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Tübinger Uniklinik für Psychiatrie erfolgreich in Forschungsnetzwerken für psychische Erkrankungen

28.03.2014 - (idw) Universitätsklinikum Tübingen

Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMBF) fördert die besten Forschungseinrichtungen für psychische Erkrankungen in neun ausgewählten Forschungsnetzen. Dort sollen die Grundlagen psychischer Erkrankungen, aber auch deren Behandlungsmöglichkeiten weiter erforscht werden. An fünf dieser Netzwerke ist die Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen beteiligt.

Knapp 100 Forschungsnetze mit jeweils acht universitären Partnern aus Kinder- und Erwachsenenpsychiatrie, Psychosomatik und Psychologie hatten sich um die Fördergelder des BMBF beworben. Die neun ausgewählten Forschungsnetze werden ab Herbst 2014 mit insgesamt 35 Millionen Euro vier Jahre lang gefördert. Prof. Dr. med. Andreas Fallgatter, Ärztlicher Direktor der Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie ist optimistisch: Durch die erfolgreiche Einwerbung der Fördergelder werden wir nicht nur das Verständnis für die Grundlagen von psychischen Erkrankungen weiterentwickeln, sondern auch die konkreten Behandlungsmöglichkeiten für die Betroffenen in der Region Tübingen und darüber hinaus verbessern können.

Zunehmende Patientenzahlen

Psychische Erkrankungen sind ein Gesundheitsproblem mit wachsender Bedeutung, das zeigt sich einerseits an den stark zunehmenden Zahlen der ambulanten, tagesklinischen und stationären Behandlungen, andererseits an der Zunahme der Krankschreibungen und der Frühberentungen wegen psychischer Erkrankungen. Laut DAK-Report haben zwischen 1997 und 2012 die Fehltage durch Depressionen und andere psychische Krankheiten um 165 Prozent zugenommen. Während sich 1997 nur jeder 50. Erwerbstätige wegen eines psychischen Leidens krank meldete, war es im vergangenen Jahr bereits jeder 22. Frauen waren dabei fast doppelt so häufig betroffen wie Männer. 2012 erreichte die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Leiden damit einen neuen Höchststand.

Erforschung der zugrunde liegenden Hirnfunktionsstörungen

Zu den Erkrankungen zählen u.a. Depressionen, bipolare Störungen, Suchterkrankungen, Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen oder Psychoseerkrankungen, die heute mit einer qualifizierten Anwendung psychotherapeutischer und medikamentöser Verfahren meist erfolgreich behandelt werden können, obwohl die diesen Krankheiten zugrundeliegenden Hirnfunktionsstörungen noch nicht hinreichend bekannt sind. Hier setzt die BMBF-Ausschreibung "Forschungsnetze psychische Erkrankungen" an: Durch den Zusammenschluss der besten Forschungseinrichtungen in Deutschland soll das Verständnis der Grundlagen psychischer Erkrankungen, vertieft und deren Behandlungsmöglichkeiten weiter verbessert werden.

Tübingen in 5 Netzwerken erfolgreich

Aus knapp 100 beantragten Forschungsnetzen mit jeweils acht universitären Partnern aus Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychologie wurden in einem zweistufigen Verfahren neun Forschungsnetze ausgewählt, die ab Ende 2014 mit einer Summe von insgesamt 35 Millionen Euro über vier Jahre gefördert werden. Bei fünf dieser Netzwerke ist die Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie einer der Projektpartner (siehe Karte):

Netzwerk Schizophrenien
Netzwerk Suchterkrankungen
Netzwerk Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (gemeinsam mit Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Prof. Renner)
Netzwerk bipolare Störungen (gemeinsam mit Institut für Klinische Psychologie, Prof. Hautzinger)
Netzwerk krankheitsübergreifende Therapie

Tübinger Schwerpunkte im Detail

Netzwerk Schizophrenien
Psychoseerkrankungen sollen erforscht, schneller erkannt und damit früher und auch besser behandelt werden können.
Tübinger Experten (Prof. Stefan Klingberg, Prof. Dirk Wildgruber, Prof. Christian Plewnia, Prof. Tobias Renner) wollen u.a. untersuchen, wie psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungen bei Psychosen mit dem nicht-invasiven, fast nebenwirkungsfreien Hirnstimulationsverfahren (transkranielle Gleichstromstimulation) und mit Neurofeedback ergänzt werden können. Die Einrichtung eines Zentrums für die Früherkennung von Psychoseerkrankungen ist geplant.

Netzwerk Suchterkrankungen
Missbrauch und Abhängigkeit von legalen (Tabak, Alkohol) wie auch illegalen Drogen ist ein großes gesundheitliches Problem unserer Gesellschaft. Nur ein Bruchteil der Betroffenen werden bisher von den zur Verfügung stehenden Behandlungsangeboten erreicht. In dem Tübinger Anteil des Verbundprojektes sollen deshalb unter Leitung von Prof. Anil Batra insbesondere innovative internetbasierte Behandlungsangebote entwickelt und überprüft werden.

Netzwerk Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen
Bei der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) geht es darum, die zugrundeliegenden Hirnfunktionsstörungen mit EEG und funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) besser zu verstehen und in einer gestuften Behandlungsform zu prüfen. Dazu kommen bei Erwachsenen mit ADHS Behandlungsansätze mit assistierter Selbsthilfe, Psychoedukation und Neurofeedback unter Leitung von PD Dr. Thomas Ethofer und Frau Dr. Ann-Christine Ehlis zum Einsatz.

Netzwerk bipolare Störungen
Bei Menschen mit bipolaren Störungen (manisch-depressive Erkrankungen) ist geplant, in enger Zusammenarbeit von PD Dr. Thomas Ethofer mit der Abteilung für Klinische Psychologie der Universität Tübingen unter Leitung von Prof. Martin Hautzinger, die psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern.

Netzwerk krankheitsübergreifende Therapie
Neben den klassischen psychiatrischen Behandlungsmethoden wie medikamentöse Therapie, Psychotherapie und biologische Verfahren (z.B. Schlafentzug, Lichttherapie, Elektrokonvulsionstherapie) spielen in der Forschung in den letzten Jahren neue Behandlungsansätze mit nicht-invasiven, nebenwirkungsarmen Hirnstimulationsverfahren wie der transkraniellen Gleichstromstimulation und der transkraniellen Magnetstimulation eine zunehmende Rolle. Insbesondere die Gleichstromstimulation soll in diesem Verbundprojekt in Tübingen für die Anwendung bei Depressionserkrankungen unter der Leitung von Prof. Christian Plewnia weiterentwickelt und in klinischen Studien angewendet werden.

Über die einzelnen Forschungsprojekte und Studien wird die Klinik bis zum geplanten Beginn im Herbst 2014 noch detailliert unterrichten. Wissenschaftlich und klinisch interessierte Ärzte/innen und Psychologen/innen für diese innovativen Projekte werden zur Bewerbung aufgefordert.


Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Prof. Dr. med. Andreas Fallgatter, Ärztlicher Direktor
Tel. 07071/29-8 48 58
E-Mail Andreas.Fallgatter@med.uni-tuebingen.de Weitere Informationen:http://www.medizin.uni-tuebingen.de
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