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Vermittler zwischen den Kulturen - Ehrendoktorwürde für Carlos Rincón

13.12.2003 - (idw) Universität Leipzig

Akademischer Festakt der Philologischen Fakultät am 17. 12. 2003 für den herausragenden Lateinamerikanisten und international hoch geachteten Literatur- und Kulturtheoretiker

Am kommenden Mittwoch, 17. Dezember 2003 (15 Uhr, Alter Senatssaal), verleiht die Philologische Fakultät der Universität Leipzig die Ehrendoktorwürde an den namhaften Lateinamerikanisten Prof. Dr. Carlos Rincón (Freie Universität Berlin). Sie ehrt damit einen der wichtigsten und renommiertesten Literatur- und Kulturtheoretiker der Gegenwart, insbesondere was den Bereich Lateinamerika betrifft, der überdies eng mit der Leipziger Lateinamerikanistik und ihren Zielen verbunden ist. Die Laudatio hält Frau Prof. Dr. Vittoria Borsò (Universität Düsseldorf). Daran schließen sich Ausführungen des Direktors des Ibero-Amerikanischen Forschungsseminars im Institut für Romanistik der Universität Leipzig, Prof. Dr. Alfonso de Toro, der, das Thema eines Buches von Carlos Rincón aufgreifend, seinen Vortrag unter den Titel "Auf der Suche nach einem Buch; wonach sonst! Oder die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen" stellt.

Carlos Rincón, Emeritus des Lateinamerika-Instituts der Freien Universität Berlin, in Kolumbien geboren, wo er auch zunächst studiert hat, promovierte 1965 an der Leipziger Universität bei Werner Bahner und Werner Krauss und wirkte von 1970 bis 1976 in einem Forschungsprojekt der Akademie der Wissenschaft in Leipzig. Er folgte dem bedeutenden Romanisten Werner Kraus nach Berlin, arbeitete später wissenschaftlich und kulturpolitisch in Kolumbien und Nicaragua - hier war er persönlicher Referent von Ernesto Cardenal im Kultusministerium Nikaraguas - , kehrte anschließend nach Deutschland zurück und übernahm 1990 den Lehrstuhl für Literatur und Kulturtheorie am Lateinamerika-Institut in Berlin.
Die Philologische Fakultät der Universität Leipzig begründet die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Carlos Rincón in der außergewöhnlichen Persönlichkeit des Gelehrten, in seinen international anerkannten und hervorragenden Leistungen in Lehre und Forschung, in dem transdisziplinären und transkulturellen Wissenschaftsprofil, das er vertritt, sowie in seinem Engagement am Ibero-Amerikanischen Forschungsseminar (IAFSL) im Institut für Romanistik an der Universität Leipzig.
Insbesondere werden die großen Verdienste von Prof. Rincón als Vermittler zwischen den Kulturen der Iberischen Halbinsel und Lateinamerika einerseits und Europa und Deutschland andererseits hervorgehoben. Auch die von Prof. Rincón in der Tradition von Werner Krauss vertretene Auffassung des geschichtlichen, gesellschaftlichen und ethischen Auftrags der Geisteswissenschaften bildet einen zentralen Aspekt in seinem wissenschaftlichen Tun (Hans Ulrich Gumbrecht, Stanford), das ihn zu einer grundlegenden Revision und Erneuerung der Literaturwissenschaft und der Lateinamerikanistik veranlasste, die er zu einer Kulturwissenschaft umformte, und zwar zu einem Zeitpunkt, als von den Kulturstudien in den Philologien noch keine Rede war (de Toro).
Unterstrichen wird der aufklärerische Impetus Prof. Rincóns in Forschung und Lehre (Hans Ulrich Gumbrecht), der im Rahmen eines transkulturellen Konzepts von Kultur die Lateinamerikanistik aus ihrer Randerscheinung und aus dem Exotischen in eine fundierte wissenschaftliche Disziplin hinausführte und dazu beitrug, den ethnozentrischen und eurozentrischen Blick auf Lateinamerika wesentlich zu verändern. Hier liegt mit Sicherheit einer der größten historischen Verdienste von Prof. Rincóns Arbeit in Deutschland.
Besondere Beachtung fanden Arbeiten wie "El Cambio actual de la noción de literatura y otros estudios de teoria y crítica latinoamerica" (Aktuelle Wandlung des Literaturbegriffs und andere Studien zur lateinamerikanischen Theorie und Kritik), die er bereits im Jahre 1978 veröffentlichte, oder der von ihm herausgegebene Sammelband "Crítica Literaria hoy. Entre las crisis y los cambios: un nuevo escenario" (Literaturkritik heute. Zwischen den Krisen und den Wandlungen: Ein neues Szenario, Stanford 1995) bzw. seine aufgrund ihres interdisziplinären Ansatzes sehr angesehenen Monographien "La no simultaneidad de lo simultáneo. Postmodernidad, globalización y culturas en América Latina" (Die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen. Postmoderne, Globalisierung und Kulturen in Lateinamerika, 1995) und "Mapas y plieges" (Landkarten und Falten, 1996).
Neben seiner enormen wissenschaftlichen Produktion, seiner bestechenden Fähigkeit, die kulturelle Vielheit nicht nur Lateinamerikas in präzise Konzepte und Termini zu übersetzen, und seinem immer auch praktischen Engagement für kulturelle Verständigung würdigen die Gutachter Prof. Rincón als vorzüglichen Lehrer, der eine außergewöhnlichen Zahl von Nachwuchswissenschaftlern gefördert und eine ganze Generation von Kulturtheoretikern in Deutschland und über Deutschland hinaus geformt hat.


Weitere Informationen:
Prof. Dr. Alfonso de Toro
Telefon: 0341 97 37490
E-Mail: detoro@uni-leipzig.de
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