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Alles im Fluss Welche Bedeutung hat das Fließverhalten von Blut, Shampoo und Ketchup?

31.03.2014 - (idw) Universität des Saarlandes

Vom 8. bis 11. April kommen Physiker, Biologen, Materialforscher und Ingenieure auf der 9. European Rheology Conference in Karlsruhe zusammen. Bei der Tagung wird sich alles um das Fließverhalten von Materie drehen. Organisiert wird die Veranstaltung unter anderem von Christian Wagner. Er ist Professor für Experimentalphysik an der Universität des Saarlandes. Der Physiker und seine Arbeitsgruppe erforschen das Fließverhalten von Blut. Ihre Erkenntnisse könnten helfen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen vorzubeugen. Wie fließt das Blut durch unsere Adern? Was passiert mit geschmolzenem Eisen, wenn es erkaltet? Wie behält das Shampoo in der Flasche seine Konsistenz? Das sind nur ein paar Fragen, die zeigen, mit welcher Bandbreite von Themen sich die Rheologie befasst. Die Rheologie ist ein Forschungsgebiet, das die Fließeigenschaften von unterschiedlichsten Stoffen untersucht, erklärt Physik-Professor Christian Wagner von der Universität des Saarlandes. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie viskos oder elastisch bestimmte Stoffe sind und was dies für Produktionsprozesse oder Stoffwechselwege bedeutet. Für die Industrie sind solche Erkenntnisse von großer Bedeutung, wenn es beispielsweise darum geht, wie lange ein Klebstoff auf einer bestimmten Oberfläche haftet oder ob die Zutaten eines Puddings diesen nicht zu flüssig machen.

Darüber hinaus sind die Ergebnisse der Rheologie-Forschung für die Medizin von Interesse: Zusammen mit amerikanischen Kollegen hat Professor Wagner kürzlich in einer Studie erstmals gezeigt, dass sich Blutplasma nicht wie lange angenommen wie Wasser verhält. Plasma ist elastisch, zähflüssig und verändert wie Ketchup je nach angelegtem Druck sein Fließverhalten. Die Physiker haben in ihrer Arbeit auch nachgewiesen, das Plasma Verwirbelungen im Blut beeinflusst. Das komplexe Fließ- und Strömungsverhalten des Blutplasmas könnte nach diesen Erkenntnissen eine entscheidende Rolle bei Ablagerungen an Gefäßwänden, Aneurysmen oder Thrombosen spielen. Die Ergebnisse können daher helfen, solche pathologische Vorgänge am Computer zu simulieren und künftig Herzinfarkten oder Schlaganfällen leichter vorzubeugen.

Auf der 9th Annual European Rheology Conference können sich die Wissenschaftler in Vorträgen und Seminaren über Forschungsergebnisse und neue Methoden informieren. Der Saarbrücker Professor Christian Wagner organisiert die Veranstaltung zusammen mit Forscherkollegen aus Berlin, Freiburg, Geesthacht und Karlsruhe. Den Vorsitz der Tagung haben die beiden Professoren Norbert Willenbach und Manfred Wilhelm vom Karlsruher Institut für Technologie. Finanziell unterstützt wird die Veranstaltung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Weitere Informationen zur Konferenz: www.aerc2014.kit.edu

Die Pressemeldung zur Studie Rheology of human blood plasma: Viscoelastic versus Newtonian behaviour: https://www.idw-online.de/de/news519488

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Christian Wagner
Experimentalphysik
Tel.: 0681 302-3003 oder -2416
E-Mail: c.wagner(at)uni-saarland.de

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Kontakt über die Pressestelle (0681 302-2601)
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