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Küssen unter Mistelzweigen

23.12.2003 - (idw) Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft

Im Obstbau und Forst sind Misteln unbeliebt


Küsst sich ein Pärchen zu Weihnachten unter dem Mistelzweig, so bleiben sie zusammen. Diese Legende hat zur großen Popularität der Mistel als Weihnachtsdekoration in England und auch in Deutschland geführt. Meistens küsst man sich unter der weißbeerigen Mistel, die in einigen Landstrichen häufig zu finden ist, vor allem auf Pappeln oder Obstbäumen. Misteln sind Parasiten, die an Tannen und Kiefern sogar zu spürbaren Schäden führen können, teilt die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig mit.

Die weißbeerige Mistel mit wissenschaftlichen Namen Viscum album tritt in drei verschiedenen Unterarten auf. In den kahlen Kronen der Laubbäume sind jetzt im Winter die bis zu ein Meter großen kugeligen Pflanzen zu sehen. Zwischen den hellen, immergrünen Blättern erscheinen pünktlich zu Weihnachten die Beeren. Weniger auffällig sind die Misteln an immergrünen Nadelbäumen.

Vögel verbreiten Misteln

Drosseln lieben Mistelbeeren. Sonst gibt es ja auch wenig zu fressen in dieser Zeit. Sie scheiden den unverletzten Mistelsamen überall wieder aus. Im März/April keimen die Samen bei genügend Licht und Wärme. Sind sie auf einem Baum gelandet, bilden sie eine Haftscheibe auf der Rinde und versuchen dann mit einem Senker in die Wirtsrinde einzudringen. Damit stellt der Keimling sein Wachstum für das laufende Jahr ein.

Erst im April des nächsten Jahres treibt die kleine Mistel die ersten beiden Blätter. Sie hat dann auch die Versorgungsbahnen des Baumes angezapft. Der Baum versucht, den Parasiten zu überwallen, wodurch sich die Äste verdicken. Die typische erste Verzweigung der Mistel mit vier Blättern erscheint erst im vierten Jahr. Im fünften Frühjahr blüht sie das erste Mal. Dabei sind die männlichen und weiblichen Blüten auf getrennten Pflanzen zu finden, nur die weiblichen haben später Früchte. Deswegen trägt nicht jede Mistelkugel Beeren.

Bestäubt werden die Blüten durch Fliegen, aber auch Bienen und Ameisen. Erst im November und Dezember reifen die Beeren heran. Ein Zweig, der zu Weihnachten unser Haus schmücken soll, stammt von einer mindestens zehnjährigen Pflanze.

Förster lieben Misteln nicht

An Straßen und Parkbäumen erfreuen sich die Anwohner meistens an den hellgrünen Misteln. Förster jedoch denken an den Holzzuwachs, der durch die Parasiten geringer ausfällt. Die Bäume können sogar absterben, wenn noch andere Faktoren, wie Trockenjahre oder Borkenkäferbefall hinzukommen. Die Wipfel werden teilweise dürr.

Zwergmisteln sind in den USA mit über 30 Arten verbreitet. Sie führen dort zu erheblichen Schäden mit jährlich fast 12 Millionen Kubikmetern Holzverlust: ein Schaden von etwa 150 Millionen Euro. Und das, obwohl jährlich fast eine Million Euro für Kontrollmaßnahmen ausgegeben wird! Es ist zu hoffen, dass die bestehenden Quarantänemaßnahmen ihre Verschleppung nach Europa verhindern.

Mistelgewächse besiedeln seit 135 Millionen Jahren die Wälder der Erde. In den Tropen sind sie noch stärker verbreitet als bei uns. In der Medizin ist die Mistel schon seit langem bekannt. Albertus Magnus beschrieb sie schon zu Anfang des 13. Jahrhunderts als Parasit und empfiehlt zu ihrer Bekämpfung, dass sie aus den erkrankten Bäumen geschnitten wird. Dies ist nach Aussagen der Biologischen Bundesanstalt auch heute noch die wirksamste Maßnahme gegen die Mistel überhaupt.

Mistel und Götterdämmerung

In der nordischen Mythologie spielte die Mistel eine besondere Rolle, da sie als Pfeil den Lichtgott Baldur tötete. Die daraufhin einsetzende Götterdämmerung hat aber in der Mythologie nichts mit dem zurzeit herrschenden winterlichen Dämmerlicht zu tun. Würde aber passen!

Im keltischen Glauben wird die Mistel wesentlich positiver gesehen. Sie durfte nur mit einer goldenen Sichel geschnitten werden. Da dieses heute selten geschieht, scheint auch der Kuss unter dem Mistelzweig so selten anzuschlagen. Außerdem ist Bedingung, dass man bis zur 12. Nacht, also bis zum Tag der Heiligen Drei Könige, den Zweig verbrennen muss, sonst wird es sowieso nichts mit der Heirat. (BBA)

Um Belegexemplar wird gebeten

Die Fotos können abgerufen werden unter http://www.bba.de/mitteil/mitteil.htm

Foto 1 und 2 Wohlers, BBA: Henning Thiele von der Biologischen Bundesanstalt pflückt Zweige von einer riesigen Mistelkugel.

Foto 3 Schröder, BBA: Die hellgrünen Blätter und weißen Beeren mitten im Winter haben zur Popularität der Misteln beigetragen.

Foto 4 BBA: An Apfelbäumen verdicken sich die Äste ganz erheblich. Gärten mit Misteln sind bei den Nachbarn selten beliebt. Ein einfaches Absägen der Äste ist die wirkungsvollste Bekämpfungsmaßnahme.

Foto 5 BBA: Nur im Winter ist wirklich zu sehen, wie stark die blätterlosen Bäume von Misteln befallen sind.

Foto 6 BBA: Der Baum versucht die Misteln zu überwallen. Die Mistel muss deshalb auch im Holz des Wirtes immer mitwachsen, um nicht erstickt zu werden.

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Misteln gehören zu den Sandelholzgewächsen
1300 Arten weltweit, die meisten in den Tropen

In Deutschland nur die
Weißfrüchtige Mistel Viscum album mit drei Unterarten
A. an Laubbäumen überall verbreitet
B. an Tannen in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen
C. an Kiefern in Franken, nördlichem Rheingraben, Brandenburg

In Österreich und auf dem Balkan, selten in Deutschland
Loranthus europaeus mit gelblichen Früchten an Eichen
verliert ihre Blätter im Winter

In Nordamerika
Arceuthobium Zwergmistel mit ca. 30 Arten an verschiedenen Nadelbäumen
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