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Gesundheitsförderung in jungen Familien ist möglich und erfolgreich

14.01.2004 - (idw) Charité-Universitätsmedizin Berlin

Charité-Professorin für beispielhaftes Präventionsprojekt ausgezeichnet

Frau Professor Dr. Renate Bergmann von der "Klinik für Geburtsmedizin" der Charité ist anteilig Preisträger des Innovationspreises der Kaufmännischen Krankenkasse des Jahres 2003. Ihre Auszeichnung ist mit 8000 Euro dotiert, die die Geehrte zum Ausbau des "Eltern Kollegs" an der Charité spenden wird. Die der Prämierung zugrunde liegende Studie zeigte zum erstenmal in Deutschland, daß die Förderung von Gesundheit bzw. die Verhinderung von Krankheit bei jungen Familien sinnvoll, weil erfolgreich ist.
Über zwei Jahre wurde 206 deutschsprechenden jungen Familien aus einem sozialen Brennpunkt in Berlin in Gruppenseminaren von der Geburt des ersten Kindes bis anderthalb Jahre danach ein Bildungsangebot in einem eigens entwickeltem Curriculum gemacht. Es sollte die jungen Eltern in die Lage versetzen, ganzheitliche Gesundheitsförderung zu verstehen und bei sich selbst und ihrem Kind anzuwenden und damit die Häufigkeit von Erkrankungen zu verringern und Gesundheitsrisiken zu mindern. Fünf Bereiche: Stillen/Ernährung, Raucherentwöhnung der Eltern, Kariesprävention, Ekzemverhütung und Impfungen wurden intensiv behandelt. Neben der Unterweisung und der Hilfe bei Lösung von Problemen, wurden die Eltern und ihr Kind in Abständen von 6, 12, und 18 Monaten eingeladen und ihr Gesundheitszustand dokumentiert. Dazu wurden Fragebögen eingesetzt, körperliche, einschließlich zahnärztliche Untersuchungen von Kind und Eltern sowie Labortests (Blut und Urin) durchgeführt. Als Kontrollgruppe (ohne diese Intervention) wurden Eltern aus dem gleichen Einzugsgebiet gewonnen.
Die Mütter in der Interventionsgruppe stillten ihre Kinder länger und häufiger ohne Zufütterung mit der Flasche. Sie gaben ihren Kindern auch signifikant seltener Lebensmittel, die von Fachgesellschaften als ungeeignet bezeichnet werden, wie Kekse, Schokolade und aromatisierte Quark- und Joghurtfertigprodukte sowie gezuckerte Getränke, und waren deutlich zurückhaltender mit als allergisierend geltenden Nahrungsmitteln wie Nüssen, Fisch und Eiern.
Bei den Kindern, die mindestens sechs Monate lang gestillt wurden, waren Erkältungen mit Fieber, Mittelohrentzündungen und Magendarmstörungen im ersten Halbjahr des Lebens deutlich seltener. Die Versorgung der Kinder mit Vitamin D und Eisen war besser und die gestillten Kinder waren schlanker und blieben es auch in späterem Alter.
Als großer Erfolg muß die Kariesverhütung gelten, die allerdings aufwendig war. Letztlich mußten die Eltern, insbesondere die Mütter, darüber aufgeklärt werden, daß Karies des Kleinkindes ein entzündlicher Prozeß ist, der von den Eltern, sofern sie ungünstige Ernährungs- und Zahnpflegegewohnheiten unterhalten, auf den Säugling übertragen wird. Die Eltern mußten also zum Zahnarztbesuch angehalten werden, die Zähne sanieren lassen und richtige Zahnpflege bei sich und dem Kind einüben und die Fluoridprophylaxe nicht zu vergessen. Beim Kind zahlte sich das eindeutig aus. Im Alter von anderthalb Jahren hatten die Kinder deutlich weniger kariesverursachende Keime in der Mundhöhle und weniger Karies im Milchgebiß. Dies mag auch damit zusammenhängen, daß die Eltern dauerhaftes Nuckeln aus "Beruhigungsflaschen", besonders nachts, eher vermieden.
Die Studie legte besonderen Wert auf die Verhütung des atopischen Ekzems (Neurodermitis) bei dazu prädestinierten Kindern. Möglichst langes Stillen und späte Einführung allergenarmer Beikost dienten diesem Ziel ebenso wie die richtige Hautpflege und die geeignete (Juckreiz vermeidende) Bekleidung. Das führte dazu, daß atopische Ekzeme bei erblich belasteten Kindern in der Interventionsgruppe seltener beobachtet werden konnten. Die Bereitschaft, die Kinder mit den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen zu versehen, war ebenfalls in der Interventionsgruppe höher. Lediglich beim Rauchverhalten der Eltern hat sich nicht viel bewegt. Zwar gaben in der Interventionsgruppe viele Eltern zeitweilig das Rauchen auf oder rauchten seltener in den Wohnräumen. Aber nach zwei Jahren hatten fast alle ihre alten Rauchgewohnheiten wieder aufgenommen.
Frau Professor Bergmann plädiert dafür, die Beratung und Ausbildung junger Familien, am besten schon in der Schwangerschaft beginnend, zum Routineangebot der Krankheitsvorsorge bei Säuglingen zu machen.
(7.1.04) Silvia Schattenfroh

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