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Lyme-Borreliose bei Zootieren

18.11.2003 - (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.

Erste Studie in Deutschland zeigt, dass mindestens zehn Prozent der Tiere in Zoos mit dem Krankheitserreger in Kontakt kamen. Zoobesucher tragen kein erhöhtes Risiko. Zoopersonal ist durch Zecken eher gefährdet

Wissenschaftler des Berliner Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) haben zusammen mit einem Kollegen des Bundesinstituts für Risikobewertung erstmals Zootiere deutschlandweit systematisch auf Lyme-Borreliose hin untersucht. Dabei zeigte sich, dass mehr als zehn Prozent der Tiere spezifische Antikörper gegen den Erreger der Krankheit, Borrelia burgdorferi, aufwiesen. Weitere elf Prozent wiesen Testwerte auf, die auf eine Infektion hindeuten, aber nicht eindeutig waren. Katrin Stöbel, Arno Schönberg und Jürgen Streich berichten darüber im Fachjournal Epidemiology and Infection.

Borreliose wird durch Zecken übertragen und ist auch für Menschen gefährlich. Die Krankheit kann sehr unterschiedlich verlaufen; die Symptome reichen von einer ringförmigen Hautrötung an der Bissstelle über rheuma-ähnliche Gelenkbeschwerden bis hin zu Symptomen des Nervensystems. Borreliose ist mit Antibiotika vor allem in der Frühphase gut zu behandeln.

Die Studie aus Berlin zeigt nun erstmals, dass ein erheblicher Anteil an Zootieren dem Erreger der Borreliose ausgesetzt ist. Die Durchseuchungsrate Borrelien-infizierter Zecken in den Tierparks entspricht derjenigen im europäischen Freiland; bis zu 30 Prozent der Zecken im europäischen Raum sind mit Borrelien infiziert.

Die Studie ist insbesondere für Zootierärzte wichtig: Sie sollten die Möglichkeit einer Borreliose-Erkrankung bei der Diagnosestellung in Betracht ziehen. Gleichwohl ist auch das Personal der Tierparks und zoologischen Gärten betroffen. Gerade Gärtner sind besonders gefährdet, da sich die Zecken vor allem im Gebüsch und Unterholz aufhalten. Im Rahmen der Gehegeausstattung werden Zecken mit Ästen, Blättern und Grünfutter in die Anlagen getragen. Es sei nicht auszuschließen, heißt es in der Studie, dass Borreliose auch durch Urin oder Blut von infizierten Zootieren übertragen werde. Die Gefahr sei jedoch sehr gering. Zoobesucher sind nach Ansicht der Studienautoren keinem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.

Ansprechpartner am IZW: Katrin Stöbel, 030 / 51 68 - 504; Jürgen Streich, 030 / 51 68 - 727,
http://www.izw-berlin.de

Quelle: K. Stöbel, A. Schönberg, J. Streich: The seroepidemiology of Lyme borreliosis in zoo animals in Germany; in: Epidemiol. Infect., Bd. 131, S. 975 (2003)

Das IZW forscht in den Bereichen Evolutionsbiologie und -ökologie, Wildtiermedizin sowie Reproduktionsbiologie. Die Experten untersuchen Säugetiere und Vögel in ihren Wechselbeziehungen mit Mensch und biotischer wie abiotischer Umwelt. Hauptziel ist die Erforschung der Anpassungsleistungen und -grenzen größerer Wildtiere und ihrer Rolle in naturnahen und kulturnahen Ökosystemen. Schwerpunktregionen sind Mitteleuropa, Ostasien, Ost- und südliches Afrika. Das Institut legt besonderen Wert auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Biologen und Veterinärmedizinern und setzt seine Forschungsziele durch Kooperationsprojekte mit Schutzgebieten und Zoos in Europa, Afrika und Nordamerika um. Das IZW gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB) Es hat knapp hundert Mitarbeiter und einen Etat von mehr als vier Millionen Euro.

Im FVB sind acht natur-, umwelt- und lebenswissenschaftlich orientierte Institute zusammengeschlossen, die wissenschaftlich eigenständig sind, aber im Rahmen einer einheitlichen Rechtspersönlichkeit gemeinsame Interessen wahrnehmen. Alle Institute des Forschungsverbundes Berlin e.V. gehören zur Leibniz-Gemeinschaft.

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