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Vorbilder helfen bei der Suche nach individueller Männlichkeit und dem Platz in der Gesellschaft

20.03.2014 - (idw) Hochschule Harz, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH)

Am Dienstag, dem 11. März 2014, waren die Reihen des Wernigeröder AudiMax einmal mehr gut gefüllt. Knapp 200 Interessierte aller Altersklassen darunter zahlreiche Akteure aus der regionalen Kinder- und Jugendarbeit waren gekommen, um dem Sozialwissenschaftler Dr. Ralf Bohrhardt, Professor an der Hochschule Coburg, zu lauschen, der über Jungen auf der Suche nach Männlichkeit referierte und erklärte Was Jungen brauchen und immer weniger bekommen.

Das ist ein Thema, bei dem man nicht nur als Vater einfach dabei sein muss, mit diesen Worten empfing Rektor Prof. Dr. Armin Willingmann die Teilnehmer und freute sich über das rege Interesse. Gleichzeitig lobte er das Engagement der Seniorenvertretung der Stadt Wernigerode e.V. bei der seit 2007 stattfindenden GenerationenHochschule. Die Seniorenvertretung unter ihrer Vorsitzenden Renate Schulze erhält dieser Tage den Bürgerpreis der Hospitälerstiftung wir gratulieren herzlich. Man sieht, ihr damaliges Angebot zur Unterstützung unserer Pläne für die Einrichtung einer GenerationenHochschule in Wernigerode kommt bis heute allen Jahrgängen zu Gute, so der Hochschulleiter.

Prof. Dr. Ralf Bohrhardt erklärte gleich zu Beginn seines mit Spannung erwarteten Vortrags, dass sich das Verhalten Erwachsener gegenüber Jungen und Mädchen vom Tag ihrer Geburt an unterscheidet. Neben genetischen Anlagen habe dies einen großen Einfluss auf Körper, Psyche und gesellschaftliche Stellung und somit auf die Ausprägung ihrer Persönlichkeit. Auffälligkeiten im Bereich von Sucht, Aggression und Gewalt vor allem junger Männer sind oft Ausdruck mangelnder Möglichkeiten, die unterschiedlichsten Ansprüche an die eigene Männlichkeit unter einen Hut zu bekommen, so der Hochschullehrer, der an der Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Coburg u.a. das deutschlandweit einzigartige Vertiefungsstudium Soziale Arbeit mit Jungen und Männern verantwortet.

Der Sozialwissenschaftler betonte weiterhin, dass die Identifikation von Jungen mit einer Vaterfigur sehr wichtig sei. Schau mich an: so ist es, ein Mann zu sein, diese Botschaft einer realen männlichen Bezugsperson diene als Orientierung, was sich positiv auf die Psyche der Jungen auswirke. Derzeit hätte es das frühere starke Geschlecht nicht leicht. Im Grunde liegen Jungen in ihrer Entwicklung ein bis zwei Jahre hinter den Mädchen zurück dennoch besuchen sie die gleiche Klassenstufe, bemerkte Ralf Bohrhardt und ging somit einer Ursache für das schlechtere Abschneiden von Jungen in Bildungsvergleichen wie PISA auf den Grund. Mädchen sind in unserem Bildungssystem deutlich erfolgreicher. Immer weniger männliche Absolventen stehen am Ende einer höheren Schulbildung oder gar eines Studiums. Dies hat auch damit zu tun, dass es in der Schule jenseits der Sportstunden quasi ein Bewegungsverbot gibt. Dies provoziert bei vielen Jungen ein Verhalten, das im Vergleich zu Mädchen bei gleichen Leistungen zu schlechteren Noten führt, erklärte der Referent und empfahl: Offenheit für die Besonderheiten der Jungs und ihre explizite Wertschätzung als Junge kommen bei ihnen ebenso an wie Bewegung und das Setzen klarer Grenzen.

Ralf Bohrhardt ist Mitbegründer der Männer-AG, einem Praxisnetzwerk für Jungen- und Männerarbeit in der Region Coburg/Sonneberg. Sein umfangreiches Wissen, das spannende Thema und der offene Vortragsstil regten zu Diskussionen an. Helgo Siegert zeigte sich beeindruckt: Vieles deckt sich mit meinen Erfahrungen, so der Wernigeröder. Für Besucherin Christiane Paul stand fest: Deutlich und klar wurde die entscheidende Rolle der Väter betont. Einigen Zuhörern brannte auf der Seele, welche Art von Mann sie denn in ihrer Vorbildrolle verkörpern sollten. Der Experte riet zu Ehrlichkeit: Jeder Junge muss seinen individuellen Zugang zu Männlichkeit finden - zeigen Sie ihm den Ihren! Sie können ihm nur den Mann vorleben, der Sie selbst sind.


Die nächste Vorlesung der GenerationenHochschule findet am Dienstag, dem 1. April, erneut von 17 bis 19 Uhr im AudiMax (Papierfabrik, Haus 9) auf dem Wernigeröder Campus statt. Prof. Dr. Jens Weiß vom Fachbereich Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz in Halberstadt spricht über das hochaktuelle Thema Auf dem Weg in die Facebook-Demokratie? - Zum Einfluss von Social Media auf die Politik. Die Teilnahme ist kostenfrei, die Anmeldung erfolgt unter www.generationenhochschule.de. Weitere Informationen:http://www.generationenhochschule.de
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