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RUB untersucht Mitbestimmung im E-Business: Betriebsräte außen vor

18.10.2003 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Um die betriebliche Mitbestimmung beim E-Business in der Automobilzulieferbranche ist es schlecht bestellt: Die formell organisierten Betriebsräte sind in jedem zweiten Unternehmen außen vor, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Die Unternehmen nutzen häufig das Prozesswissen der Mitarbeiter, ohne ihnen echte Mitspracherechte einzuräumen. Zu diesem Zwischenergebnis kommen Bochumer Forscher um Prof. Dr. Ludger Pries (Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB) in ihrem Projekt "E-Business in der Automobilzulieferindustrie".

Bochum, 17.10.2003
Nr. 321


Betriebsräte außen vor
Mitbestimmung im E-Business der Autozulieferindustrie
Zwischenergebnis aus RUB-Forschungsprojekt


Um die betriebliche Mitbestimmung beim E-Business in der Automobilzulieferbranche ist es schlecht bestellt: Die formell organisierten Betriebsräte sind in jedem zweiten Unternehmen außen vor, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Zu diesem Zwischenergebnis kommen Bochumer Forscher um Prof. Dr. Ludger Pries (Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB) in ihrem Projekt "E-Business in der Automobilzulieferindustrie".

1.900 Betriebe befragt

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt bis 2004 mit 500.000 Euro. Die Bochumer Forscher erheben Daten der Automobilzulieferindustrie, die eine der wichtigsten Wirtschaftbranchen in Deutschland ist mit knapp 8.000 Unternehmen und insgesamt etwa 750.000 Beschäftigten. Autos entstehen in hochkomplexen Zulieferketten vom Hersteller kleinster Teile bis hin zu so genannten großen Systemintegratoren (z. B. Bosch). Dabei spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle, insbesondere via Internet. Die Forschungsergebnisse stammen aus einer repräsentativen Branchenerhebung: Insgesamt 1.900 Betriebe hat das Bielefelder Marktforschungsunternehmen TNS EMNID im November 2002 im Auftrag der RUB telefonisch befragt.

Vorzeigebranche im E-Business

Dass die Branche ihrem Ruf gerecht wird und tatsächlich ein "Schrittmacher" im E-Business ist, konnten die RUB-Sozialwissenschaftler bereits im ersten Teil des Projekts zeigen. Demnach nutzen bis zu 93 Prozent der Zulieferbetriebe das Internet, rund 40 Prozent arbeiten als so genannte "Rundumnutzer" mit komplexen Internetanwendungen: "Die Automobilzulieferindustrie ist die Vorzeigebranche im elektronischen Geschäftsverkehr", sagt Projektmitarbeiterin Hellen Tackenberg (s. RUB-Presseinformation Nr. 60, 26.02.2003).

Prozesswissen nutzen statt Mitbestimmung erlauben

Die Ergebnisse in Bezug auf Mitbestimmung zeigen ebenfalls ein eindeutiges Bild: Während die Mitarbeiter bei der Einführung von E-Business mitreden, sind die Betriebsräte in vielen Fällen außen vor. Die meisten Unternehmen haben erkannt, wie wichtig es ist, Mitarbeiter frühzeitig bei Umstrukturierungen einzubinden. So sagen nur 12 Prozent der Betriebe, dass Mitarbeiter nie beteiligt sind; rund ein Drittel gibt an, dies immer zu tun, 50 Prozent immerhin manchmal. Die Bochumer Forscher schauten jedoch genauer hin: Oft nutzen Unternehmen nur das Prozesswissen der Mitarbeiter, räumen ihnen aber keine echten Mitspracherechte ein.

Arbeitnehmervertreter ohne Stimme

Die Arbeitnehmervertreter partizipieren in der Regel nicht, wenn es um die Einführung von E-Business in ihrem Betrieb geht. Rund die Hälfte der Betriebsräte sind bei E-Business nie beteiligt. Dagegen geben lediglich 11 Prozent der befragten Unternehmen an, dass ihr Betriebsrat in E-Business-Projekten stets mitwirkt.


Erhebliche Unterschiede zwischen Groß und Klein

Deutliche Unterschiede bestehen zwischen den großen Systemintegratoren und den kleineren Teileherstellern. Vor allem Betriebsräte in den KMU - sofern hier überhaupt ein Betriebsrat existiert - sind fast nie beteiligt. Ihre Kollegen und Kolleginnen in den großen Zulieferkonzernen ergreifen dagegen weitaus häufiger das Wort, wenn es um Fragen des zwischen-betrieblichen Interneteinsatzes geht.

Ursachen und Folgen

Wie kommen diese Unterschiede zustande? Vor allem Zeitmangel ist ein großes Problem. Große Betriebe verfügen über mehr Betriebsratsmitglieder und Freigestellte - also Vollzeit-Betriebsräte. Die Zeit für die Arbeit in der Interessenvertretung geht somit nicht auf Kosten der Arbeitszeit. Außerdem können sie leichter Mittel für Schulungen und Beratung beim Arbeitgeber einfordern und externes Know-how mobilisieren. Dies sind jedoch lediglich zwei Gründe, warum in KMU die Mitbestimmung im E-Business hinterherhinkt. Eine detailliertere Untersuchung der Gründe für die "E-Business-Abstinenz" ist das Thema für weitere Forschungen in den nächsten Monaten.

Weitere Informationen

Dipl.-Soz. Wiss. Markus Hertwig, Lehrstuhl für Organisationssoziologie und Mitbestimmungsforschung (Prof. Dr. Ludger Pries), Forschungsprojekt "E-Business in der Automobilzulieferindustrie", GC 04/708, Tel. 0234/32-25421, Fax: 0234/32-14446, E-Mail: markus.hertwig@rub.de Internet: http://www.rub.de/e-business

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