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Vom Gen zur Therapie, Axel Ullrich (Martinsried)

24.10.2003 - (idw) Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina

Vortrag von Professor Dr. Axel Ullrich (Martinsried) anlässlich einer öffentlichen Vortragssitzung in der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina am 28. Oktober 2003 um 15.30 Uhr im Vortragssaal der Akademie, Emil-Abderhalden-Str. 36, in 06108 Halle/Saale

Tumorerkrankungen stellen einen Krankheitsprototyp dar, der auf Defekten in zellulären Kommunikationsmechanismen beruht. Das Spektrum der bisher in Krebszellen identifizierten genetischen Veränderungen umfasst Punktmutationen in verschiedenen Genprodukten, Überexpression von positiven Signalüberträgern oder Unterexpression von negativen Kontrollelementen. Diese abnormalen Veränderungen führen letztlich zur Deregulation von zellulären Signalen. Axel Ullrich wird in seinem Vortrag molekulare Veränderungen beschreiben, die zu Tumorerkrankungen führen und die für therapeutische Zwecke genutzt werden können. Das erste Beispiel für einen solchen molekularen Defekt in Tumorzellen war die Amplifikation des Gens für den Rezeptor HER2/neu bei ca. 30% aller Mamma- und Ovarialkarzinome. Diese Entdeckung führte zu der Entwicklung des HER2/neu-spezifischen monoklonalen Antikörpers 4D5 und schließlich zum ersten therapeutischen Anti-Onkoprotein-Wirkstoff HERCEPTIN. Im Zuge der Ausweitung analoger Untersuchungen wurde die cDNA-Array-Technologie zur Identifizierung weiterer, entscheidender "Schaltstellen" und Zielstrukturen des pathophysiologischen Prozesses, der zur Krebserkrankung führt, angewendet. Weitere Untersuchungen sind auf "lebensnotwendige Systeme" des Tumors ausgerichtet, wie z.B. die Angiogenese, und als mögliche Zielgebiete für neue Formen der Krebstherapie geprüft. Die Ergebnisse von Ullrichs Arbeitsgruppe erlauben Einblicke in das zelluläre Signalübertragungsnetzwerk von Tumorzellen und bilden die Basis für molekulare Tumordiagnostik und die Entwicklung von neuen, zielgerichteten therapeutischen Strategien.

Axel Ullrich arbeitete von 1979-1988 bei Genentech, Inc. in San Francisco, Kalifornien, und baute dort das Forschungsprogramm zur molekularen Biologie von Wachstumsfaktoren und ihren Rezeptoren auf. 1988 wurde er zum Direktor der Abteilung Molekularbiologie des Max-Planck-Instituts für Biochemie berufen. Seither leitet er nicht nur eine bedeutende Arbeitsgruppe zur Grundlagenforschung von Wachstumsfaktoren und ihren Rezeptoren, sondern initiierte auch die Gründung der Biotechnologie-Firmen SUGEN, Inc. in Redwood City, Kalifornien, und VirGene AG in Martinsried. Ullrich gehört zu den meistzitierten Wissenschaftlern der Welt und hat zahlreiche hochangesehene Auszeichnungen und Ehrungen erhalten, zum Beispiel die Paul Langerhans-Medaille der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (1987), die Berthold-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (1988), den Prix Antoine Lacassagne der französischen Krebsliga (1991), die Goldmedaille der Fondazione Giovanni Lorenzini (1997) und den Preis der deutschen Krebsgesellschaft (1998). Er hat nicht nur durch seine bahnbrechenden Arbeiten in der Grundlagenforschung neue Standards gesetzt, sondern hat als Inhaber von mehr als 40 biotechnologischen Patenten auch die Brücke zur angewandten Biotechnologie geschlagen. Im Jahr 2000 wählte die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina Axel Ullrich zum Mitglied (Sektion Biochemie und Biophysik).

Zur Akademie Leopoldina: Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle an der Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie in Deutschland. Sie trägt durch die Jahresversammlungen, fachspezifische Meetings und Symposien, monatliche Vortragssitzungen und die vielfältigen persönlichen Kontakte der Mitglieder "zum Wohle des Menschen und der Natur" bei. Ihr gehören etwa 1 100 Mitglieder in aller Welt an. Drei Viertel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Viertel aus weiteren ca. 30 Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben. Unter den derzeit lebenden Nobelpreisträgern sind 35 Mitglieder der Leopoldina.

Die Leopoldina wird von einem ehrenamtlichen Präsidium geleitet. Präsident ist Prof. Dr. Volker ter Meulen, klinischer Virologe und Immunologe aus Würzburg. Vizepräsidenten sind der Psychologie-Professor Dr. Paul B. Baltes (Berlin), der Virologie-Professor Dr. Harald zur Hausen (Heidelberg) und die beiden Chemie-Professoren Dr. Gunter S. Fischer (Halle/Saale) und Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (München). Letzterer ist zugleich Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn. Die laufenden Geschäfte der Leopoldina führt eine Generalsekretärin, die Neurobiologie-Professorin Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug. Die Leopoldina erhält ihre finanziellen Zuwendungen für die satzungsgemäßen Aufgaben zu 80 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu 20 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt.

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