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Stanislaw Lem wird Ehrendoktor der Universität Bielefeld

30.10.2003 - (idw) Universität Bielefeld

Dem weltbekannten polnischen Schriftsteller Stanislaw Lem wird am 13. November die Ehrendoktorwürde (Dr. rer. nat. h.c.) der Technischen Fakultät der Universität Bielefeld verliehen. Um dem 82-jährigen Lem die Anstrengungen einer längeren Reise zu ersparen, findet die Verleihung im Rahmen eines an der Jagiellonischen Universität Krakau veranstalteten Festaktes statt, der per Videokonferenz nach Bielefeld übertragen wird.

Die Ehrung des Schriftstellers und Wissenschaftlers geht auf die Informatiker der Technischen Fakultät zurück, die damit ihre Wertschätzung für die Verdienste Lems um ihre Wissenschaft zum Ausdruck bringen wollen. Lem hatte sich als einer der bedeutendsten Science Fiction-Autoren überhaupt schon früh mit Fragen auseinandergesetzt, die später zu Kernthemen der Informatik wurden: virtuelle Realität, künstliche Intelligenz, Robotik oder Mensch-Maschine-Interaktion. Gleichzeitig diskutierte er in seinen belletristischen Texten - häufig mit satirischen Mitteln - die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien. Mit seinen Werken hat er der Informatik gerade in ihren Anfangsjahren wichtige, lang wirkende Impulse verliehen und zugleich wichtige generelle Denkanstöße für den Umgang mit Wissenschaft und Technik vermittelt. Lem setzte sein universelles Wissen, die Breite seiner Interessengebiete und sein erzählerisches Talent in Science Fiction-Literatur auf höchstem Niveau um. Selten hat ein Autor mit anspruchsvoller Literatur einen derartigen Publikumserfolg gehabt wie Lem, der es auf Millionenauflagen (in mehr als 30 Sprachen) brachte, und das interessanterweise in Ost und West lange vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. Kaum weniger bedeutend ist sein essayistisches und wissenschaftliches Werk. Sein Roman "Solaris" wurde 1972 mit großer Resonanz von Andreij Tarkowskij verfilmt; von einer Neuverfilmung durch Steven Soderbergh (2002) distanzierte er sich allerdings.

Stanislaw Lem wurde am 12. September 1921 in Lwów (Lemberg) geboren. Er studierte Medizin und arbeitete anschließend in der Angewandten Psychologie. Zugleich beschäftigte er sich mit Problemen der Kybernetik, der Mathematik, Physik, der Biologie, der Kosmologie und der Philosphie. 1978 erhielt er den Großen Staatspreis für Literatur der Volksrepublik Polen, 1985 den Großen Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur und 1991 den Österreichischen Kafka-Preis. Seit 1973 ist Lem Dozent für polnische Literatur an der Universität Krakau. Seit 1994 gehört er der Polnischen Akademie der Wissenschaften an. Zu seinen wichtigen Veröffentlichungen zählen: Sterntagebücher (1957), Solaris (1961), Der Unbesiegbare (1964), Summa technologiae (1964), Phantastik und Futurologie I und II (1964), Kyberiade (1965), Die vollkommene Leere (1971), Der futurologische Kongress (1974), Essays (1975), Die Maske (1976), Der Schnupfen (1976), Provokation (1980), Fiasko (1987), Der Flop (1987) und Das Geheimnis des chinesischen Zimmers (1996). Seit 1988 arbeitet Lem nicht mehr belletristisch, sondern widmet sich wissenschaftlichen Fragestellungen. So veröffentlichte er in den letzten Jahren zwei Bücher, in denen er sich äußerst kritisch mit dem Internet auseinandersetzt.

Kontakt und weitere Informationen: Universität Bielefeld, Technische Fakultät, Prof. Dr. Ipke Wachsmuth, Telefon 0521/106 2924.


Pressemitteilung Nr. 189/2003
Universität Bielefeld
Informations- und Pressestelle
Dr. Gerhard Trott
Telefon: 0521/106-4145/4146
Fax: 0521/106-2964
E-Mail: gerhard.trott@uni-bielefeld.de
Internet: www.uni-bielefeld.de
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