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Greifvögel als Patienten

01.11.2003 - (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.

Das Institut für Zoo- und Wildtierforschung ist Mitveranstalter eines Seminars über Adler und Eulen

Wie operiert man eigentlich Greifvögel? Was ist die Haupttodesursache von Seeadlern? Wohin ziehen die Fischadler, die das Revier ihrer Eltern verlassen müssen? Das sind nur drei Fragen von vielen, die beim "Zweiten Berliner Greifvogelseminar" auf der Tagesordnung stehen. Am 8. November treffen sich Experten im Hörsaal der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin, um über Schutz und Pflege der einheimischen Greifvogel- und Eulenarten zu sprechen. Veranstalter sind das Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) sowie die Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der FU.

Einer der Referenten ist der Seeadler-Experte Dr. Oliver Krone vom IZW. Er hat zusammen mit Kollegen aus Berlin und Brandenburg kürzlich eine Studie veröffentlicht, wonach Bahnunfälle ein großes Risiko für die Seeadler darstellen. Wie kommt es dazu? Krone, Fachtierarzt für Zoo-, Gehege- und Wildtiere, erklärt: "Manchmal liegt überfahrenes Wild auf oder dicht neben den Gleisen und die Seeadler lassen sich nieder, um davon zu fressen." Da die Tiere beim Herannahen eines Zuges nicht rasch genug abheben könnten, würden sie von der Bahn erfasst. Etwa 14 Prozent der Todesfälle gehen auf solche Kollisionen zurück, haben Krone und seine Kollegen ermittelt. Sie hatten hierfür mehr als hundert Seeadler-Kadaver untersucht. Ebenfalls ein großes Problem sind Bleivergiftungen, Infektionskrankheiten und Stromschläge aus Überlandleitungen.

Dabei hat sich gezeigt, dass insbesondere eine Mastkonstruktion für große Vögel gefährlich ist. Die Maste haben die Form eines "T" und die Isolatoren stehen auf dem Querbalken. Greifvögel, aber auch Weißstörche, lassen sich gerne auf den Querträgern nieder und laufen dann Gefahr, beim Abheben zwei Leitungen auf einmal zu berühren; sei es mit den Schwingen oder mit den Beinen. Dann kommt es zum tödlichen Stromüberschlag. Helfen könnte dagegen eine andere Mastkonstruktion, bei der die Isolatoren unter dem Querbalken hängen. Oder Kappen auf den Isolatoren. Beide Varianten werden bereits teilweise verwendet.

Es gibt jedoch auch einige gute Nachrichten von den Greifvögeln. Die Populationen der Fisch- und Seeadler sind dabei, sich zu erholen. Ein Grund dafür ist wohl das Verbot von DDT und anderen Pestiziden, aber auch von Quecksilberbeize, die früher das Saatgut schützte. Auch die Flüsse, die früher mit Quecksilber belastet waren, sind sauberer geworden. Das hochtoxische Schwermetall hatte sich in der Nahrungskette angereichert und zu Vergiftungen bei Greifvögeln geführt.

Zweites Berliner Greifvogelseminar 2003
Termin:
8. November 2003, 9 Uhr (letzter Vortrag voraussichtlich 16.50 Uhr)
Ort:
Hörsaal der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin, Oertzenweg 19 b, Berlin-Zehlendorf

Weitere Informationen:
Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Dr. Oliver Krone, 030 / 51 68-405 (krone@izw-berlin.de).

Im Netz: http://www.izw-berlin.de/de/forschung/fg3/themen/parasitologie.html

Hintergrund zum IZW:

Das IZW forscht in den Bereichen Evolutionsbiologie und -ökologie, Wildtiermedizin sowie Reproduktionsbiologie. Die Experten untersuchen Säugetiere und Vögel in ihren Wechselbeziehungen mit Mensch und biotischer wie abiotischer Umwelt (Habitat, Nahrung, Pathogene und Beutegreifer). Hauptziel ist die Erforschung der Anpassungsleistungen und -grenzen größerer Wildtiere und ihrer Rolle in naturnahen und kulturnahen Ökosystemen. Schwerpunktregionen sind Mitteleuropa, Ostasien, Ost- und südliches Afrika. Das Institut legt besonderen Wert auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Biologen und Veterinärmedizinern und setzt seine Forschungsziele durch Kooperationsprojekte mit Schutzgebieten und Zoos in Europa, Afrika und Nordamerika um. Das IZW gehört zum Forschungsverbund Berlin und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es hat knapp hundert Mitarbeiter und einen Etat von mehr als vier Millionen Euro.

Der Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB) ist Träger von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Forschungsinstituten in Berlin, die alle wissenschaftlich eigenständig sind, aber im Rahmen einer einheitlichen Rechtspersönlichkeit gemeinsame Interessen wahrnehmen. Alle Institute des FVB gehören zur Leibniz-Gemeinschaft.

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