Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 22. Oktober 2017 

Wenn Eltern Hilfe brauchen

18.03.2014 - (idw) Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

Nicht alle Geschwister beteiligen sich an der Pflege, zeigt eine neue Studie Geschwister pflegen ihre Eltern, wenn diese alt und hilfsbedürftig werden, nicht in gleichem Umfang. In 75 Prozent aller Fälle übernimmt ein einzelnes Kind die Pflege. Die Mütter werden in erster Linie von den Töchtern gepflegt. Söhne sind nach wie vor seltener bereit, die Pflegearbeit allein zu leisten. In Familien ohne Töchter teilen sich mehrere Brüder die Pflege häufig untereinander auf. Zu diesem Ergebnis kommt WZB-Forscher Marcel Raab in einer Studie, die er jetzt gemeinsam mit Henriette Engelhardt (Universität Bamberg) und Thomas Leopold (Universität von Amsterdam) veröffentlicht hat. Warum sich Geschwister unterschiedlich stark bei der Pflege der Eltern engagieren, haben die Forscher mit Hilfe amerikanischer Daten untersucht.

Eine entscheidende Rolle spielt die räumliche Entfernung. Geschwister, die in der Nähe der Eltern wohnen, haben nach den Berechnungen der Forscher ein doppelt so hohes Risiko, ihre Eltern zu pflegen wie ihre Geschwister, die weiter von diesen entfernt leben. Für Kinder, die mit ihren Eltern in einem gemeinsamen Haushalt wohnen, vervierfacht sich das Risiko nahezu. Geschwister, die berufstätig sind oder eigene Kinder haben, engagieren sich seltener in der Pflege. Für Erstgeborene ist statistisch gesehen das Risiko, die Pflege ihrer Eltern zu übernehmen, fast doppelt so hoch wie für ihre jüngeren Geschwister.

Zudem beeinflussen die Erwartungen der Eltern das Verhalten der Geschwister. Kinder, die von ihren Eltern vor dem Pflegeeintritt als potenzielle Pflegepersonen genannt wurden, haben ein dreimal so hohes Risiko, die Eltern zu pflegen, wie ihre nicht genannten Geschwister. Einen Unterschied macht auch, ob Geschwister finanzielle Unterstützung von ihren Eltern erfahren haben oder erwarten. Für Kinder, die im Gegensatz zu ihren Geschwistern im Testament berücksichtigt sind, verfünffacht sich statistisch das Risiko, die Eltern zu pflegen.

Die Studie konzentriert sich auf zeitintensive Pflegetätigkeiten. Die Kinder, die diese intensive Pflege übernehmen, reduzieren häufig ihre Arbeitszeit oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit sogar vollständig. Zudem verringert sich in der Phase der Pflege die Wohnentfernung zwischen Eltern und Kindern, da beispielsweise Eltern zu den Kindern ziehen.

Die Forscher werteten Daten der amerikanischen Health and Retirement Study für die Jahre 1998 bis 2008 aus. Die Ergebnisse basieren auf Daten zu 2.452 Eltern-Kind-Paaren aus 641 Familien. Wenn die Eltern das erste Mal Pflege von ihren Kindern erhalten, sind sie durchschnittlich 77 Jahre alt. Die erwachsenen Kinder sind zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich 49 Jahre alt. Für Deutschland fehlen bisher entsprechende Daten, um die Übernahme der Pflege innerhalb einer Familie im zeitlichen Verlauf zu untersuchen.

Die Studie ist im Journal of Marriage and Family erschienen, eine Kurzfassung der Ergebnisse in der März-Ausgabe der Vierteljahreszeitschrift WZB-Mitteilungen.

Leopold, Thomas/Raab, Marcel/Engelhardt, Henriette: The Transition to Parent Care: Costs, Commitments and Caregiver Selection Among Children. In: Journal of Marriage and Family, 2014, Vol. 76, No. 2, pp. 300-318.
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jomf.12099/abstract

Thomas Leopold, Marcel Raab, Henriette Engelhardt: Wenn die Eltern Hilfe brauchen. Nicht alle Geschwister beteiligen sich an der Pflege, in: WZB-Mitteilungen, Heft 143, 2014, S. 16-18.
http://www.wzb.eu/sites/default/files/publikationen/wzb_mitteilungen/s.16-18_raab.pdf


Hinweis
Das aktuelle Heft der WZB-Mitteilungen widmet sich dem Schwerpunkt Familie und berichtet über neue Forschungsarbeiten zum Thema.

Zum aktuellen Heft
http:///www.wzb.eu/sites/default/files/publikationen/wzb_mitteilungen/mitteilungen-143.pdf

Pressekontakt

Marcel Raab
Projektgruppe Demografie und Ungleichheit
Tel.: 030/25491-434
marcel.raab@wzb.eu

Claudia Roth
WZB-Pressestelle
Tel.: 030/25491-510
claudia.roth@wzb.eu
uniprotokolle > Nachrichten > Wenn Eltern Hilfe brauchen
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/274673/">Wenn Eltern Hilfe brauchen </a>