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Ungewollt ausgelebte Träume Zeichen für ein erhöhtes Risiko neurodegenerativer Erkrankungen?

25.03.2014 - (idw) Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

In einer deutschlandweiten Studie, an der sich die Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden beteiligt, erforschen Spezialisten derzeit Schlafverhaltensstörungen, die mit ungewollten nächtlichen Verhaltensweisen einhergehen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob diese in der sogenannten REM-Schlafphase ausagierten Träume ein frühes Zeichen für Parkinson oder andere neurodegenerative Erkrankungen darstellen und wie diese vielleicht verhindert werden könnten. Für das Forschungsvorhaben suchen die Neurologen des Dresdner Uniklinikums Personen, die unter diesen nächtlichen Verhaltensstörungen leiden. Dazu wollen die Ärzte und Wissenschaftler die Betroffenen über mehrere Jahre beobachten.
Schlafende gelten gemeinhin als friedlich. Denn der Organismus ist so programmiert, dass die meisten Muskeln im Schlaf erschlaffen egal wie heftig die Träume sind. Nun gibt es Menschen, die im sogenannten Traumschlaf ,der REM-Schlafphase REM steht für rapid eye movements oder deutsch schnelle Augenbewegungen es nicht beim Träumen belassen. Sie bewegen sich analog zu ihren inneren Bildern und wachen manchmal auch mit blauen Flecken oder gar Knochenbrüchen auf. Meist sind jedoch die Partner stärker betroffen, da Patienten mit diesen Verhaltensauffälligkeiten oft im Schlaf sprechen oder rufen und so die Nachtruhe des Partners stören. Manchmal schlagen Menschen mit REM-Schlafverhaltensstörungen auch um sich und dem Gegenüber gelingt es oft nicht sofort, die Betroffenen vollständig zu wecken. Stattdessen ordnet der Träumende den Partner als Teil des Erlebten ein, so dass er spontan zu Angriff oder Abwehr übergeht, erklärt Prof. Alexander Storch, stellvertretender Direktor der Klinik für Neurologie.
Die im Schlaf eintretende natürliche Blockade wichtiger Muskeln wird vom Hirnstamm gesteuert. In diesem Areal beginnt auch die für die Parkinson´sche Erkrankung typische Degeneration des Gehirns. Das ist ein Indiz dafür, dass Schlafverhaltensstörungen Vorboten für diese schleichende Erkrankung sind. Langzeitbeobachtungen aus anderen Ländern lieferten erste Beweise für die These, dass bei einigen Probanden mit der Diagnose einer REM-Schlafverhaltensstörung bereits Parkinson oder Gedächtnisstörung (Demenz) diagnostiziert werden kann. Die Mehrzahl davon entwickelte allerdings erst im Verlauf von Jahren oder Jahrzehnten entsprechende Krankheitssymptome.
Ob tatsächlich eine REM-Schlafverhaltensstörung vorliegt, lässt sich anhand der Anamnese eine ausführliche Befragung des oder der Betroffenen sowie des Partners vermuten. Eine endgültige Diagnose lässt sich erst durch eine Untersuchung im Schlaflabor stellen. Die Erkrankung sollte allerdings nicht mit dem bei Kindern normalen und auch manchmal bis ins Erwachsenenalter be-stehen bleibenden Schlafwandeln oder Erschrecken aus dem Schlaf heraus dem sogenannten Nachtschreck oder Pavor nocturnus verwechselt werden. Diese Verhaltensauffälligkeiten sind in der Regel harmlos und keine Vorboten einer neurodegenerativen Erkrankung. Auf Schlafmedizin spezialisierte Neurologen können diese oft schon anhand der Beschreibung erkennen. Im Zweifel sorgt auch in diesen Fällen eine Nacht im Schlaflabor für eine sichere Diagnose.
Betroffene sind meist über 50 Jahre alt
Um sich ein umfassendes Bild von Schlafverhaltensstörungen und ihren mögli-chen Verlauf zu machen, sucht die Klinik für Neurologie Betroffene, die in der Regel über 50 Jahre alt sind. Wir möchten möglichst vielen Betroffenen helfen, indem wir ihre Beschwerden einordnen und behandeln, so Prof. Storch. Im Rahmen der Studie können wir Probanden regelmäßige und umfassende Verlaufskontrollen anbieten. Damit lässt sich der Beginn neurodegenerativer Erkrankungen frühzeitig diagnostizieren und behandeln, erläutert Dr. Wiebke Schrempf, Studienkoordinatorin der REM-Schlafverhaltensstörungs-Studie in der Klinik für Neurologie des Dresdner Uniklinikums. Auch kann sich im Verlauf der Studie ergeben, dass bei einzelnen Probanden bestimmte Therapien angewendet werden können. Zum Beispiel mit dem Ziel, das Entstehen neurodegenerativer Erkrankungen zu verhindern.

Patienten mit nächtlichen Verhaltensauffälligkeiten werden zunächst in der Schlafsprechstunde befragt und anschließend im interdisziplinären Schlaflabor des Universitätsklinikums untersucht. Hier kann mit neuester Technik der Ablauf des Schlafs selbst genauestens gemessen und ausgewertet werden.
Kontakte für Patienten und Angehörige
Interessenten, die selbst oder durch ihre Partner auf ihr gestörtes Verhalten im Schlaf aufmerksam geworden sind, melden sich bitte unter Telefon: 0351 458 41 61 oder per E-Mail: wiebke.schrempf@uniklinikum-dresden.de beziehungsweise anke.schmidt@uniklinikum-dresden.de.
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