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Mit Misteln in den Boden schauen

20.12.2003 - (idw) Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL)

FAL-ForscherInnen nutzen Misteln zum Aufspüren von Bodenbelastungen

Weil aus ihrem Holz das Kreuz Christi gefertigt worden sei, wurde die Mistel christlichen Sagen nach von Gott zum Leben als Parasit verdammt. Den alten Germanen war sie heilig, weil sie zwischen Himmel und Erde lebend und auch im Winter grün die Kontinuität des Lebens und Fruchtbarkeit symbolisierte. Aus diesem Glauben geblieben ist der Brauch zu Weihnachten und zum Jahreswechsel unter dem Mistelzweig Küsse zu tauschen. Druiden (und wer kennt nicht Miraculix in der weltberühmten Comic Serie Asterix?!?) schnitten sie zum Jahreswechsel mit goldenen Sicheln an streng geheim gehaltenen Orten und brauten daraus allerlei Heil- und Zaubertränke.

Geheim sind die Stellen an denen Misteln wachsen (lateinisch: "Viscum album", was "weißer Schleim" bedeutet und auf die klebrigen Eigenschaften der Beeren hinweist) heute nicht mehr. Massiv treten sie im Vorharzgebiet (Goslar, Oker und Langelsheim, s. Fotos 1-6), aber z.B. auch im Raum Göttingen, Dresden und Berlin auf. Die Misteln erreichen z.T. beachtliche Dimensionen und stellen für den Wirt eine enorme Belastung durch ihren Nährstoffanspruch und ihr Gewicht dar. Dieses Exemplar aus der Astfelder Strasse in Goslar bringt es auf 1,5m Durchmesser und wiegt 15 kg (s. Foto 7).

Für die Verbreitung der Misteln sind viele Faktoren bedeutend, wie z.B. Wirtsbäume, Vogelarten, die Mistelbeeren fressen und verbreiten, Kleinklima, aber auch die individuelle Widerstandsfähigkeit des Wirtes. WissenschaftlerInnen des Institutes für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) untersuchen nun, wie aus all diesen Faktoren eben diese individuelle Anfälligkeit des Wirtsbaumes als Indikator für Stress, z.B. durch Bodenbelastungen mit Schwermetallen herausgefiltert werden können. Hierzu bedienen sie sich Geographischer Informationssysteme (GIS), in denen die verschiedenen Informationen über Böden und Standortbedingungen mit dem Verbreitungsmuster der Misteln verarbeitet werden. Dieses wird mittels Fotografien aus niedriger Höhe entweder von Kleinflugzeugen, oder ferngesteuerten "Aerosonden", der Allgemeinheit aus der Kriegsberichterstattung der vergangenen Jahre besser als "Drohnen" bekannt, durchgeführt. Hier arbeiten die FAL-WissenschaftlerInnen eng mit KollegInnen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Waggum bei Braunschweig zusammen, das hierzu sein "Micro-Airlab" (s. Foto 8) einsetzt.

Um Misteln auf Bildern solcher Überfliegungen im Geäst der Bäume sichtbar zu machen, bedienen sich die ForscherInnen der Farb-Infrarot Fotografie (CIR), einer Technik, die im Vietnam-Krieg zum Aufspüren getarnter Stellungen im Dschungel entwickelt wurde. Auf solchen CIR-Aufnahmen ist intaktes Blattgewebe intensiv rot (s. Foto 9), wodurch sich die Misteln deutlich von umgebenden Strukturen abheben (s. Foto 10 u. 11) und dadurch einfach ausgezählt werden können. Bestätigt sich die Hypothese der WissenschaftlerInnen der FAL, so könnte die räumliche Verteilung von Misteln mit Hilfe von "Aerosonden" als effiziente und rasche Methode für das Aufspüren von Bodenbelastungen verwendet werden.

Die Bildanlage ist unter der angegebenen Kontaktadresse als Originaldatei erhältlich.

Titel der Fotos: 1-6 Misteln bei Goslar-Oker, 7 Prof. Schnug mit Mistel aus der Astfelder Strasse, Goslar, 8 Micro-Airlab der DLR 9 Mistel links mit normalem, rechts mit CIR Film aufgenommen 10 & 11 CIR Aufnahmen von Misteln an Bäumen in der Umgebung von Goslar.

Kontakt: Prof. Dr. Dr. Ewald Schnug, Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der FAL, Bundesallee 50, 38116 Braunschweig, E-mail: pb@fal.de
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