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Rituale der Freundschaft

22.10.2003 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jenaer Sonderforschungsbereich lädt Aufklärungsforscher zur Tagung vom 23.-25. Oktober nach Halberstadt

Jena (21.10.03) Winnetou und Old Shatterhand besiegelten ihre Freundschaft durch Blutsbande. Ganz so blutig ging es in der europäischen Aufklärung nicht zu, obwohl auch in dieser Zeit Freundschaft eine hohe, kultische Bedeutung zukam. Mit solchen "Ritualen der Freundschaft" beschäftigt sich der Sonderforschungsbereich (SFB) 482 "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800" der Jenaer Universität während einer Tagung vom 23.-25. Oktober. In Zusammenarbeit mit dem Gleimhaus veranstaltet der Jenaer SFB das wissenschaftliche Expertentreffen in Halberstadt.

Der Veranstaltungsort ist selber ein "Tempel der Freundschaft und der Musen", wie Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) sein Wohnhaus bezeichnete. Der aus dem Raum Halberstadt stammende Dichter umgab sich dort mit weit über 100 Porträts von befreundeten Zeitgenossen, vornehmlich Schriftstellerinnen und Schriftstellern, vor denen er manches Ritual zelebrierte. Diesem Kult widmet sich die Tagung, die obendrein im 200. Todesjahr von Gleim und Klopstock, der aus dem benachbarten Quedlinburg stammt, stattfindet. Zum Kolloquium treffen sich über 20 Aufklärungsforscher, um vor allem der Verbindung der unterschiedlichen Freundschaftskonzepte des 18. Jahrhunderts zu den Großen von Weimar und Jena nachzuspüren, die sich - mit Ausnahme Goethes - alle auch unter Gleims Porträts befinden.

Die Bedeutung der Freundschaft steht für das Jahrhundert der Aufklärung außer Frage. "Wo die Dominanz von Kirche und Staat zurückzutreten scheint, der Einzelne als autonomes Subjekt hervortritt, sucht er neuen Halt in der Freundschaft", beschreibt Prof. Dr. Klaus Manger. Die Frage, auf die während der Tagung Antworten gesucht wird, heißt: Inwieweit bleibt er dabei alten Ritualmustern verpflichtet und in welchem Maße sucht er nach neuen Mustern, eigenen Formen der Freundschaftsbekundungen? "Singulär in diesem Zusammenhang sind sowohl Klopstocks weithin bis in den Göttinger Hain ausstrahlendes Freundschaftsverständnis, Gleims Freundschaftstempel in Halberstadt und Wielands und Lessings weltbürgerliche Freundschaftskonzeption", weiß der Jenaer Germanist Manger. "Rituale sind eine Performance, die bei Klopstock gemeinschaftsbildende Freundschaft erzeugen oder bei Gleim zu der Porträtsammlung geführt hat", so der SFB-Sprecher und Tagungsleiter weiter. Die philanthropinen Bestrebungen der Aufklärer, voran Lessing und die großen Vier von Weimar und Jena, adressieren ausgangs des 18. Jahrhunderts ihr Freundschaftsprogramm an die Menschheit. Sie tragen sich mit der Intention einer Kulturveredelung - zu Beförderung der Humanität und zur ästhetischen Erziehung. "Auch dieser Anspruch ist eine Botschaft von Weimar", bekräftigt Prof. Manger. Darin unterscheiden sich Wieland, Goethe, Herder, Schiller von anderen, vor allem in Großstädten anzutreffenden Geniehäufungen. "Die Kulturverdichtung um 1800 resultiert somit auch aus freundschaftlichem Geiste", stellt der Germanist von der Universität Jena klar.

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Manger
Friedrich-Schiller-Universität Jena
SFB 482: Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800
Humboldtstr. 34
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944050
Fax: 03641 / 944052
E-Mail: elke.mueller@uni-jena.de
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