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Armenfürsorge als protestantische Tradition

21.03.2014 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Neue Publikation am Institut für Bildung und Kultur der Friedrich-Schiller-Universität Jena über eine gesellschaftliche Herausforderung Wie wird Armut gedeutet? Wie ist Armenfürsorge zu begründen? Und wie soll diese praktisch gestaltet werden? Diese Fragen stehen im Fokus einer neuen Publikation, die die Bildungsforscher Prof. Dr. Dr. Ralf Koerrenz und sein Mitarbeiter Dr. Benjamin Bunk vom Institut für Bildung und Kultur der Universität Jena herausgeben.

Der Umgang mit Armut und Armenfürsorge gehört zu den zentralen Herausforderungen einer jeden Gesellschaft, insistiert Prof. Koerrenz, der den Lehrstuhl für Historische Pädagogik und Erziehungsforschung innehat. In heutigen Kontroversen um Armut und Armenfürsorge, kritisiert der promovierte Pädagoge und Theologe, scheinen dabei gelegentlich wichtige Begründungsmuster für das praktische Handeln nicht mehr bewusst zu sein.

Ralf Koerrenz und Benjamin Bunk zufolge gehört der Protestantismus im europäischen und im nordamerikanischen Kontext zu den wesentlichen Traditionen, die solche Grundgedanken zum Umgang mit Armut und zur Begründung von Armenfürsorge ausgebildet haben. Der aktuelle Band zeichnet von den biblischen Grundlagen über historische Wegmarken bis hin zu aktuellen Herausforderungen in sechs Beiträgen wesentliche Motive dieser protestantischen Perspektiven nach.

Der nun vorliegende Band möchte in exemplarischen Zugängen an die Akzente der protestantischen Tradition erinnern, sagt Prof. Koerrenz. Im Zentrum des ersten Teils stehen die Wahrnehmung von Armut und die mit ihr verbundene Gestaltung der Armenfürsorge. Es wird hier der Frage nachgegangen, was als notwendig für den Menschen angesehen wird. Beschränkt sich dies etwa auf Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf oder geht es darüber hinaus wesentlich um weitergehende Teilhabemöglichkeiten, beispielsweise im Bereich des Erwerbslebens oder der Kultur? Es gehe, so der Jenaer Wissenschaftler, letztlich um die Frage nach der Würde des Menschen im Spannungsfeld von Universalität im Sinne individueller Freiheit. Entsprechend setzt der Band ein mit zwei Beiträgen zu den für die protestantische Denkweise richtungsweisenden biblischen Grundlagen. So wendet sich Ralf Koerrenz den sozialethischen Grundlagen im hebräischen Teil der Bibel, also im Alten Testament, zu. Sein Kollege Dr. Klaus Scholtissek, der an der Theologischen Fakultät der Uni Jena als Privatdozent für Neues Testament fungiert, geht neutestamentlichen Grundlagen diakonischen Handelns nach.

Mit den historischen Grundlagen beschäftigen sich die Wissenschaftler im zweiten Buchteil. So wendet sich Christopher Spehr, Professor für Kirchengeschichte der Friedrich-Schiller-Universität, dem Thema Armut und Armenfürsorge im Kontext der Reformation zu. Sein Greifswalder Kollege Prof. Dr. Thomas K. Kuhn widmet sich diesem Thema im Kontext von Pietismus und Aufklärung.

Aktuelle Herausforderungen präsentieren im dritten Teil Benjamin Bunk und Michael Haspel. So richtet Bunk unter der Überschrift Armut und Armenfürsorge im Horizont der Globalisierung Herausforderung zwischen Tradition und globalem Vergleich seinen Blick unter anderem auf die brasilianische Landlosenbewegung als Praxis sozialer Arbeit. Dr. Michael Haspel, Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen und apl. Professor für Systematische Theologie an der Uni Jena, widmet seinen mit Der Protestantismus und die Soziale Frage überschriebenen Beitrag der Geburt der Diakonie aus dem Geist der Sozialdisziplinierung.


Bibliografische Angaben:
Ralf Koerrenz / Benjamin Bunk (Hg.): Armut und Armenfürsorge. Protestantische Perspektiven. Reihe Kultur und Bildung, Band 5. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2014, 135 Seiten, 18,90 Euro, ISBN 978-3-506-77794-2

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Ralf Koerrenz
Institut für Bildung und Kultur der Universität Jena
Am Planetarium 4
07743 Jena
Tel.: 03641 / 945331
E-Mail: Ralf.Koerrenz[at]uni-jena.de Weitere Informationen:http://www.uni-jena.de
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