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Gibt es den "Homo Perfectus"?

13.11.2003 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

6. Thüringentag für Philosophie am 21./22. November an der Universität Jena

Jena (12.11.03) Kein Mensch hat die gleiche Genabfolge wie ein anderer. Die einzige, "reine" Gensequenz des Menschen gibt es nicht. "Daher sind im Prinzip alle Menschen behindert", spitzt Prof. Dr. Uwe Claussen von der Universität Jena zu. Doch der Humangenetiker weiß natürlich, dass erst ganz bestimmte genetische Veränderungen den Menschen zum Behinderten machen. "Dies ist eine Bezeichnung, die allerdings erst die anderen Menschen vergeben und diese Einschätzung unterliegt auch stärksten Schwankungen - je nach Zeitgeist", ergänzt Claussen. Auf dieser Erkenntnis fußt auch sein Vortrag "Eine Gesellschaft ohne Behinderte ist inhuman", den er während des 6. Thüringentages für Philosophie halten wird. Die öffentliche Veranstaltung der Thüringischen Gesellschaft für Philosophie, die von Prof. Dr. Klaus-M. Kodalle vom Institut für Philosophie der Universität Jena geleitet wird, findet am 21./22. November im Hörsaal der Jenaer Universitätsbibliothek (Bibliotheksplatz 2) statt.

"Homo perfectus? Behinderung und menschliche Existenz" heißt das Thema der Tagung, die von der Gustav-Prietzsch-Stiftung Hamburg gefördert wird. Von Vertretern zahlreicher Disziplinen wird in Kurzvorträgen das Thema behandelt und zur Diskussion gestellt. Das Spektrum der Referate ist breit und reicht von juristischen und biologischen Fragen bis zur Anthropologie und Rassenphilosophie. Prof. Kodalle verdeutlicht die Aktualität des Themas: "Gefragt wird, wie man in einer Gesellschaft mit dem umgeht, was sie als Behinderung bestimmt: von der Ghettoisierung und Ermordung ,unwerten Lebens' bis hin zur Diskussion um die Konsequenzen, die aus der Behinderungsdiagnose bei Embryonen zu ziehen sind". "Wir wollen erkunden", so der Philosoph von der Jenaer Universität weiter, "ob man in unserer Gesellschaft zurzeit erneut der Chimäre eines perfekten Menschen nachstrebt oder ob nicht - im Gegenteil - der Kampf gegen vermeidbares Leid tabuisiert wird."

Das Programm ist zu finden unter: http://www2.uni-jena.de/philosophie/phil/.

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus-M. Kodalle
Institut für Philosophie der Universität Jena
Tel.: 03641 / 944120
Fax: 03641 / 944122
E-Mail: Klaus-Michael.Kodalle@uni-jena.de
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