen Bürger müssen in der Lage sein, ihre stoffliche Umgebung besser zu verstehen und an den gesellschaftlichen, chemierelevanten Diskussionen teilnehmen zu können.

Bereits im Sachunterricht der Grundschule, ja im Bildungskanon des Kindergartens, müssen Themen aus der Welt der Stoffe einen zentralen Platz einnehmen, fordert die Fachgruppe Chemieunterricht. Der naturwissenschaftliche Bildungsprozess muss ohne inhaltliche und zeitliche Brüche fortgeführt und - an die verschiedenen Schulformen (Haupt-, Realschule, Gymnasium) angepasst - in das eigenständige Pflichtfach Chemie übergeführt werden. Dabei muss auch der Chemieunterricht über den Erwerb grundlegender Einsichten und Qualifikationen Fachkompetenz aufbauen und allgemeinbildend in dem Sinne sein, dass die Jugendlichen und späteren mündigen Bürger verantwortungsbewusst und kritisch an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen mitwirken können.

Moderner Chemieunterricht kann sich daher nicht auf die Weitergabe disziplinären Fachwissens (Fachsystematik) beschränken, sondern muss auch auf das Verstehen komplexer Zusammenhänge gerichtet sein, wie sie in der eigenen Lebenswelt durch industriell-technische Anwendungen naturwissenschaftlicher (hier speziell: chemischer) Erkenntnisse und durch ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft sichtbar werden. Die für den Fachunterricht Chemie gewählten Themen sollen das Erkennen von grundsätzlichen Problemen und Fragestellungen ermöglichen und Lösungen oder Erklärungen mit Hilfe chemischer Theorien und Denkweisen finden lassen. Fachübergreifender und fächerverbindender Unterricht kann exemplarisch für geeignete Themen aufzeigen, dass Erklärungsmodelle der Chemie wesentlich zur Lösung von Problemen beitragen, andererseits aber nur bestimmte Aspekte dieser Sachverhalte erfassen können. Entscheidend ist die selbstbestimmte und handelnde Auseinandersetzung mit Lerngegenständen in konkreten anwendungsbezogenen Zusammenhängen ("Chemie im Kontext").

Das zentrale Anliegen des Chemieunterrichts ist und bleibt, jungen Menschen die reale stoffliche Welt und ihre Veränderbarkeit erfahrbar zu machen. Daher muss das eigenständige Experimentieren breiten Raum im modernen Chemieunterricht einnehmen. Es kann nicht durch moderne Informations- und Kommunikations-Techniken (Computer und Internet) ersetzt werden; diese Techniken eröffnen aber neue Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und -verarbeitung im Chemieunterricht. Computer-Visualisierungen und -Simulationen eignen sich jedoch, Vorgänge auf submikroskopischer Ebene zu erklären und besser zu verstehen.

Schülerinnen und Schüler erwerben auch im und mit Hilfe des Chemieunterrichts Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen im methodischen, sozialen und kommunikativen Bereich.

Dieser Text enthält (nicht kenntlich gemachte) teils wörtliche Zitate aus den Empfehlungen der Studienreformkommissionen der Gesellschaft Deutscher Chemiker
- zum Studium Lehramt Chemie an Gymnasien und vergleichbaren Schulformen (Frankfurt am Main, Dezember 2001),
- zur Ausbildung von Primarstufenlehrer(innen) im Fach Sachunterricht (Frankfurt am Main, April 2002)
- zur Ausbildung der Chemielehrer(innen) für die Sekundarstufe I (Frankfurt am Main, erscheint 2003).
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