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Mathematiker promovierte zum Doktor der Medizinischen Wissenschaften

29.10.2003 - (idw) Universität Leipzig

Als erster Leipziger promovierte an der Universität Leipzig Dr. Ingo Röder vom Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie nicht in seinem studierten Fach Mathematik, sondern auf dem Gebiet der Medizin. Dr. Röder fand ein Modell der Stammzellkommunikation, das die erst kürzlich entdeckte Plastizität der Stammzellen berücksichtigt.


Prof. Löffler (li) und Dr. Röder (re) "Wir wollen mit dem neuen Angebot erreichen, dass die jungen Wissenschaftler vertiefende Studien auf ihrem künftigen Forschungsgebiet betreiben können", so Prof. Markus Löffler, Direktor des IMISE und Doktorvater des jungen Wissenschaftlers. "Die Nachwuchsforscher sollen sich an dem orientieren, wo sie hinwollen, und nicht an dem, woher sie kommen." Dr. Röder konnte so den Titel Dr. rer. med. erwerben, der ihn für Forschungen auf dem Gebiet der Medizin qualifiziert, aber nicht die Approbation als Arzt einschließt, wie sie die Träger des Titels Dr. med. haben.

Die Medizinische Fakultät bietet diese Qualifikation Absolventen der Informatik und Medizininformatik, der Bioinformatik, der Mathematik und Bio-Mathematik sowie der Medizinischen Psychologie und Medizinischen Soziologie, der Gesundheitsökonomie und Public Health. "Voraussetzung ist ein klarer Bezug zum Anwendungsgebiet", erklärt der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Wieland Kiess.

So arbeitete der Diplom-Mathematiker Dr. Röder als Bio-Statisker am IMISE und soll dort die Arbeitsgruppe "Dynamische Modellierung regenerativer Gewebe" mit aufbauen. Das spezielle Thema seiner Doktorarbeit beinhaltete eine neue Theorie über die Selbstorganisation von Gewebsstammzellen in der Blutbildung. Motiv der Röderschen Untersuchung ist die Modellierung von größeren Zusammenhängen, die einen vollständigeren Einblick in die Regenerationsprozesse von Stammzellen geben und weg vom punktuellen Blick auf die Stammzellen. Denn die Wissenschaftler konnten immer wieder Phänomene beobachten, die mit bisher unerklärlichen mikroskopischen Prozessen zusammenhängen. Durch die Modellierung dieser Prozesse ließe sich das Prinzip der Zusammenhänge erklären und verstehen, meint Löffler. "Indem wir die einzelnen Zellen und wie sie arbeiten und untereinander kommunizieren, in den PC eingeben, lassen sich Regeln postulieren, die wir in der Natur nur schwer nachvollziehen können."

Dabei könne man gleichzeitig verschiedene Bedingungen und Situationen simulieren, die wiederum unterschiedliche Ergebnisse bringen. Dann könne man die Ergebnisse der Computersimulation mit dem experimentellen Ergebnis vergleichen. Das sein ein zweiter Schritt, den die Wissenschaftler am IMISE mit Hilfe eines Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vollziehen wollen. Hierzu arbeiten sie mit internationalen Partnerlaboratorien bereits im 3. Jahr zusammen. Die Ergebnisse sind demnächst zu erwarten.

Das Ergebnis der Promotion von Dr. Röder könne sich international sehen lassen, resümiert Prof. Löffler. Er habe ein Modell gefunden, dass die erst kürzlich entdeckte Plastizität der Stammzellen berücksichtige. Dahinter steht, dass die Stammzellen je nach Umgebungssituation ihre Eigenschaften reversibel verändern. Diese Plastizität im und zwischen Geweben sei wesentlich für das Verständnis der Gewebsstammzellen. Mit dem Modell könne man nun Rückschlüsse auf die Krebsentstehung ziehen, Anregungen für die Produktion künstlicher Gewebe bekommen sowie ganz neue Ansätze für die genetische Stammzelltherapie ableiten. Zudem lasse sich diese Art der Modelle auch auf andere Modelle der Gewebsbildung übertragen.

Die Arbeit Dr. Röders wurde mit dem bestmöglichen Prädikat "Summa cum laude" bewertet und Auszüge daraus wurden bereits in der Zeitschrift "Experimental Hematology" veröffentlicht.

weitere Informationen:

Prof. Dr. Markus Löffler
Tel.: 0341/97 16 100
E-mail:loeffler@imise.uni-leipzig.de
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