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Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Prof. Dr. Dr. h.c. Rosemarie von Schweitzer

07.11.2003 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Hohe Ausgezeichnung für eine "couragierte Verfechterin der Haushaltswissenschaft und des Studiengangs Ökotrophologie"

In einer Feierstunde zeichnete heute Nachmittag Regierungspräsident Wilfried Schmied die emeritierte Haushaltswissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. h.c. Rosemarie von Schweitzer im Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse aus, das ihr vom Bundespräsidenten für ihre besonderen Verdienste um Volk und Staat bereits im Juni verliehen worden war. Prof. von Schweitzer erhielt schon 1993 das Verdienstkreuz am Bande. Sie habe seither in herausragender Weise an der Erstellung des Fünften und Sechsten Familienberichts mitgearbeitet, so die Laudatio, die vom Regierungspräsidenten vorgetragen wurde. Als eine "couragierte Verfechterin der Haushaltswissenschaft und des Studiengangs Ökotrophologie" würdigte Prof. Dr. Uta Meier ihre Vorgängerin, die sie bereits seit der gemeinsamen Arbeit im Zusammenhang mit dem Fünften Familienbericht kennt.

Prof. Dr. Dr. h.c. Rosemarie von Schweitzer, so der Text der Laudatio, hat sich stets für die Belange vor allem der in Haushalt und Familie tätigen Frauen eingesetzt. Durch sie ist erreicht worden, dass sich schon früh der Wissenschaftliche Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit den "Leistungen der Familien für die nachwachsende Generation" auseinandergesetzt hat. Sie hat stets darauf geachtet, dass in den Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats auch die Sicht der Frauen angemessen vertreten war. In dem interdisziplinär zusammengesetzten Wissenschaftlergremium nahm sie eine Vermittlerposition zwischen den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ein. Damit hat sie dazu beigetragen, dass die Gutachten nicht nur von den Vertretern einer Disziplin, sondern von allen im Beirat vertretenen Fachwissenschaften mitgetragen werden konnten.

Prof. von Schweitzer war lange Jahre stellvertretende Vorsitzende dieses Beirats und hat verschiedene Fachkommissionen des Beirats geleitet. Die Kommission für den Fünften Familienbericht stand unter ihrer Leitung. Dank ihrer Führungskraft und ihres persönlichen Einsatzes ist es gelungen, den 5. Familienbericht "Zukunft des Humanvermögens" von 1994 als erste umfassende Darstellung der Situation der Familien im vereinten Deutschland und in einem zusammengewachsenen Europa in nur zwei Jahren intensivster Arbeit abzuschließen. In dem Bericht wurde die Bedeutung der Vermittlung von Daseinskompetenzen von Familien differenziert herausgestellt und diese in ihrer familienpolitischen Relevanz begründet.

Diesen Leitgedanken folgte das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in der vergangenen Legislaturperiode initiierte "Maßnahmenkonzept zur Armutsprophylaxe". Das Programm basiert auf der Überlegung, dass Präventionen vor Armutslagen dann am wirksamsten ist, wenn sie Hilfe zur Selbsthilfe im Sinne der Vermittlung von Kompetenz zur Bewältigung des Alltags umfasst. Aufgegriffen wird damit ein Grundanliegen von Frau Professorin von Schweitzer, das sie mit dem Begriff der "hauswirtschaftlichen Analphabeten in der Wissenschaft" geprägt hat, für die angesichts mangelnder Daseinskompetenzen jede Alltagsaufgabe zu einem Problem werden kann.

Unter der Leitung von Frau Professorin von Schweitzer hatte die Sachverständigenkommission zum 5. Familienbericht in einem weiteren Aspekt richtungsweisende familienpolitische Impulse gegeben, an denen sie einen besonderen Anteil hat. Die Kommission hatte der Bundesregierung empfohlen, "... sich über die Lebenssituation ausländischer Familien in Deutschland berichten zu lassen und zu Fragen des Umgangs der deutschen Familien mit den "Fremden" und der Kultur der Gastfreundschaft Expertinnen und Experten anzuhören." Dieser Empfehlung folgend erteilte das Bundesministerium der Sachverständigenkommission erstmalig den Auftrag zu einem Familienbericht, der sich speziell mit der Situation ausländischer Familien in Deutschland befasst.

An der Erarbeitung des Sechsten Familienberichts, der Ende 2002 vorgelegt wurde, hatte Frau Professorin von Schweitzer erheblichen Anteil. Unter der Überschrift "Familien ausländischer Herkunft in Deutschland; Leistungen, Belastungen, Herausforderungen" wurde nicht nur eine differenzierte Analyse der sehr unterschiedlichen Bedingungen und Formen des Lebens von Familien ausländischer Herkunft vorgelegt, sondern es wurde gleichsam ein in mehrfacher Hinsicht grundlegender Perspektivenwechsel vorgenommen. Der 6. Familienbericht hat erheblich dazu beigetragen, Zuwanderung und Integration als wesentliches Aufgabenfeld der Gesellschaftspolitik zu begreifen und zu gestalten.

In Umsetzung der Ergebnisse des 6. Familienberichts wurde im Sommer ein Beirat Integration gegründet, der sich aus unterschiedlichen Experten der Migrations- und Zuwanderungsthematik zusammensetzt und an der Gestaltung konkreter Umsetzungsvorhaben mitwirken soll. Für diesen Beirat konnte Frau Professorin von Schweitzer gewonnen werden.

Aus dem Wirtschaftlichen Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist Frau Professorin von Schweitzer nach 30-jähriger Mitgliedschaft Ende 2001 ausgeschieden.

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