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Studie: Die Berliner Bevölkerung unterstützt den Uni-Streik

13.12.2003 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

Laut Untersuchung des Instituts für Sozialwissenschaften ist Erfolgseinschätzung aber eher gering

Fast 90 Prozent der Berliner stehen hinter dem seit Wochen andauernden Streik an den Berliner Hochschulen. Gespalten sind sie aber hinsichtlich ihrer Einschätzung, ob die Studenten mit ihren Aktionen etwas erreichen. Nur knapp 55 Prozent meinen, dass sich am Ende etwas bewegen wird. Bei den Studenten selbst ist der Anteil derer, die einen Erfolg ihrer Aktionen erwarten, mit 60 Prozent nur unwesentlich höher.

Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer Untersuchung des Instituts für Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität. Unter der Leitung von Professor Bernd Wegener haben Stu-dierende der Sozialwissenschaften in der Zeit vom 4. bis 8. Dezember eine Umfrage zur Einschätzung des Streiks und der Situation an den Berliner Hochschulen durchgeführt. Da die Lehrveranstaltungen an den Universitäten wegen des Streiks ausfallen, bot sich mit der Umfrage die Möglichkeit, mit den Mitteln der empirischen Sozialforschung einen Beitrag zur Analyse der aktuellen Hochschulsituation zu leisten und den durch den Streik verpassten Stoff dabei auch noch praktisch zu erlernen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Studierenden mit ihren Forderungen und Protestaktionen von einer deutlichen Mehrheit unterstützt werden. Danach gaben 87 Prozent der Berliner an, dass sie den gegenwärtigen Protest der Studierenden für unterstützenswert halten. Frauen und Befragte, die Studenten in ihrem näheren sozialen Umfeld kennen, sind sogar noch positiver eingestellt. Weniger Unterstützung der Aktionen findet sich nur bei Rentnern und Personen mit niedrigem Bildungsstand.

Auch die Protestaktionen selbst stoßen auf große Zustimmung. 94 Prozent begrüßen Demon--strationen als Mittel des Protests und 81 Prozent, dass Lehrveranstaltungen auf öffentlichen Plätzen stattfinden. Auch den Streik halten immerhin 62 Prozent für eine angemessene Reak-tion. Sogar hinter der friedlichen Besetzung öffentlicher Gebäude stehen 61 Prozent der Berliner.

Die Forderungen der Studenten halten die Berliner mit deutlicher Mehrheit für berechtigt: 84 Prozent unterstützen die Forderung nach Rücknahme der geplanten Kürzungen. 87 Prozent machen sich auch die Forderung nach dem Erhalt der Studienplätze und der Verbesserung der Studienbedingungen zueigen. Nach Meinung der Berliner tut die Politik für die Berliner Hoch-schulen deutlich zu wenig. Mit 78 Prozent ist jeder vierte Berliner dieser Auffassung, während nur 16 Prozent meinen, dass es "gerade angemessen" ist, was die Politik auf diesem Gebiet tut. Auch im Vergleich zu Einsparungen in anderen Bereichen (Arbeitslosigkeit, Rente, Gesund-heit) sind 66 Prozent der Meinung, dass an den Hochschulen zu viel gespart wird.

Informationen Dr. Bodo Lippl, Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität
Telefon, Fax [030] 2093 4417
e-mail lippl@empisoz.de
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