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Augsburger Universitätspreis für Spanien- und Lateinamerikastudien geht erstmals an Lusitanisten

08.06.2002 - (idw) Universität Augsburg

Preisverleihung am 12. Juni 2002 / Wachsendes Gewicht der Lusitanistik im Augsburger Spanien- und Lateinamerika-Schwerpunkt

Am 12. Juni 2002 wird zum achten Mal der Augsburger Universitätspreis für Spanien-, Portugal- und Lateinamerikastudien der Albert-Leimer-Stiftung verliehen. Zum ersten Mal geht er an zwei Wissenschaftler, die sich durch herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lusitanistik, also der Forschung zur portugiesischen Sprache und Literatur, ausgezeichnet haben. Die diesjährigen Preisträger sind Prof. Dr. Dieter Messner von der Universität Salzburg und Priv.-Doz. Dr. Axel Schönberger von der Universität Bremen.

Beim Festakt, der um 19 Uhr im Hörsaal IV des Großen Hörsaalzentrums (Universitätsstraße 10) beginnt, wird Botschaftsrätin Dr. Margarida Gouveia von der Botschaft der Republik Portugal in Berlin die Festansprache halten. Die Laudationes auf die Preisträger wird der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Spanien- und Lateinamerikastudien (ISLA), Prof. Dr. Reinhold Werner, halten. Auch als Leiter des Sprachenzentrums und als Inhaber des Lehrstuhls für Angewandte Sprachwissenschaft (Romanistik) setzt Werner sich seit Jahren für eine stärkere Beachtung portugalbezogener Themen in Forschung und Lehre an der Universität Augsburg und für einen Ausbau der Beziehungen zu wissenschaftlichen Institutionen in Portugal und Brasilien ein.

ERSTMALS PORTUGIESISCH-EXPERTEN

In diesem Jahr wird die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung erstmals unter der erweiterten Bezeichnung "Augsburger Universitätspreis für Spanien-, Portugal- und Lateinamerikastudien" verliehen. Die zwölf Wissenschaftler, die bisher mit dem 1986 gestifteten Preis jeweils auf Vorschlag des Instituts für Spanien- und Lateinamerikastudien der Universität Augsburg ausgezeichnet wurden, sind alle primär Spanien- oder Lateinamerikaspezialisten. Bei den beiden diesjährigen Preisträgern handelt es sich erstmals um ausgewiesene Portugal- bzw. Portugiesisch-Experten.

DIE PREISTRÄGER MESSNER UND SCHÖNBERGER

Der Salzburger Ordinarius Prof. Dr. Dieter Messner ist international vor allem aufgrund seiner lusitanistischen und hispanistischen Forschungsleistungen und mehrerer bereits mit Erfolg abgeschlossener, teils aber auch noch laufender lexikographischer Großprojekte zu den iberoromanischen Sprachen, insbesondere dem Portugiesischen, bekannt; er hat ab er auch zahlreiche Veröffentlichungen zu anderen romanischen Sprachen sowie zu literaturwissenschaftlichen Themen nachzuweisen. Auch Priv.-Doz. Dr. Axel Schönberger vertritt die Romanistik in ihrer vollen klassischen Breite. Insbesondere hat er sich aber mit literatur- und kulturwissenschaftlichen Publikationen einen Namen gemacht. Außerdem ist er in mehreren Fachverbänden aktiv. Seit 1987 ist er Vizepräsident des Deutschen Katalanistenverbandes, seit 1995 Schriftführer des Deutschen Hispanistenverbandes und seit 1997 Schriftführer des Deutschen Lusitanistenverbandes. Dieter Messner hat ebenfalls immer wieder verbandspolitische Verantwortung übernommen: Von 1993 bis 1997 war er Vorstandsmitglied des Deutschen Hispanistenverbandes, seit 1993 (mit einer kurzen Unterbrechung) ist er Vorstandsmitglied des Deutschen Lusitanistenverbandes. Dank Messner ist das Institut für Romanistik der Universität Salzburg im gesamten deutschsprachigen Raum eines der bedeutendsten Zentren nicht nur lusitanistischer Forschung, sondern auch der Lehre in portugiesischer Sprache, Sprachwissenschaft und Literaturwissenschaft: Selbst im Vergleich mit den renommiertesten lusitanistischen Zentren in Deutschland ist die Zahl der Salzburger Studierenden, die lusitanistische Fächer belegen, signifikant hoch.

DIE LUSITANISTIK IM AUGSBURGER SPANIEN- UND LATEINAMERIKA-SCHWERPUNKT

"Bei uns an der Universität Augsburg", so Werner, "gibt es keinen lusitanistischen Studiengang. Trotzdem fehlt es nicht an beachtlichen Leistungen, was die Beschäftigung mit portugiesischer Sprache und Literatur betrifft, und sogar das eine oder andere Glanzlicht ist zu verzeichnen. Allerdings wären diese nicht ohne großzügige externe Hilfe möglich." Die wichtigste Unterstützung kommt vom Instituto Camões. Seit 1991 unterhält die dem portugiesischen Außenministerium unterstehende Institution, deren Aufgaben denen des Deutschen Goethe-Instituts vergleichbar sind, ein Stiftungslektorat am Sprachenzentrum der Universität Augsburg, das seit dem Herbst 2001 mit Gilda Venúcia Cardoso ist. Die Lektorin war zuvor in Osttimor eingesetzt und bringt jetzt Studierenden der Universität Augsburg Sprache und Kultur ihres Heimatlandes näher.

Dank dieses Stiftungslektorates ist es dem Sprachenzentrum möglich, sowohl eine Allgemeine als auch eine Fachbezogene Fremdsprachenausbildung in Portugiesisch anzubieten. Beide können mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. In Zukunft soll ferner die Abnahme einer offiziellen portugiesischen Prüfung (Sistema de Avaliaç"o e Certificaç"o de Português Língua Estrangeira) möglich sein, die international vom Centro de Avaliaç"o do Português Língua Estrangeira der Universität Lissabon koordiniert wird.

KEIN "ABFALLPRODUKT" ODER "ANHÄNGSEL"

Was die studienbegleitenden Fremdsprachenausbildungen für Studierende nicht philologischer Fächer betrifft, genießt die Universität Augsburg, wie Werner betont, "einen ausgezeichneten Ruf, was damit zu tun hat, dass an unserem Sprachenzentrum die Fremdsprachenausbildungen für Ökonomen, Juristen etc. nicht nur als Abfallprodukte philologischer Studiengänge von nur philologisch ausgebildeten Dozenten durchgeführt werden, sondern aus eigenem Recht, mit eigener Logistik und unter Einsatz von professionellen Fremdsprachenlehrern, die teilweise auch über spezifische sachfachliche Kenntnisse verfügen."

Dem Augsburger Spanien- und Lateinamerikaschwerpunkt entsprechend ist gerade das fachspezifische Fremdsprachenangebot in Spanisch am breitesten ausgefächert, und zwar mit den drei Ausrichtungen Wirtschaft, Recht sowie Kultur und Gesellschaft. Der Leiter der Abteilung Romanische Sprachen II (Spanisch, Katalanisch, Italienisch), René Steinitz, der als Deutsch-Chilene Spanisch und Deutsch als Muttersprachen spricht, ist beeidigter Dolmetscher und Übersetzer und war jahrelang in der Übersetzer- und Dolmetscherausbildung tätig. Darüber hinaus verkörpert er als Diplomvolkswirt und Diplomsoziologe eine Kombination von Qualifikationen, die ihn für den Unterricht im Schwerpunktfach Wirtschaftsspanisch der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät prädestiniert. Dass das Portugiesische in Augsburg nicht nur als ein Anhängsel des Spanischen gelehrt wird, zeigt sich bereits in seiner Zuordnung zu der Sprachenzentrumsabteilung Romanische Sprachen I, die von dem auf die Sprachen Portugiesisch und Französisch spezialisierten Dr. Stefan Ettinger geleitet wird.

WELTWEIT EINZIGARTIG UND INTERNATIONAL BEACHTET

Im Bereich der Philologien wird das Portugiesische von Prof. Dr. Thomas Scheerer (Romanische Literaturwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung Spaniens und Lateinamerikas) und von Werner selbst vertreten, der jüngst die Erweiterung eines bislang rein hispanistischen Hauptfachstudiengangs um eine ansehnliche lusitanistische Komponente umgesetzt und damit die Voraussetzungen für die Fachbezeichnung "Romanistik: Angewandte Sprachwissenschaft Spanisch/Portugiesisch" geschaffen hat. Dass der meistbelegte romanistische Magisterstudiengang in Augsburg die Beschäftigung mit den beiden großen iberoromanischen Sprachen erfordert, dass er - mit Schwerpunkten auf Fremdsprachenunterricht, Fachsprachenlinguistik, Übersetzungswissenschaft und Wörterbuchforschung - stark praxisorientiert ist und dass er hohe Anforderungen im Bereich der Sprachpraxis stellt, verweist auf eine konsequente Orientierung am akademischen Arbeitsmarkt. "Dass wir an der Universität Augsburg neben dem Lehramtsfach Spanisch und neben den ebenfalls stark nachgefragten iberoromanistischen Studiengängen 'Romanistik: Literaturwissenschaft Spanisch' und 'Romanistik: Sprachwissenschaft Spanisch' einen eigenen Studiengang für eine auf Spanisch und Portugiesisch bezogene Angewandte Sprachwissenschaft anbieten, ist international einzigartig", betont Werner.

Der ISLA-Chef räumt ein, dass lusitanistische Forschung in Augsburg zwar in quantitativ bescheidenem Umfang betrieben werde, "aber international und vor allem in Portugal, Brasilien und in den spanischsprachigen Ländern stoßen wir mit dem, was wir auf diesem Gebiet machen, auf große Beachtung." An fünf großen wissenschaftlichen Kolloquien zur Lexikographie der iberoromanischen Sprachen, die in den letzten Jahren an der Universität Augsburg stattgefunden haben, haben neben Wissenschaftlern aus Spanien und Lateinamerika auch regelmäßig Spezialisten aus Portugal teilgenommen, und diese Kolloquien sind stets u. a. auch durch die Spanische Botschaft in Deutschland, durch das Instituto Cervantes - das spanisches Pendant zum Goethe-Institut -, durch spanische Partneruniversitäten sowie - von portugiesischer Seite - durch das Instituto Camões finanziell großzügig gefördert worden.

SCHWERPUNKT IBEROROMANISTISCHE WÖRTERBUCHFORSCHUNG

"Als Zentrum für iberoromanistische Wörterbuchforschung genießt die Universität Augsburg inzwischen einen einzigartigen Ruf. Laufend werden Nachwuchswissenschaftler aus Lateinamerika - und in den letzten Jahren zunehmend auch aus Spanien - als Stipendiaten nach Augsburg entsandt, um sich bei uns in moderner Lexikographie fortzubilden", betont Werner, der jüngst zum "Vicepresidente" des nationalen spanischen Fachverbandes für Lexikographie (Asociación Española de Lexicografía) gewählt wurde und derzeit auf dem Sprung nach Peru und Brasilien ist, wo er eine Reihe von Gastvorlesungen über Lexikographie halten wird. Wörterbücher des amerikanischen Spanisch sind Gegenstand eines großen Forschungsprojekts an Werners Lehrstuhl, dessen überwiegend Drittmittel-finanzierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allesamt aus Spanien, Bolivien, Kolumbien, Peru und Frankreich stammen.

LITERATUR- UND SOZIALWISSENSCHAFTLICHE PROJEKTE

Mit Brasilien ist ein portugiesischsprachiges Land auch in ein großes literaturwissenschaftliches Projekt einbezogen, das unter dem Dach des ISLA und unter Leitung von Prof. Dr. Thomas M. Scheerer die Erstellung eines "Bio-Bibliographischen Index Lateinamerikanischer Autoren" zum Ziel hat. Daneben ist es die hohe Konzentration sozialwissenschaftlicher Forschungsprojekte, die die Augsburger Spanien- und Lateinamerikaforschung in besonderer Weise auszeichnet. Unter der Leitung des Soziologen Prof. Dr. Peter Waldmann - eines international renommierten Terrorismus-Experten - läuft derzeit ein von der VW-Stiftung und von FORAREA gefördertes "Anomie-Projekt", bei dem es um die gesellschaftlichen Auswirkungen von Diktaturen - mit Fallstudien zu Spanien, Chile, Argentinien und Paraguay - geht. Daneben vergleicht - auf der Grundlage von Fallstudien zu Bolivien, Chile und Venezuela - ein ebenfalls von der VW-Stiftung gefördertes "Polizeiprojekt" die informellen Verhaltensnormen der Polizei in Südamerika und in der Bundesrepublik. Die Projekte "Rechtshilfe in lateinamerikanischen und afrikanischen Armenvierteln" und "Lokalentwicklung: Regionale Identitäten im spanisch-deutschen Vergleich" werden u. a. von der Deutschen Bischofskonferenz und von der UNO gefördert.

"Insgesamt", resümiert Werner, "können wir nach 17 Jahren ISLA eine ansehnliche Forschungsbilanz vorweisen. Die portugalbezogenen Aktivitäten haben dabei mittlerweile ein Maß und eine Qualität erreicht, die Anlass dazu geben, unser Institut für Spanien- und Lateinamerikastudien auch im Namen zu einem Institut für Spanien-, Portugal- und Lateinamerikastudien auszubauen." Dass die Bilanz so positiv ausfalle, sei laut Werner zum großen Teil externer Unterstützung zu verdanken. Weil das ISLA international weit mehr wahrgenommen werde als in seinem unmittelbaren lokalen und regionalen Umfeld, sei gerade auch der Universitätspreis für Spanien-, Portugal- und Lateinamerikastudien der Albert-Leimer-Stiftung von großer Bedeutung für das Image des ISLA, das "nicht nur, aber insbesondere vor dem Hintergrund seiner vergleichsweise sehr bescheidenen regulären Ausstattung beachtliche Leistungen zu Wege bringt."

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BISHERIGE TRÄGER DES AUGSBURGER UNIVERSITÄTSPREISES FÜR SPANIEN- UND LATEINAMERIKASTUDIEN:

* 1986: Prof. Dr. Herbert Wilhelmy (Tübingen) und Walter Haubrich (Madrid/Frankfurt a. M.);

* 1988: Prof. Dr. Erwin Walter Palm (Heidelberg, + 1988) und Prof. Dr. Alain Rouquié (Paris);
* 1990: Prof. Dr. Raymond Carr (Oxford) und Wolf Grabendorff (Madrid);
* 1993: Prof. Dr. Hans-Jörg Neuschäfer (Saarbrücken) und Prof. Dr. Giovanni Meo Zilio (Treviso);
* 1995: Dr. Klaus Eßer (Berlin);
* 1998: Prof. Dr. Gerd Kohlhepp (Tübingen) und Klaus Dieter Vervuert (Frankfurt a. M.);
* 2000: Prof. Dr. Dieter Nohlen (Heidelberg)
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KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:
Prof. Dr. Reinhold Werner, Institut für Spanien- und Lateinamerikastudien der Universität Augsburg, 86135 Augsburg, Telefon 0821/598-2760, reinhold.werner@phil.uni-augsburg.de
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