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RUB-Medizin: Inhalative Sedierung - eine neue Therapie auf der Intensivstation

11.11.2003 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die inhalative Sedierung wirkt: Damit Patienten sich nach größeren Eingriffen erholen können, versetzen Mediziner sie in eine flache Narkose, die so genannte Sedierung. Eine Pilotstudie am St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, konnte jetzt zeigen, dass die Sedierung per Inhalation deutliche Vorteile gegenüber der herkömmlichen, intravenösen Methode hat. Das Bewusstsein der Patienten bleibt sicher ausgeschaltet, das Verfahren lässt sich besser steuern und Nebenwirkungen bleiben aus.


Inhalative Sedierung: Patient auf der Intensivstation des St. Josef-Hospitals, Klinikum der RUB
Dr. Andreas Meiser mit dem Anästhesie-Arbeitsplatzsystem "Zeus" Bochum, 10.11.2003
Nr. 344


Eine neue Therapie auf der Intensivstation
Ergebnisse der Studie mit weltweit einmaligem Verfahren
RUB-Medizin: "Inhalative Sedierung" unterstützt Eigenatmung


Die inhalative Sedierung wirkt: Damit Patienten sich nach größeren Eingriffen erholen können, versetzen Mediziner sie in eine flache Narkose, die so genannte Sedierung. Eine Pilotstudie am St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, konnte jetzt zeigen, dass die Sedierung per Inhalation deutliche Vorteile gegenüber der herkömmlichen, intravenösen Methode hat. Das Bewusstsein der Patienten bleibt sicher ausgeschaltet, das Verfahren lässt sich besser steuern, Nebenwirkungen bleiben aus - und das flexible Bochumer Verfahren unterstützt die Eigenatmung der Patienten.

Desfluran für zehn Patienten

Im August und September 2003 testete die Bochumer Arbeitsgruppe "Inhalative Sedierung" um Prof. Dr. med. Heinz Laubenthal (Direktor der Klinik für Anaesthesiologie am St. Josef-Hospital) das Verfahren an zehn Patienten. Ziel war zu prüfen, inwieweit bei der "Inhalativen Sedierung" Eigenatmung zugelassen und unterstützt werden kann - bei gleichzeitig ausgeschaltetem Bewusstsein. Die Ärzte verwendeten das dampfförmige Narkosemittel "Desfluran": Die Substanz beeinträchtigt nicht den Stoffwechsel, die Patienten können sie sehr schnell wieder abatmen. Schäden an inneren Organen wie Leber oder Nieren sind damit ausgeschlossen. Patienten wachen rascher auf, sobald Desfluran nicht mehr inhaliert wird, zudem ist das Aufwachen besser vorhersagbar als bei intravenösen Mitteln. Dies konnten die Forscher bereits in einer Studie belegen, die im März 2003 im "British Journal of Anaesthesia" erschien.

Doppelwörter vervollständigen

Entscheidend bei der Sedierung ist, dass das Bewusstsein der Patienten sicher ausgeschaltet ist. Die Bochumer Ärzte haben den Patienten unterschiedlichen Alters während der Sedierung über Kopfhörer gebräuchliche Doppelwörter vorgespielt, deren erstes Glied auch alternative Verbindungen eingehen kann, z. B. "Motorboot" oder "Motorhaube". Ein Doppelwort wurde sechsmal wiederholt, danach haben die Forscher die Konzentration an Desfluran reduziert, dann hörten die Patienten ein anderes Doppelwort, das erneut sechsmal vorgespielt wurde - bis die Patienten aufwachten, setzten die Ärzte diese Methode fort. Nach zwei Stunden und nach einer Woche sollten die Patienten dann die Wörter ergänzen ("Motor-", "See-" usw.). Das Ergebnis: Die Doppelwörter, die die Patienten bildeten, stimmten nicht mit den vorgespielten Begriffen überein. Damit können die Wissenschaftler sicher ausschließen, dass die Patienten eine Wahrnehmung während der Sedierung hatten.

Sicher ausgeschaltetes Bewusstsein

"Für die inhalative Sedierung genügen Konzentrationen an Desfluran, die halb so hoch sind wie die im OP gebräuchlichen. Bei diesen Konzentrationen ist Spontanatmung vorhanden und dennoch ist das Bewusstsein sicher ausgeschaltet", sagt Dr. Andreas Meiser. Die AG "Inhalative Sedierung" konnte außerdem zeigen, dass bei diesem Verfahren Faktoren wie Größe, Gewicht, Leber- und Nierenfunktion der Patienten keine Rolle spielen. Alter, Alkoholkonsum und Medikamentengebrauch sind in weit geringerem Maße zu berücksichtigen als bei der herkömmlichen Sedierung. Die Gefahr, flüchtige Substanzen über- oder unterzudosieren ist damit wesentlich geringer.

Geschlossenes Atemsystem

In ihrem Projekt nutzten die Bochumer Forscher ein speziell entwickeltes Beatmungsgerät der Firma Dräger Medical: das Anästhesie-Arbeitsplatzsystem "Zeus", das beides kann: Es unterstützt die Eigenatmung der Patienten und dosiert Desfluran bedarfsgerecht. Kernstück des Geräts ist eine Turbine, die in ein geschlossenes Atemsystem integriert ist. Kohlendioxid, das der Patient abatmet, wird gebunden, gleichzeitig erhält der Patient nur soviel Sauerstoff, wie er tatsächlich verbraucht. Die Konzentrationen an Sauerstoff und Desfluran werden über automatische Regelkreise stabil gehalten.

Weitere Informationen

Dr. med. Andreas Meiser, Klinik für Anaesthesiologie, St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel. 0234/509-3210, Mobil: 0173/ 5190376, Fax: 0234/509-2737, E-Mail: andreas.meiser@rub.de, Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/anaesthesiesjh

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