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Biovielfalt von Böden: Die Intensivlandwirtschaft entzieht sich ihre eigene Lebensgrundlage

13.07.2012 - (idw) Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung

Jährlich verliert Deutschland durch Erosion 20 Mal mehr fruchtbaren Boden als sich nachbilden kann. Ein wesentlicher Faktor ist die wachsende Intensivierung der Landwirtschaft. Fehlender Humus wird mit Kunstdünger nur scheinbar ausgeglichen. Für die Verfügbarkeit von Nährstoff für die Pflanzen sorgt nämlich die Vielfalt und Zahl an Bodenorganismen. Intensivlandwirtschaft dezimiert diese jedoch zunehmend, und damit auch die Leistungen der Böden. Forscher appellieren deshalb an die Agrarpolitik, die Bedeutung der Leistungen von Ökosystemen anzuerkennen und durch die EU-Agrarreform stärker zu fördern. Im NeFo-Schwerpunkt Ökosystemleistungen beleuchten wir die Rolle der Bodenvielfalt. Während gesunde und leistungsfähige Böden Humusgehalte zwischen 3,5 und sechs Prozent haben, liegen die meisten landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen in Deutschland bei lediglich ein bis zwei Prozent Humus oder weniger. In diesem Bereich gehen die Ertragsmengen deutlich zurück.

Die Nutzung eines Bodens als totes Substrat für Pflanzenbau ist nicht nachhaltig. sagt Dr. Huber Höfer, Bodenökologe am Naturkundemuseum Karlsruhe. Notwendig seien Erholungsphasen mit einer Pflanzendecke und ohne Pflanzenschutzmittel und Dünger, die den Aufbau organischer Substanz im Boden zulässt. Denn die Diversität der Bodenorganismen wirkt wie eine Versicherung gegenüber Stressfaktoren. Gerade wenn im Zuge des Klimawandels bestimmte (Nutz-)Pflanzenarten mit den Klimazonen wandern und auf ganz andere Böden treffen, brauchen wir die Reaktionsfähigkeit der Bodengemeinschaft umso dringender. meint Höfer im NeFo-Interview.

Tatsächlich gefährden wir durch die Degradierung unserer Böden und ihrer Ökosystemleistungen erheblich unsere künftige Versorgungssicherheit. Analysen des Bodens als Substrat für die Agrarproduktion zeigen, dass wir schon heute unseren Bedarf an Agrarprodukten nicht mehr mit unseren europäischen Ackerböden alleine decken können. sagt Dr. Tobias Plieninger von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Vor allem bei Futtermitteln seien wir stark auf Exporte aus Süd- und Nordamerika angewiesen.

Die gesellschaftliche Notwendigkeit zur Erhaltung der Grundlage langfristiger Agrarerträge wird laut Plieninger in den entscheidenden Politikkreisen noch zu wenig beachtet, wie das derzeitige Ringen um eine ökologischere EU-Agrarpolitik zeige. Seine Kollegen der Nachwuchsgruppe Ökosystemdienstleistungen und er plädieren deshalb für nachweisbare Beiträge zur Verbesserung konkreter Ökosystemdienstleistungen als Voraussetzung für künftige Agrarprämienzahlungen der Europäischen Union.

Unseren NeFo-Themenschwerpunkt Ökosystemleistungen von Böden mit ausführlichen Interviews mit Herbert Höfer und Tobias Plieninger finden Sie in unserem Internetportal unter
http://www.biodiversity.de/index.php/de/fuer-presse-medien/top-themen-biodiversi...

Kontakt:
Sebastian Tilch
Pressereferent Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ
Tel: +49 341 235 1062
E-Mail: sebastian.tilch@ufz.de

Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland (NEFO) ist eine Kommunikationsplattform für Wissenschaftler und Anwender von Wissen zur biologischen Vielfalt. Das Projekt wird im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland e.V. durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ein wichtiges Ziel ist es, die Forschung unterschiedlicher Disziplinen, die sich mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen zur Biodiversität befasst, stärker ins öffentliche Licht zu stellen. Hierzu stehen direkte Ansprechpartner für Fragen aus Medien, Politik und Öffentlichkeit bereit, arbeiten aktuelle Themen auf und vermitteln Experten. Projektpartner sind das Museum für Naturkunde Berlin, Universität Potsdam und Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ. Weitere Informationen finden Sie unter: www.biodiversity.de jQuery(document).ready(function($) { $("fb_share").attr("share_url") = encodeURIComponent(window.location); });


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