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Mit weniger Licht Zellen untersuchen

28.03.2014 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

HU-Wissenschaftler veröffentlichen Ergebnisse über neues optogenetisches Werkzeug im Magazin Science Optogenetik ist ein modernes Verfahren, das es Wissenschaftlern ermöglicht, in neuronalen Schnitten oder in lebenden Organismen wie Drosophila, Zebrafisch oder Mäusen gezielt ausgewählte Zellen mit Licht zu aktivieren und ihre Rolle im Zellverbund zu untersuchen. Dazu benutzen sie lichtaktivierte Ionenkanäle aus Mikroorganismen, wie zum Beispiel Bakterien oder Algen, und schleusen diese gentechnisch in so genannte Wirtszellen anderer Lebewesen ein, um diese dann mit Licht stimulieren zu können.

Einer der Begründer dieser Technologie ist Peter Hegemann, Biophysiker der Humboldt-Universität. Seinen Mitarbeitern Jonas Wietek und Nona Adeishvilli ist es nun gelungen, ein weiteres optogenetisches Werkzeug zu entwickeln, das Nervenzellen nicht aktiviert, sondern sie stilllegt. Es dient ebenfalls dazu, die Funktionsweise von Zellen beispielsweise im Gehirn zu untersuchen. Diese neuen Ionenkanäle, die in der Lage sind Chlorid zu leiten, nennen die Wissenschaftler ChloC. Zusammen mit Wissenschaftlern des KIT in Karlsruhe und des Zentrums für Molekulare Neurobiologie in Hamburg haben sie jetzt ihre Ergebnisse im Magazin Science veröffentlicht.

Wir haben lichtaktivierte Ionenkanäle, die sogenannten Kanalrhodopsine aus Mikroalgen, die wir seit 2005 in Berlin untersuchen, gentechnisch verändert, berichtet Jonas Wietek. Nun ist es möglich, nicht nur positive Ladung durch die Kanalrhodopsine zu transportieren, sondern auch negative Ladung. Die Wissenschaftler haben dafür den Selektivitätsfilter der Kanalrhodopsine identifiziert und diesen so modifiziert, dass selektiv negative geladene Chloridionen geleitet werden können. Man konnte zwar auch bisher Nervenzellen gezielt stilllegen, beispielsweise durch lichtaktivierte Protonenpumpen, aber eines der von uns entwickelten Kanalrhodopsine benötigt dafür circa 10.000 Mal weniger Licht als die bisher dafür genutzten Proteine, erklärt Wietek. Die Vorteile der neuen Methode liegen vor allem darin, dass man Nervenzellen oder Netzwerke dieser auch über längere Zeiträume untersuchen kann, ohne sie zu schädigen, wie es zuvor durch den Einsatz der Protonenpumpen und deren Aktivierung mit Laser-Licht der Fall war.

Welche therapeutischen Ansätze bietet die Optogenetik? Die Methode wird beispielsweise eingesetzt, um Behandlungsmethoden für Morbus Parkinson zu erforschen. Wissenschaftler versuchen im Tiermodell, im Zentralhirn, dem Hippocampus, kleine Lichtleiter hineinzulegen, um so die Zellen zu aktivieren. Ein weiterer Ansatz ist die so genannte Retinalprosthetik. Dabei versucht man, in Sekundärzellen der Retina im Auge lichtaktivierte Proteine einzubauen, um Augen die Sehfähigkeit wieder zugeben. Auch Therapien für Schizophrenie, Depressionen, Epilepsie oder Drogenabhängigkeit werden mittels der Optogenetik erforscht.

Kontakt
Jonas Wietek
Humboldt Universität zu Berlin
Experimentelle Biophysik
Tel.: 030 2093-8629
jonas.wietek@gmail.com
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