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Außergewöhnliche Analysemethoden für die Pharmaindustrie

04.12.2012 - (idw) Goethe-Universität Frankfurt am Main

Sanofi und die Goethe-Universität haben einen Kooperationsvertrag über die Anwendung außergewöhnlicher Analysemethoden unterzeichnet. In zwei Projekten zur "Strukturellen Charakterisierung neuer pharmazeutischer Materialien" gibt die Goethe-Universität Sanofi Zugang zu analytischen Methoden und Know-how aus der Analytischen Chemie und den Geowissenschaften, die in der Pharmaindustrie bislang nicht zur Anwendung gekommen sind. FRANKFURT. Zur Charakterisierung innovativer Materialien sind oft Analysemethoden erforderlich, die nicht dem pharmazeutischen Standard entsprechen. Hier kann die Pharmaindustrie von Nachbardisziplinen wie Anorganischer Chemie, Physik und den Geowissenschaften profitieren. Prof. Martin Schmidt vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie und Prof. Alan Woodland vom Institut für Geowissenschaften der Goethe Universität bedienen sich seit Langem etablierter Methoden, die der Abteilung Analytical Sciences bei Sanofi nun zur Verfügung stehen.

Blick in die Kristallstrukturen
Im Rahmen des SUMMIT-Projekts der europäischen Innovative Medicines Initiative (IMI) "Biomarker zur Vorhersage von Herz-Kreislauf-Komplikationen bei Diabetikern" werden winzige magnetische Eisenoxid-Partikel entwickelt, um arteriosklerotische Plaques (Arterienverkalkung) im Patienten mithilfe Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar zu machen. Die Herstellung dieser Eisenoxid-Nanopartikel ist jedoch aufwändig und muss genau überwacht werden. Um nur die für die MRT-Methode geeigneten Partikel auszuwählen neben den Größe spielen die chemische Zusammensetzung, die Struktur des Kristallgitters und die magnetischen Eigenschaften wichtige Rollen , ist ein spezielles Analyseverfahren erforderlich: die Mößbauer-Spektroskopie."Wir wenden diese Methode zur Untersuchung von eisenhaltigem Gesteinen an. Sie zählt zum Standardrepertoire der Geowissenschaftler, erklärt Prof. Alan Woodland. "In der Pharmaindustrie wendet das niemand an. Daher lag es nahe, mit den Geologen an der Universität zusammenzuarbeiten und ihre Expertise zu nutzen", so Dr. Norbert Nagel, Projektkoordinator der Kooperation bei Sanofi.

Eine andere Methode dient der Untersuchung von neuen nanokristallinen und amorphen Wirkstoffen. Die Strukturen in diesen Feststoffen sind schwieriger zu messen als in regelmäßig angeordneten Kristallen. Mithilfe von Röntgenbeugung und daraus errechneten Informationen über die Anordnung von Nachbarmolekülen lassen sich Aussagen zur physikalischen Stabilität der Wirkstoffe ableiten. "Mit der sogenannten Atom-Paar-Verteilungs-Funktion gewinnt man Informationen über die Strukturen im Nanometer-Maßstab, die man mit keiner anderen Methode erhält", erklärt Prof. Martin Schmidt von der Goethe-Universität. Seine Gruppe ist eine der wenigen Gruppen weltweit, die diese Technik beherrschen. Sanofi erhält nun durch die Kooperation Zugang zu diesen Methoden.

"Diese Kooperation ist ein Beispiel, wie wir die wissenschaftliche Expertise in unmittelbarer Nachbarschaft flexibel nutzen können", sagt Dr. Stefan Balbach, im Bereich Forschung und Entwicklung bei Sanofi verantwortlich für die Analytik.

Informationen: Prof. Dr. Martin Schmidt, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-29171; m.schmidt@chemie.uni-frankfurt.de.
Prof. Dr. Alan Woodland, Institut für Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel: (069) 798- 40119; woodland@em.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die Science City auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

Herausgeber: Der Präsident
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