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Ein eigenes Profil für jeden Campus

20.11.2003 - (idw) Universität Duisburg-Essen

Vor prominenten Vertretern des öffentlichen Lebens und zahlreichen Mitgliedern der Hochschule wurde heute (Mittwoch, 19.11.) Prof. Dr. Lothar Zechlin im Rahmen der Inaugurationsfeier offiziell in sein Amt als Rektor der Universität Duisburg-Essen eingeführt.

Im vollbesetzten Audimax auf dem Duisburger Campus würdigten Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft und die Oberbürgermeister der beiden Städte, Bärbel Zieling und Dr. Wolfgang Reiniger, als Ereignis, von dem an, wie Zieling sagte, "auf dem Duisburger wie dem Essener Campus nicht länger zurück, sondern konsequent nach vorn" zu blicken sei.

Das tat der Rektor in seiner Antrittsrede. Gefragt sei weder "das Hochjubeln noch das Verdammen der Fusion, sondern nüchterne Analyse." Als er sie vorgenommen hatte, war er "zuversichtlich, dass wir ein Vorzeigeprojekt zustande bringen." Andere würden von Duisburg-Essener Fehlern lernen und Duisburg-Essener Erfolge kopieren. Denn dessen war sich der Rektor sicher: Es wird weitere Hochschulzusammenschlüsse geben; Beispiele für bereits erfolgte und solche, die diskutiert werden, hatte er seinen Hörern bereits genannt.

Es sei Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen für solche gewünschten Veränderungen herzustellen. Die Landesregierung habe zugesagt, fusionsbedingte Synergieeffekte in der Universität zu belassen, und von über den Qualitätspakt hinausgehenden weiteren Stellenabsenkungen zu verzichten. Vorausgesetzt die Landesregierung halte ihre Zusagen ein, gebe es keinen Grund, die Fusion als Sparmodell zu diskreditieren. "Sie eröffnet", sagte der Rektor, "die Chance durch interne Umschichtung von Ressourcen Stärken auszubauen und Innovationen einzuleiten."

Die Gründe für das Scheitern der überwiegenden Zahl der Fusionen in der Wirtschaft seien vor allem in einer Unterschätzung der "weichen" sozialpsychologischen und gruppendynamischen Faktoren zu suchen. Lothar Zechlin zitierte den Witten-Herdecker Fusionsforscher Stephan A. Jansen, der als Misserfolgsgründe u.a. genannt habe, dass es nicht gelinge, eine neue Identität des fusionierten Unternehmens zu schaffen, dass die Beschäftigten sich als "wir" und "die anderen" erlebten und dass Fusionen anstrengende Momente der Selbstbeschäftigung seien, für die sich die Kunden nicht interessierten.

Am sensibelsten seien Fusionen von wissensbasierten Unternehmen, bei denen das eigentliche Kapital im Wissen der Mitarbeiter liege. Zechlin konnte die von Jansen genannten Probleme im eigenen Haus bereits entdecken: Die "anstrengenden Momente der Selbstbeschäftigung" bei der Diskussion um die Neuordnung der Fächerstruktur und die Zuordnung der Fächer zu dem einen oder anderen Campus, die Sozialpsychologie des "wir" und "die anderen" und die besondere Problemlage der wissensbasierten Organisationen. "Wissen ist unser eigentliches Kapital!", mahnte Zechlin. Um gute Leute halten oder berufen zu können, müsse ihnen die Hochschule klare Perspektiven bieten können. Der Rektor: "Diese Perspektiven sind aber erst im Entstehen begriffen. Wir befinden uns deshalb in einer extrem labilen Situation."

Zechlin sprach vom "Langsamen als Gewinner" und sah das Geheimnis erfolgreicher Fusionen in der gemeinsamen Neuentwicklung der beiden Partner auf der Basis ihrer Geschichte und unterschiedlichen Identität: "Worauf es ankommt, ist die Verschiedenheit der beiden Partner anzuerkennen und für eine gemeinsame Entwicklung fruchtbar zu machen und das braucht eben Zeit."

Den von ihm entworfenen Zeitplan steckte Zechlin konkret ab. Spätestens im Frühjahr werde das Rektorat - nach der Benehmensherstellung mit dem Senat - die Fächerverteilung rechtlich verbindlich festlegen. Bis zum Frühsommer werde Klarheit über die Organisationsstruktur herrschen - ob es etwa viele kleine Fachbereiche oder wenige große Fakultäten geben werde und wie zentrale oder dezentrale Kompetenzen zu verteilen seien.

Aufgabe der zentralen Leitung seien die Erarbeitung eines gemeinsamen strategischen Entwicklungsrahmens, der Aufbau einer Qualitätssicherung und eines strategischen Controllings sowie die Budgetsteuerung. In diesem Rahmen solle jeder Campus sein eigenes Profil festlegen und seine eigene Entwicklung bestimmen und damit auch eine spezifische Duisburger oder Essener Identität bewahren.

Die Ausprägung einer "inneren Autonomie" auf jedem Campus ist nach Zechlin "Ausdruck des Managements von Differenz" und soll die Hochschule "auch dazu befähigen, die lokalen Anbindungen der Universität mit den jeweiligen spezifischen Duisburger oder Essener Eigenheiten beizubehalten."

Während AStA-Vorsitzender Bora Sahin für die Studierenden Kritik an der Rechtsverordnung zur Einführung von Studiengebühren übte, und Zweifel an der Einhaltung der von der Landesregierung gegebenen Zusagen zu den finanziellen Rahmenbedingungen der Fusion äußerte, bekräftigte Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft, dass es genau bei diesen Zusagen bleiben werde. Sie war überzeugt, dass die Hochschule in Lothar Zechlin einen Rektor gefunden habe, der mit der breiten Zustimmung der Universitätsmitglieder die schwierige Umstrukturierungsphase der nächsten Jahre meistern werde. Mit Nachdruck betonte Kraft die wichtige Rolle, die den NRW-Hochschulen beim Technologietransfer und beim Strukturwandel der gesamten Region zufalle.

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel 0203/379-2430, Monika Rögge, Tel 0201/183-2085

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