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"Jung gegen Alt? "

15.11.2003 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Artikel zur Geschlechtersolidarität von Prof. Dr. Uta Meier und zur Zukunft der Rente von Prof. Dr. Reimer Gronemeyer im Schwerpunktheft der Zeitschrift "UNIVERSITAS"

In einem Schwerpunktheft zum Thema "Jung gegen Alt?" der Zeitschrift "UNIVERSITAS" (11/2003) schreibt Prof. Dr. Uta Meier, Professur für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen, über den Zusammenhang zwischen Geschlechter- und Generationensolidarität. Prof. Dr. Reimer Gronemeyer, Professur für Bildungssoziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, setzt sich in seinem Beitrag mit der Zukunft der Rente auseinander. Das Schwerpunktheft und ein kostenloses Probeabonnement (zwei Hefte) können Sie anfordern unter UNIVERSITAS@hirzel.de.

Der medial beschworene Krieg der Generationen hat viel zu tun mit einem mentalen und strukturellen Mangel an Geschlechtersolidarität in der deutschen Gesellschaft, so Uta Meier in ihrem Artikel "Zwischen Prinzipienreiterei und moralischer Indifferenz. Generationensolidarität braucht mehr Geschlechtersolidarität". Dass wir mehr Kinder brauchen, um einem neuen Generationenvertrag die notwendige Basis zu geben, ist weitgehend unumstritten. Doch dass es nach wie vor die Frauen sind, die die Hauptlasten und -risiken der Entscheidung für ein Kind tragen, werde in der derzeit zuweilen aufgeregt und unsachlich geführten Debatte in Politik und Öffentlichkeit viel zu selten zum Thema gemacht. Wenn es nicht gelinge, gut ausgebildeten Frauen besser als heute zu ermöglichen, Kind und Beruf in Einklang zu bringen, werde sich der derzeitige Trend verstärken, demzufolge bereits im Jahr 2010 fast die Hälfte aller Akademikerinnen kinderlos sein wird.

Andere Länder - bessere Modelle

Dass es sich dabei nicht um einen unausweichlichen Trend moderner Gesellschaften handelt, zeigt ein Blick in andere west- und nordeuropäische Länder: In Frankreich, Dänemark und auch in den Niederlanden bringen Frauen mehr Kinder zur Welt als hierzulande - auch die Akademikerinnen - bei einer gleichzeitig höheren weiblichen Beschäftigungsquote, was mit den deutlich besseren Rahmenbedingungen für eine "Work-Life-Balance" zu tun hat. Vor allem gelte es, die Rückkehrwünsche ins Berufsleben ernst zu nehmen, so die Autorin. Eine 1998 durchgeführte Befragung gibt darüber Auskunft, dass in Deutschland von den Ehepaaren mit Kindern unter sechs Jahren 52 Prozent der Frauen nicht erwerbstätig sind, dies aber nur sechs Prozent wünschten. Daher hält Prof. Uta Meier das groß angelegte Vorhaben der Bundesregierung zum quantitativen und qualitativen Ausbau des Systems der Tagesbetreuungseinrichtungen für Kinder für ein richtiges und längst überfälliges Signal. Bis zum Jahr 2010 sollen in der Kinderbetreuung die Standards vergleichbarer europäischer Länder erreicht werden - ein "Back-up-System", das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt.

Übergang zur Elternschaft als Retraditionalisierungsfalle

Doch auch die mangelnde Solidarität des männlichen Geschlechts, so Uta Meier, trage dazu bei, dass insbesondere Frauen den Übergang von der reinen Partnerschaft zur Elternschaft nicht nur als bereichernd, sondern oft auch als belastend empfinden - die vor der Geburt bekundete Wertorientierung, Familie leben zu wollen, wird von Frauen und Männern mit oft völlig unterschiedlichen Vorstellungen gefüllt. Zudem schleichen sich mit der Geburt häufig Retraditionalisierungsprozesse geschlechtsspezifischer Rollen in die Partnerbeziehung ein - oft auch gegen vorher ausgehandelte Arrangements. Der Wunsch der Mütter nach einem zweiten Kind geht umso mehr zurück, je unzufriedener sie mit ihrer Rolle als Mutter sind und je mehr ihnen der Kindesvater die anfallende Haus- und Fürsorgearbeit überlässt.

Was geschieht mit der Rente?

Prof. Dr. Reimer Gronemeyer, Professur für Bildungssoziologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, sieht in seinem Beitrag für das Schwerpunktheft der UNIVERSITAS die Generationengerechtigkeit dadurch verletzt, dass trotz ständig steigender Beiträge die Menschen, die heute in die Sozialversicherung einzahlen, später immer weniger Rente bekommen und davon nicht annähernd so gut leben können wie viele der Arbeitnehmer, die jetzt in den Ruhestand gehen. Diese müssten, so der Autor des Artikels "Was geschieht mit der Rente?", künftig zugunsten der Jungen zurückstecken und würden dies in ihrer Mehrheit auch verstehen, selbst wenn die derzeitigen Proteste der Sozialverbände und die Demonstrationen in anderen europäischen Staaten mit vergleichbaren Problemen, wie Frankreich und Österreich, darauf hindeuten, dass soziale Konflikte nicht ausbleiben werden.

Die Tatsache, dass die finanziellen Spielräume der einzelnen Regierungen beschränkt sind, dürfe jedoch nicht bedeuten, dass traditionelle soziale Sicherheiten generell zur Disposition stehen. Denn, so Prof. Gronemeyer abschließend, wer so tut, als wären 'Freiheit', 'Gerechtigkeit' und 'Solidarität' angestaubte Begriffe, die säkularisiert werden müssten und dann als 'Flexibilisierung', 'Deregulierung' und 'Eigenverantwortung' wiederkehren, schneide seine Wurzeln ab. Die sozialpolitische Zukunftsfrage laute: Wie kann es gelingen, die in einem langen historischen Prozess entstandene soziale Sicherung der Individuen angesichts der Globalisierung von Kapital und Arbeit zu retten?

Weitere Beiträge im Schwerpunktheft "Jung gegen Alt?" der UNIVERSITAS stammen von Herfried Münkler: "Wie funktioniert der Generationenkrieg?", Michael Opielka: "Solidarität zwischen den Generationen", Christoph Butterwegge: "Generationengerechtigkeit und demografischer Wandel" und Walter Hirrlinger: "Die Leistung der Alten respektieren".

Kontakt:

Dirk Katzschmann

Redaktion UNIVERSITAS,
Birkenwaldstraße 44
70191 Stuttgart
Tel.:0711/2582-240
Fax: 0711/2582-290
e-mail: UNIVERSITAS@hirzel.de
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