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Akademie Leopoldina beruft Gründungsmitglieder ihrer neuen Sektion Kulturwissenschaften

21.11.2003 - (idw) Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina nimmt vier herausragende Gelehrte aus den Kulturwissenschaften auf, die Erfahrung im Gespräch mit Naturwissenschaftlern haben und den Begriff der Kultur sowie dessen reformatorische Analyse als Kern ihrer Arbeit ansehen.

Nur einen Monat nach Gründung der Sektion Kulturwissenschaften hat das Präsidium der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina am 18. November 2003 vier namhafte Gründungsmitglieder berufen. Es handelt sich um:

· Professorin Dr. Aleida Assmann, Konstanz, Literaturwissenschaftlerin
· Professor Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Frühwald, Augsburg, Literaturwissenschaftler
· Professor Dr. Dr. h.c. mult. Jürgen Kocka, Berlin, Historiker
· Professor Dr. Dr. h.c. Rüdiger Wolfrum, Heidelberg, Jurist

Einerseits wird die neu gegründete Sektion in der Analyse gesellschaftlicher Prozesse einen eigenen inhaltlichen Forschungsschwerpunkt verfolgen. Anderseits wird sie aktiv in Leopoldina Kommissionen mitarbeiten, die sich mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigen.

Mit der Gründung der Sektion Kulturwissenschaften und der Wahl der Gründungsmitglieder wird es der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, deren Fächerspektrum traditionell in den Naturwissenschaften und der Medizin liegt, möglich sein, in umfassenderer und konzentrierterer Form als bisher zu wichtigen gesellschaftlichen Fragen kritisch-reflexiv Stellung zu nehmen, hatte Leopoldina-Präsident Professor Dr. Volker ter Meulen (Würzburg) kürzlich erklärt. Das Präsidium der Leopoldina sieht in der Gründung einer Sektion Kulturwissenschaften und in der Berufung der ersten Gründungsmitglieder ein wichtiges und richtiges Zeichen, sich analog zu anderen Akademien - wie zum Beispiel der National Academy of Sciences in den Vereinigten Staaten - im Fächerspektrum abzurunden.

Das Präsidium der Leopoldina wird gemeinsam mit den vier Gründungsmitgliedern der Sektion Kulturwissenschaften die Aufnahme weiterer Mitglieder vorbereiten.

Die neuen Mitglieder:

Aleida Assmann, Jahrgang 1947, hat Anglistik und Ägyptologie in Heidelberg und Tübingen studiert, wurde in Anglistik und Ägyptologie promoviert (1977) und in Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft habilitiert (1992). 1993 erhielt sie den Ruf auf den Lehrstuhl für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. Forschungsgebiete: Geschichte des Lesens, Historische Anthropologie der Medien, insbes. Theorie und Geschichte der Schrift, Kulturelles Gedächtnis. Assmann ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen sowie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 1999 wurde sie mit dem Forschungspreis für Geisteswissenschaften der Philip-Morris-Stiftung ausgezeichnet. Sie ist Mitglied in zahlreichen Gremien und Kuratorien, u. a. im Stiftungsrat der Universität Hildesheim und im Bildungsrat Baden-Württemberg.

Wolfgang Frühwald, Jahrgang 1935, hat Deutsch, Geschichte, Geographie und Philosophie an der Universität und an der Technischen Hochschule München studiert und wurde im Fach Neuere Deutsche Literaturgeschichte promoviert (1961) und habilitiert (1969). Er war 33 Jahre lang Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte, in Trier-Kaiserslautern von 1970 bis 1974, 1974 bis zur Emeritierung im Jahr 2003 in München. Er war Präsident der DFG (1992-1997), seit 1999 ist er Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung. Frühwald ist Mitglied zahlreicher in- und ausländischer Akademien, erhielt namhafte Auszeichnungen (u. a. das Große Bundesverdienstkreuz, den Bayerischen Verdienstorden, den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst, die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, das Große Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens, Medaille Pro Scientiae et Litterarum des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, den Alfried-Krupp-Wissenschafts-Preis 2002, den Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung 2002). Seit 1999 ist er (in 2. Amtsperiode) gewählter externer Senator der Leopoldina. Wissenschaftliche Arbeitsgebiete: Geistliche Prosa des Mittelalters, Literatur der deutschen Romantik und der Moderne, Exilforschung, Editionsphilologie, Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftsorganisation.

Jürgen Kocka, Jahrgang 1941, hat Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaften, Germanistik und Philosophie studiert: M.A. in Political Sciences 1965 (Chapel Hill, N.C.); Promotion in Geschichte 1968 (FU Berlin); Habilitation in Neuerer und Neuester Geschichte 1972 (Münster). Er war Professor für Allgemeine Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Sozialgeschichte in Bielefeld (1973-1988), seit 1988 ist er Professor für Geschichte der industriellen Welt an der FU Berlin, seit 1998 ist er darüber hinaus Direktor am Zentrum für vergleichende Geschichte Europas der FU Berlin und der Humboldt-Universität Berlin und seit 2001 Präsident des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Seine Forschungen und Veröffentlichungen beschäftigen sich vor allem mit der Geschichte der Angestellten, Arbeiter und Unternehmer, mit dem Bürgertum und bürgerlicher Kultur im 19. Jahrhundert, mit Problemen der Zivilgesellschaft im europäischen Vergleich (19. und 20. Jahrhundert) wie mit Theorieproblemen der Geschichtswissenschaft und besonders der Sozialgeschichte.

Rüdiger Wolfrum, Jahrgang 1941, hat in Bonn und Tübingen Jura studiert, wurde 1973 promoviert und 1980 für Öffentliches Recht einschließlich Völkerrecht habilitiert. Er war Professor für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Universität Mainz (1982), danach ordentlicher Professor an der Universität Kiel (1982-1993), seit 1993 ist er Direktor am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht und ordentlicher Professor an der Universität Heidelberg. Er war Teilnehmer von deutscher Seite der Beratungen der 3. Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen. Seit 1996 ist er Richter am Internationalen Seegerichtshof, Mitglied des Sachverständigenkreises "Biodiversitätsforschung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Mitglied des Kollegiums und der Arbeitsgruppe "Biodiversität" der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen, Mitglied des Rates der Deutschen Vereinigung für Internationales Recht und seit 2002 Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. Hauptinteressen- und Publikationsgebiete: Seerecht, internationales Umweltrecht, Recht der Vereinten Nationen.

Zur Akademie Leopoldina
Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle an der Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie in Deutschland. Sie trägt durch die Jahresversammlungen, fachspezifische Meetings und Symposien, monatliche Vortragssitzungen und die vielfältigen persönlichen Kontakte der Mitglieder "zum Wohle des Menschen und der Natur" bei. Ihr gehören etwa 1 100 Mitglieder in aller Welt an. Drei Viertel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Viertel aus weiteren ca. 30 Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben. Unter den derzeit lebenden Nobelpreisträgern sind 35 Mitglieder der Leopoldina.

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