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"Krieg im Frieden": Zur Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906 bis 1914

12.11.2003 - (idw) Universität Augsburg

Der Augsburger Historiker Günther Kronenbitter über die Rolle der Führung der k.u.k. Armee ---


Unter dem Titel "Krieg im Frieden" ist jetzt als Band 13 der Reihe "Studien zur Internationalen Geschichte" im Oldenburg Wissenschaftsverlag die Habilitationsschrift des Augsburger Historikers Günther Kronenbitter erschienen. Am 7. November 2003 wurde die Studie mit einem von der Augsburger Universitätsstiftung in diesem Jahr erstmals verliehen Forschungspreis ausgezeichnet, der sich speziell an herausragende wissenschaftliche Beiträge zum "Verständnis der Katastrophen des 20. Jahrhunderts und ihrer Wurzeln" richtet.

Kronenbitter untersucht in seiner Habilitationsschrift die Rolle des österreichisch-ungarischen Militärs vor und beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Seit 1906 forderte die Führung der k.u.k. Armee immer wieder, auf Krieg als Mittel zur Stabilisierung der Großmachtposition Österreich-Ungarns zurückzugreifen. Dabei verfügte das Habsburgerreich gar nicht über die militärischen Ressourcen für einen Kampf an mehreren Fronten: Die politischen Strukturen der Doppelmonarchie verhinderten eine massive Aufrüstung, und die militärischen Absprachen mit Deutschland und Italien boten keinen Ersatz für mangelnde eigene Schlagkraft. Der Wiener Generalstab setzte dennoch auf umfassende Operationsplanungen und die rigorose Ausrichtung des Friedensalltags der Armee auf den Kriegsfall. In den Krisen ab 1908 bestimmten daher auch keineswegs nur die Versatzstücke zeitgenössischer Weltanschauungsangebote oder konkrete Gruppeninteressen das Handeln der Militärelite; genauso wichtig, so Kronenbitters zentrales Ergebnis, waren die durch den "Krieg im Frieden" geprägten Denkmuster.

"A BALANCE TO THE FRITZ FISCHER-DOMINATED VIEW"

Holger Herwig (Calgary) - neben Stig Förster (Bern), Josef Becker, Johannes Burkhard und Andreas Wirsching (alle Augsburg) einer der Gutachter - schreibt über das Buch: "Kronenbitter is not content merely to rehash the tortuous diplomacy of the Balkan Wars or the ambiguous prewar discussions between Helmuth von Moltke and Conrad von Hötzendorf [...]. Rather, he probes for the deeper motives and causation that led to the tragedy of July 1914. This work really is as much about shared mentalities and popular perceptions as it is about the essence of decision making. [...] In conclusion, Kronenbitter's work is an extremely important, indeed critical, contribution to the field. When published, it will bring a balance to the Fritz Fischer-dominated view of the July crisis of 1914. It will vastly enhance the works of Fellner and Williamson, Stone and Tunstall. In short, it will be the seminal work on the topic."

ZUM AUTOR

Günther Kronenbitter arbeitete nach seiner Promotion 1992 als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Augsburg, wo er seit der Habilitation 2001 als Privatdozent für Neuere und Neueste Geschichte tätig ist. Er war Gastdozent an der University of British Columbia und der Universität Salzburg, Feodor Lynen Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung, Lehrstuhlvertreter in Augsburg und Gastprofessor an der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen politische Ideengeschichte, Geschichte der Internationalen Beziehungen und Militärgeschichte sowie in der Geschichte der Habsburgermonarchie im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

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Günther Kronenbitter, "Krieg im Frieden". Die Führung der k.u.k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906 - 1914 (= Studien zur Internationalen Geschichte, Band 13), Oldenburg Wissenschaftsverlag, München 2003, VIII, 579 Seiten, 79,80 Euro, ISBN 3-486-56700-4

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