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Forschungsstelle Glücksspiel: Frauen werden seltener, dafür schneller spielsüchtig als Männer

31.03.2014 - (idw) Universität Hohenheim

Hoher Forschungsbedarf: Wissenschaftliche Tagung der Universität Hohenheim beleuchtet geschlechtsspezifische Unterschiede der Spielsucht Der klassische Glücksspieler ist männlich und Tabak und Alkohol gegenüber nicht abgeneigt. Nach Schätzungen sind etwa 80 Prozent der pathologischen Glücksspieler Männer. Frauen nehmen dagegen seltener an Glücksspielen teil und es bereitet ihnen auch weniger oft Probleme. Von problematischen Spielerinnen ist bekannt, dass sie im Durchschnitt später mit dem Spielen anfangen als Männer, dann aber rascher in süchtiges Verhalten abgleiten, sagt Andrea Wöhr von der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim beim Auftakt der heutigen Tagung Gender-Aspekte im Glücksspiel an der Universität Hohenheim. Ein weiterer Unterschied: Spielsüchtige Frauen seien (im Unterschied zu spielsüchtigen Männern) in der Kindheit häufiger schwer traumatisiert worden.

Auffälligster Unterschied beim pathologischen Spielverhalten von Männern und Frauen ist, dass Männer wenn, dann in jüngeren Jahren in die Spielsucht abgleiten. Während der Altersgipfel bei den therapiesuchenden Männern zwischen 30 und 39 Jahren liegt, sind die betroffenen Frauen im Schnitt 10 Jahre älter.
Der raschere Verlauf bei pathologischen Spielerinnen bedeutet allerdings, dass sie sich in kürzerer Zeit mit den schwerwiegenden Folgeproblemen wie Überschuldung, Entfremdung vom sozialen Umfeld und Problemen mit ihrem Selbstbild auseinandersetzen müssen.

Traumatisierung als Bestandteil der Biografie
Zusätzlich berichten pathologische Glücksspielerinnen häufiger über psychische Probleme als krankhafte Glücksspieler. So sind spielsüchtige Frauen zum Beispiel häufiger traumatisiert, wie die Referentin Dr. Monika Vogelgesang, Chefärztin der AHG Klinik Münchwies, zu berichten weiß.
Bei einem Vergleich von 100 weiblichen mit 100 männlichen Glücksspielern, die stationär in Behandlung waren, berichteten 70 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer von traumatischen Erlebnissen u. a. schwere Vernachlässigung in der Kindheit, körperliche Gewalt und sexueller Missbrauch.
Aber auch Männer haben es nicht leicht. Ihr Weg aus der Glücksspielsucht werde durch ein übersteigertes Rollenmodell erschwert Männer sollen keine Schwäche und wenig Gefühlsregungen zeigen, so die Erfahrungen, die Referent Peter Kagerer in seiner therapeutischen Laufbahn gemacht hat.

Frauen bevorzugen reine Glücksspiele, Männer wollen sich beweisen
Ein Vergleich zwischen Spielerinnen und Spielern zeigt, dass Männer generell eher zu Geschicklichkeitsspielen neigen als Frauen wohl, weil sie eher auf das eigene Können und Wissen vertrauen. An Sportwetten nehmen in Deutschland laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fast viermal so viele Männer teil als Frauen.
Entsprechend häufiger sind Männer in Wettbüros und auf der Rennbahn zu finden. Auch bei privat organisiertem Glücksspiel und bei Casinospielen im Internet liegt die Quote bei 3 bzw. 3,6 zu 1. Fernsehlotterien sind dagegen bei Frauen stärker nachgefragt als bei Männern. Insgesamt nahmen im vergangenen Jahr 44,7 Prozent der Männer und 33,5 Prozent der Frauen an Glücksspielen teil.

Hauptmotiv: Geld gewinnen
Was beide Geschlechter eint: Geld wollen Frauen und Männer beim Spielen gleichermaßen gewinnen. Laut einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist ein Geldgewinn für 71 Prozent der Frauen und Männer das Hauptmotiv.
Generell geben Männer mehr Gründe für das Spielen an als Frauen: insbesondere die Motive Entspannung, sich auskennen (eigene Kompetenz) und Ablenkung werden mehr als doppelt so häufig genannt als von den weiblichen Befragten, fallen aber hinter dem Geldgedanken weit zurück.

Wenige Spielerinnen, kaum Forschung
Deutschlandweit ließen sich laut Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rund 1,31 Prozent der Männer, die im vergangenen Jahr an Glücksspielen teilgenommen hatten, als pathologische Glücksspieler klassifizieren, erklärt Andrea Wöhr, die die heutige Tagung Gender-Aspekte im Glücksspiel an der Universität Hohenheim organisierte. Unter den Spielerinnen seien es 0,31 Prozent. In der Therapie kommt ein noch kleinerer Prozentsatz an: 2012 waren rund 88 Prozent der Personen, die in erster Linie wegen ihres Spielverhaltens in Behandlung waren, männlich.

Vielleicht sei dies ein Grund warum dem Thema Gender und Glücksspiel auch in der Forschung so wenig Aufmerksamkeit gezollt wird, so Glücksspielforscherin Wöhr. Die laufende Tagung, die sich komplett auf die Gender-Thematik konzentriere, sei die erste ihrer Art im deutschsprachigen Raum.
Links:
Forschungsstelle Glücksspiel: http://Gender-Aspekte im Glücksspiel
Text: A. Schmid & Klebs

Kontakt für Medien:
Andrea Wöhr M.A., Universität Hohenheim, Forschungsstelle Glücksspiel
Tel.: 0711/459-22122, E-Mail: andrea.woehr@uni-hohenheim.de
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