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Was Sprichwörter über die Vorstellung von Arbeit verraten

21.03.2013 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Indogermanistinnen der Universität Jena starten neues Projekt Miniaturmuster-Thesaurus Ohne Fleiß kein Preis. Es gibt wohl kaum jemanden, der das Sprichwort nicht kennt. Fest in den Köpfen verankert ist daher die Auffassung, dass nur strebsames Arbeiten zum Erfolg führt. Auch bei den Tschechen und Slowaken heißt es ganz ähnlich: Ohne Arbeit gibt es keinen Kuchen. Doch wie hat sich die Vorstellung von Arbeit im Laufe der Zeit und innerhalb der verschiedenen Kulturen verändert, und welche Rolle spielen solche Sprichwörter und Redewendungen dabei?

Indogermanisten und Soziologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena wollen diesen Fragen in einem neuen Forschungsvorhaben auf den Grund gehen. Das kürzlich gestartete Projekt wird von der Fritz Thyssen Stiftung in den nächsten zwei Jahren mit knapp 150.000 Euro gefördert und ermöglicht die Schaffung von zwei Wissenschaftlerstellen eine im Bereich Indogermanistik und eine in der Soziologie.

Die Wissenschaftler werden sogenannte Miniaturmuster zum Thema Arbeit aus ganz Europa erfassen und auswerten. Dazu gehören Kleintexte wie Aphorismen, Lieder, Sprichwörter und Witze. Sie geben Auskunft über die in einer Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit vorherrschenden Vorstellungen und Überzeugungen. Miniaturmuster zum Thema Arbeit finden sich schon in der Bibel: Dort heißt es, dass Adam nach der Vertreibung aus dem Paradies im Schweiße seines Angesichts für seinen Unterhalt sorgen muss, sagt die Indogermanistin Prof. Dr. Rosemarie Lühr. Das Lied vom fleißigen Bienchen Kathrinchen, das Frau Hummel vom Arbeiten abhalten möchte, sei ein weiteres alltägliches Beispiel, so die Projektleiterin.

Die Jenaer Wissenschaftler wollen nun untersuchen, wie solche Volksweisheiten, Redewendungen und Zitate entstanden, über Generationen hinweg überliefert und in andere Kulturkreise übertragen worden sind. Die Entwicklungsgeschichte der Miniaturmuster verdeutliche, wie sich die Definition und die Bewertung von Arbeit von Sklavenarbeit hin zu einem Wert und Menschenrecht im Laufe der Geschichte gewandelt haben, betont Prof. Lühr.

Die Ergebnisse ihrer Forschung werden Prof. Lühr und ihr Team in einem speziellen Wörterbuch zusammentragen dem Miniaturmuster-Thesaurus. Die Datenbank wird online zugänglich gemacht, denn die Jenaer Sprachforscher wollen nicht nur Wissenschaftler ansprechen, etwa Theologen, Literaturwissenschaftler und Soziologen. Die Untersuchung von Miniaturmustern sei auch für Politiker und Lehrer von Nutzen, so Dr. Bettina Bock. Wortgeschichte und Deutungen von Redewendungen spielen eine zunehmende Rolle beim Fremdsprachenerwerb, da sie das Sprachbewusstsein der Sprecher fördern, weiß die Projektmitarbeiterin.

Zudem möchte das Team um Prof. Lühr einen Beitrag zur politischen Bildung leisten: Miniaturmuster werden in aktuellen Diskursen oft als Argumentationsmittel eingesetzt, wobei sich so auch Vorurteile verbreiten können, erklärt Stefan Brachat, der zweite Projektmitarbeiter. Gerade vor dem Hintergrund der heutigen Arbeitsmigration in Europa treten häufig vorurteilshafte Miniaturmuster auf, wie das Beispiel der Polenwitze zeigt, so der Soziologe.

Die Jenaer Forscher möchten daher nicht nur Sprachgeschichte aufarbeiten, sondern vor allem für kritische Redewendungen und vorurteilshafte Aussprüche sensibilisieren als ersten Schritt, diese zu hinterfragen und verfestigte Denkmuster aufzubrechen.

Kontakt:
Dr. Bettina Bock
Lehrstuhl für Indogermanistik der Universität Jena
Zwätzengasse 12
07743 Jena
Tel.: 03641 / 944385
E-Mail: bettina.bock[at]uni-jena.de function fbs_click() {u=location.href;t=document.title;window.open('http://www.facebook.com/sharer.php?u='+encodeURIComponent(u)+'&t='+encodeURIComponent(t),'sharer','toolbar=0,status=0,width=626,height=436');return false;} html .fb_share_link { padding:2px 0 0 20px; height:16px; background:url(http://static.ak.facebook.com/images/share/facebook_share_icon.gif?6:26981) no-repeat top left; } Share on Facebook

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