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Hilfe beim Spagat zwischen Labor und Krankenbett

31.10.2003 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

In Heidelberg werden junge Ärzte zu Wissenschaftlern und Klinikern ausgebildet / Seit 2001 läuft das Kolleg "Arzt in Praktikum und Forschung"


Dr. Cécile Dau, eine der ersten Heidelberger "Ärztinnen in Praktikum und Forschung". / Foto: Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg. Cécile Dau wollte nicht nur Ärztin werden, sondern auch forschen - ein Spagat, den angehende Mediziner meist nur unter hohem Zeitaufwand und ohne Unterstützung der Klinik bewältigen müssen. In Heidelberg gibt es eine Lösung: Nach der Devise, medizinischer Fortschritt ist nur möglich, wenn angehende Ärzte auch zu Forschern ausgebildet werden, wird an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg seit Februar 2001 erfolgreich ein Programm praktiziert, das begabten Medizinern den Einstieg in die Wissenschaft ermöglicht: Als "Arzt in Praktikum und Forschung" können angehende Ärzte sowohl forschen als auch der praktischen Ausbildung im Krankenhaus nachgehen.

Bis Ende 2003 haben die ersten sieben Heidelberger "AiPler" das Programm durchlaufen. Insgesamt absolvieren an der Medizinischen Fakultät Heidelberg jährlich etwa 110 examinierte Mediziner die letzte Phase ihrer Ausbildung bis zur endgültigen Approbation als Arzt im Praktikum. Auch nach Abschaffung des AiP, die voraussichtlich für Herbst 2004 ansteht, wird die Heidelberger Fakultät ein Programm für begabte Jungforscher auflegen, dessen Konzept derzeit erarbeitet wird.

Bewerben können sich Nachwuchsmediziner aus ganz Deutschland

"Wir wollen die medizinische Forschung fördern, ohne die klinische Ausbildung zu vernachlässigen", erklärt Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag, Dekan der Medizinischen Fakultät. Für das Projekt stehen pro Jahr 600.000 Euro zur Verfügung; damit können 20 Absolventen gefördert werden. Bewerben können sich promovierte Nachwuchsmediziner aus ganz Deutschland, seit 2003 auch junge Zahnärzte. Ausgewählt wird nach Promotionsnoten, Ausgewählt wird nach Promotionsnoten, entscheidend ist jedoch die Qualität des in Abstimmung mit einer Klinik oder einem Institut vorgelegten Forschungsprojektes, das von einem Auswahlgremium der Fakultät begutachtet wird. "Leider müssen wir wegen der limitierten Teilnehmerzahl viele gute Bewerber ablehnen", bedauert Prof. Sonntag. Doch hier gibt es "Trostpreise": Wer trotz herausragender Leistungen nicht ausgewählt wurde, kann als "assoziierter Teilnehmer" zumindest die Kolleg-Seminare besuchen oder bekommt finanzielle Unterstützung, etwa für Kongressreisen.

Teilnehmer verpflichten sich für 24 Monate / Eigene Forschungsbudgets

In der Praxis sieht das Programm Arzt in Praktikum und Forschung so aus: Statt 18 Monate als herkömmlicher AiP in der Klinik zu arbeiten, verpflichten sich die Teilnehmer für insgesamt 24 Monate. Dabei leisten sie sechs Monate lang intensive wissenschaftliche Arbeit zusätzlich zur klinischen Arbeit. Nach weiteren 12 Monaten, also im Anschluss an die eigentliche AiP-Zeit, in der sie wie jeder andere AiP bezahlt werden, folgt eine weiteres halbes Jahr Forschung, in dem die jungen Ärzte ein volles Assistenzarzt-Gehalt bekommen. "Auf diese Weise wollen wir begabte Nachwuchsmediziner an der Universität Heidelberg halten bzw. nach Heidelberg holen", hofft Oberregierungsrat Heiko Klase, der als Leiter der Stabsstelle Klinische Forschung das Programm organisiert. Als zusätzlichen Anreiz erhält jeder Teilnehmer ein Projektkonto mit eigenem Forschungsbudget zur Finanzierung von Kongressteilnahmen oder kleineren Anschaffungen für sein Forschungsprojekt. Die Kolleg-Seminare, bei denen sich - unter Beteiligung interner und externer Professoren - die Nachwuchsforscher austauschen können, runden das Programm ab.

Forschungsprojekt zu Nierenerkrankung bei Kindern

Cécile Dau war eine der ersten "Ärztinnen in Praktikum und Forschung". Für sie bot das Programm die ideale Lösung. "Nach meiner Doktorarbeit war ich fasziniert von der Forschung", sagt Dau. "Doch auf meine klinische Ausbildung wollte ich auf keinen Fall verzichten." Die zwei Jahre "in Praktikum und Forschung" nutzte sie, um - neben der Arbeit in der Kinderklinik - das Forschungsprojekt ihrer Promotion voranzutreiben: Sie untersuchte die Minimal Change Nephrose (MCN), eine Nierenerkrankung, die vor allem bei Kindern im Alter von fünf bis sieben Jahren auftritt. Die kleinen Patienten scheiden massiv Eiweißstoffe über den Urin aus und neigen zu Thrombosen und Wassereinlagerungen.

Über die Krankheit ist bislang wenig bekannt. Charakteristisch sind minimale Veränderungen spezieller Nierenzellen, sogenannter Podozyten. Sie filtern Schadstoffe in der Niere - eine Fähigkeit, die bei MCN-Patienten verloren gegangen ist. Cécile Dau verfolgte eine Spur, die zur Aufklärung dieses Funktionsverlustes führen könnte: Bei den kleinen Patienten werden bestimmte körpereigene Botenstoffe, die Interleukine 4 und 13, vermehrt ausgeschüttet. Diese Stoffe kurbeln offensichtlich Signalwege an, die Veränderungen der Zelle und damit die Krankheit hervorrufen könnten. Wie das genau passiert, hofft sie durch weitere Forschung zu erfahren, die sie nun als approbierte Kinderärztin fortführt.

Weitere Informationen:

Oberregierungsrat Heiko Klase, Leiter der Stabsstelle Klinische Forschung: 06221 / 56 8990

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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