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Biophysik - nun nicht mehr einmalig

11.06.2002 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

In den vergangenen Tagen konnte man der Presse und dem Internet entnehmen, dass an der Universität Kaiserslautern ein Studiengang Diplom-Biophysik ins Leben gerufen wird. Und, wie man weiter erfuhr, dass dieses einmalig für die Bundesrepublik ist. Das ist in der Tat so, wenn man seinen Blick auf die alten Bundesländer oder auf das noch sehr junge Jahrtausend begrenzt. Aber - während man andernorts bemüht ist, solche innovativen Studienfächer zu installieren, kann die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) bereits auf einen seit langem etablierten Wissenschafts- und Studienschwerpunkt Biophysik als unverwechselbares Element der Universitätslandschaft verweisen. Seit nunmehr 20 Jahren kann der Studiengang 'Diplom-Biophysik' am Institut für Biologie der HU belegt werden (siehe www.biologie.hu-berlin.de), bisher bundesweit einmalig.

Um so erfreulicher ist es, dass nun eine weitere Universität (Kaiserslautern) dieses Studium ermöglicht. Die Notwendigkeit solcher Studiengänge ergibt sich aus der rasanten Entwicklung der Biologie, die mehr denn je interdisziplinär ausgebildete Studenten erfordert. Der Bedarf an Absolventen des Studienganges Biophysik an der HU bestätigt dieses eindrücklich. Die Ausbildung der Studenten liegt nicht nur in den Händen von Biologen und Physikern, sondern auch von Medizinern, Chemikern, Mathematikern, Informatikern und Ingenieuren. Hochschullehrer von drei Fakultäten haben sich in einem Interdisziplinären Zentrum für Biophysik und Bioinformatik (BPI) organisiert, um Lehre und Forschung zu gestalten. Deren Ziel ist die Aufklärung der physikalischen Grundlagen von Lebensprozessen angefangen vom Molekül, über die Zelle bis hin zum Organismus und seiner Umwelt. Die Forschung vermittelt faszinierende Einblicke in die molekulare Maschinerie des Sehvorganges, der Umwandlung von Lichtenergie in die für unser Leben notwendige chemische Energie unter Nutzung der Photosynthese oder dem Design von Pharmaka, die sich passgenau an pathogene Viren heften und somit Infektionen hemmen. Biophysikalische Forschung befasst sich mit den molekularen Details des ungehinderten Wachstums von Krebszellen ebenso wie mit der Entwicklung bioverträglicher, künstlicher Materialien als Grundlage für Organersatz. Die Anwendung von Strategien der biologischen Evolution und der Natur abgeschaute kleinste 'molekulare Motoren' bilden innovative Grundlagen für die Optimierung und Miniaturisierung von Maschinen. Auch auf neuen Gebieten, wie der Bioinformatik, ist die Biophysik gefordert: Die Aufklärung des genetischen Codes von Organismen, insbesondere in naher Zukunft sogar des gesamten menschlichen Genoms, liefert eine Flut von Informationen, deren Verständnis und (medizinische) Nutzung die Anwendung physikalischer Prinzipien und mathematischer Algorithmen unter Zuhilfenahme modernster Computertechnik erfordert. Gerade dieses Beispiel illustriert die für biophysikalisch orientierte Forschung typische enge Zusammenarbeit von Theoretikern und Experimentatoren. Gleichzeitig wird offensichtlich, dass es ein weites Feld an biophysikalischer Forschung gibt. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die Diplom-Studiengänge Biophysik in Berlin und Kaiserslautern unterschiedliche Akzente und Schwerpunkte setzen und somit attraktive Wahlmöglichkeiten für zukünftige Studenten bieten.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Andreas Herrmann, Institut für Biologie/Biophysik
Tel.: 49-30-2093-8830 FAX: 49-30-2093-8585 E-mail: andreas.herrmann@rz.hu-berlin.de
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