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Universitätstage Heidelberg - Montpellier fanden regen Zuspruch

17.12.2003 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Ist Deutsch eine schwierige Sprache, die in einem kalten düsteren Land gesprochen wird? - Urteil eines teilnehmenden Studenten: "Mein Interesse an diesem Austausch ist geweckt"

Sehr gut besucht war am Donnerstagabend die Vortragsveranstaltung der Universitätstage Heidelberg - Montpellier im Hörsaal 1 der Neuen Universität. "Ja, es tut gut Euch wieder zu sehen, liebe Freunde. Es ist einfach erfreulich, wie diese Partnerschaft zwischen unseren Hochschulen so gut gewachsen ist", begann Organisator Professor Diether Raff seine Begrüßungsansprache. Bis Sonntag war eine 26-köpfige Delegation der drei Universitäten Montpelliers zu Gast, eine ganze Reihe von Vorträgen hielten die französischen Gastwissenschaftler bis dahin an verschiedenen Seminaren und Instituten in Heidelberg. Doch nicht der rein fachliche Aspekt stand bei diesem Besuch im Vordergrund, sondern ebenso wichtig war auch das persönliche Gespräch, ging es um die Vertiefung der bestehenden Kontakte. Der Titel des ersten Vortrags lautete "Die Bedeutung der Partnersprache für die deutsch-französische Zusammenarbeit", als Referenten sprachen Kurt Brenner und Professor Maurice Godé.

Brenner ist Direktor des Heidelberg-Hauses in Montpellier und bereits seit 1969 dessen Leiter. Für sein kulturelles Engagement bereits mehrfach ausgezeichnet, beschlich ihn in den letzten Jahren verstärkt ein ungutes Gefühl, wenn er den Blick an die Schulen wandte. "Wenn man das stark rückläufige Interesse der deutschen und französischen Schüler betrachtet, die Sprache des Nachbarn zu erlernen, besteht für unsere beiden Bildungssysteme Grund zur Besorgnis." Nach Brenners Einschätzung sei diese Situation fatal.

Vielen jungen Franzosen gelte Deutsch als uncool - als eine Sprache, die extrem schwierig sei und überdies in einem kalten düsteren Land gesprochen werde. "Wir haben uns meilenweit von den Intentionen der Gründungsväter des Elysée-Vertrages entfernt, die ausdrücklich Maßnahmen in ihrem Vertragswerk verankerten, die Sprache des Nachbarn im jeweiligen Unterrichtssystem zu fördern." Und auf dem Spiel steht dabei nicht wenig: Die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen ist trotz einer geradezu tragischen gemeinsamen Geschichte vorbildlich verlaufen.

Ob dieses ungewöhnlich freundschaftliche Verhältnis beiderseits des Rheins bei einer kommenden Generation ohne gute Sprachkenntnisse von Dauer ist, muss gleichwohl bezweifelt werden. Deshalb rief Brenner das Projekt "DeutschMobil" ins Leben. Sechs Lektorinnen reisten seit Dezember 2000 mit einem Kleinbus durch die französischen Lande und trafen in dieser Zeit nicht weniger als 90.000 Schüler an 1600 Schulen. Der Erfolg war durchschlagend, das "DeutschMobil" wurde in Frankreich zum geflügelten Wort.

Die Zahlen der Schüler, die sich für das Fach Deutsch einschrieben, schnellten um bis zu 50 Prozent nach oben. Für diese achtbare Leistung wurde Brenner der Initiativpreis Deutsche Sprache zuerkannt. Godé beleuchtete das Problem der größer werdenden Sprachdistanz in akademischer Hinsicht. Nicht ganz so problematisch wäre die Anglifizierung der Sprache in den Naturwissenschaften. Bei den Geisteswissenschaften bliebe die Situation jedoch entschieden anders gelagert. Die gute Kenntnis der jeweils anderen Landessprache sei eine unverzichtbare Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium, betonte Godé.

Mit dem Verlauf der Universitätstage war deren Koordinator vor Ort, Professor Volker Sellin, hoch zufrieden. So sprach im Historischen Seminar Professor Jules Maurin in seinem Vortrag "De Gaulle et l'Allemagne" über die frühen Jahre der deutsch-französischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Diskussion der Hörer mit dem Gast aus Montpellier verlief höchst angeregt und dauerte noch einmal eine runde halbe Stunde.

"Ich bin wirklich angenehm überrascht", so das Fazit von Sellin. "Zum einen, dass selbst an einem Freitagnachmittag so viele Studenten kamen, zum anderen, wie flüssig die Unterhaltung auf französisch geführt wurde. Das war wirklich ein Austausch auf hohem Niveau." Florian Köbele studiert im 5. Semester Politik und Geschichte. Ein Auslandssemester verbrachte er bereits in England, nun soll ein Aufenthalt in Lausanne folgen. "Ich kannte die Universitätstage Heidelberg - Montpellier bisher gar nicht und kam zunächst einzig zu diesem Vortrag, weil mich die politische Figur De Gaulles und die neuere französische Geschichte interessieren. Doch nun ist meine Neugier an diesem Austauschprojekt geweckt."

Johannes Schnurr

Rückfragen bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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