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Internationales IAMO-Forum zum Thema "Large Farm Management"

30.12.2003 - (idw) Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

Mit dem Thema "Large Farm Management" hat das Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle (Saale) anlässlich seines ersten IAMO-Forums vom 26. bis 28. November 2003 einen Problemkreis aufgegriffen, der gleichermaßen bei Wissenschaft und Praxis eine enorme Resonanz fand. Dieser internationalen Workshops führte Wissenschaftler aus Ost und West in einem Dialog zu Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz und Zukunftsperspektiven einer großbetrieblichen Landwirtschaft mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik sowie der interessierten Öffentlichkeit zusammen.


Panel Discussion: The Future Role of Large Scale Farming
Posterdiskussion mit Alfons Balmann, William Greene und Valentyn Zelenyuk Die Organisatoren der Veranstaltung definieren Large Farm Management problemorientiert als ein Aufgabenbereich des Managements, dem vor allem bei größeren Betrieben sowie bei "kooperativ" betriebenen Agrarunternehmen eine besondere Bedeutung zukommt. Dazu gehören die strategische Unternehmensführung, Organisation, Finanz- und Personalwirtschaft, Controlling und Risikomanagement. Die Bedeutung dieser Aufgabenbereiche ergibt sich dabei zum einen aus der faktischen Relevanz von Großbetrieben in den ehemals sozialistischen Staaten und einem beschleunigten Strukturwandel in der westlichen Welt. Zum anderen sind Großbetriebe infolge der höheren Bedeutung von Fremdkapital, Fremdarbeitskräften und Pachtflächen, die regelmäßig zu entlohnen sind, erheblich anfälliger gegenüber externen und internen Störungen, so dass bedeutend höhere Managementanforderungen bestehen. Die Resonanz dieses Forums wie auch einer gemeinsamen Veranstaltung des IAMO und der DLG auf der diesjährigen Agritechnica am 13. November 2003 belegen, dass auf diesem Feld für Forschung, Wissenschaft und Praxis bedeutende Herausforderungen bestehen und sich vielversprechende Perspektiven ableiten.
Andererseits zeigt eine Auswertung internationaler agrarökonomischer Konferenzen der letzten Jahre, dass dort kaum Beiträge zu den genannten Themenbereichen zu finden sind.
Einige Referenten wiesen auf ein erhebliches Forschungsdefizit u.a. in solchen Bereichen wie Personal- und Finanzmanagement bis hin zur Mitarbeitermotivation.
Breiten Raum nahmen in den Vorträgen sowohl theoretische als auch praxisrelevante Fragen der Effizienzmessung von Agrarunternehmen ein. William Greene von der New York University ging auf Aspekte wie Aggregationsprobleme, Dichteschätzungen sowie den Faktor Management bei Effizienzanalysen ein.
Resümee einer Reihe weiterer Beiträge war, dass bei der Effizienzbeurteilung landwirtschaftlicher Unternehmen eine Vielzahl externer Faktoren, rechtliche Rahmenbedingungen und das betriebliche Management eine zunehmende Rolle spielen. Andererseits sind für das Bestehen bzw. die Wettbewerbsfähigkeit von Agrarunternehmen der effiziente Einsatz von knappen Ressourcen entscheidende Kriterien. Darüberhinaus bestehen innerhalb unterschiedlicher Rechtsformen beträchtliche Differenzen, die weniger technisch bedingt sind, als vielmehr aus dem Faktorzugang und -einsatz sowie aus der Produktionsausrichtung herrühren.
Der zweite Tag, der sich mit Fragen der Agrarpolitik befasste, wurde vom Parlamentarischen Staatssekretär, Dr. Gerald Thalheim eröffnet. Er nannte als Voraussetzungen für einen erfolgreichen Transformationsprozess der ostdeutschen Landwirtschaft die Übernahme der gesetzlichen Rahmenbedingungen der Bundesrepublik Deutschland, welche sofort Rechtsstaatlichkeit herstellte, die gelungene Gestaltung des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes sowie das soziale Netz, das die leider erforderliche Verringerung der Arbeitskräfte von 850.000 auf 150.000 weitestgehend sozial abfedern konnte.
In Beiträgen ausländischer Wissenschaftler und Agrarpolitiker wurde auf die Entwicklungstendenzen in Ländern wie Armenien und der Ukraine, der Tschechischen Republik, Russland und den USA eingegangen.
Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst von der Universität Vechta verglich große Farmen in Amerika und Deutschland und zeigte, dass in den USA große, von mehreren Familien gemeinsam betriebene Landwirtschaftsbetriebe sowie große vertikal integrierte Unternehmen entstehen und ihr Anteil an der Produktion weiter zunehmen wird. Dr. Tomas Ratinger, Prag, wies auf die nach wie vor bestehende Dominanz landwirtschaftlicher Großbetriebe in der Tschechischen Republik hin, die im Vergleich zu Familienbetrieben eine höhere durchschnittliche Effizienz aufweisen. In Untersuchungen zum Management der russischen Agrar-Industrie-Holdings wurde zwischen "klassischen" und "informellen" Holdings unterscheiden, woraus unterschiedliche Verantwortlichkeiten, Managementaufgaben und Informationssysteme folgen. Abschließend stellte Herr Walter Mayer von der österreichischen PROGIS Software AG integrierte Softwarelösungen als Instrument eines modernen Managements für landwirtschaftliche Großbetriebe vor.

Auf der von Herrn Tanneberger von der Redaktion der Zeitschrift "Neue Landwirtschaft" moderierten Paneldiskussion "The Future Role of Large Scale Farming" äußerten Dr. Harms vom Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt, Herr van Hoven, Leiter eines Großbetriebes in Holland, Prof. Dr. Zvi Lerman aus Israel, Prof. Dr. Friedrich Kuhlmann aus Gießen, Stjepan Tanic vom Subregional Office für Central and Eastern Europe, und Vitaliy Drobot, Ukrainisches Ministerium für Agrarpolitik, ihre Gedanken zur Zukunft größerer Landwirtschaftsbetriebe. In der Diskussion über die Bedeutung der Landwirtschaftlichen Großbetriebe in Russland vertrat Lerman die Auffassung, dass aufgrund des fehlenden Kapitals eine Umwandlung von ehemals sozialistischen in marktwirtschaftliche Großbetriebe nicht möglich sei. Deshalb wären diese Betriebe aufzulösen und an die Mitglieder zur Gründung von Familienbetrieben zu übergeben. Der weitere Weg wird jedoch wahrscheinlich in Russland sehr differenziert verlaufen: In Marktnähe und auf guten Böden werden die Großbetriebe rentabel wirtschaften können und bestehen bleiben. Für die unrentablen Unternehmen ist der von Lerman vorgeschlagene Weg denkbar, muss aber wegen der spezifischen russischen Bedingungen so nicht eintreten. Andererseits ist eventuell mit dem Weiterbetreiben von Hauswirtschaften und mit der Stilllegung von Flächen zu rechnen.

Das große, über die wissenschaftlichen Fragen hinausgehenden Interesses am IAMO-Forum 2003 mit über 200 Teilnehmern bestärkt das Institut, auch das IAMO-Forum 2004 weiterhin als Disskussionsplattform für Wissenschaft, Politik und Praxis zu gestalten. Dieses findet vom 4. bis zum 6. November 2004 in Halle statt und widmet sich dem Thema: The role of agriculture in Central and Eastern European rural development.

Weitere Einzelheiten zur Veranstaltung sind auf der Homepage des Institutes verfügbar.
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