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"Null Euro sind nicht genug!"

01.04.2014 - (idw) Evangelische Hochschule Berlin (EHB)

Netzwerk "Prekäres Praktikum" befragte 1814 Berliner Studierende aus Sozialen Berufen.
Studierende fordern Vergütung für Praktika und mehr Zeit für qualifizierte Anleitung. Kein Geld zum Leben während des Praktikums und weniger Zeit für qualifizierte Fachgespräche mit den Anleitenden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter rund 1.800 Studierenden der Sozialen Arbeit, die das Netzwerk Prekäres Praktikum im Wintersemester 2013/14 an den drei Berliner Hochschulen für Sozialwesen durchführte. Vorgestellt wurden die Ergebnisse der Untersuchung zur sozioökonomischen Lebenssituation von Studierenden und zur Qualität von studienintegrierten Praktika auf dem 3. Berufskongress für Soziale Arbeit, der unter dem Motto 'Wir stehen für Ethik in der Sozialen Arbeit' vom 20. bis 22. März in Berlin stattfand.

Das Netzwerk "Prekäres Praktikum" ist ein Zusammenschluss von Studierenden der Alice Salomon Hochschule, der Evangelischen Hochschule Berlin sowie der Katholischen Hochschule für Sozialwesen. Insgesamt 1.814 Studierende sozialer Berufe (71% davon aus dem Studiengang Soziale Arbeit) wurden von der Forschungsgruppe im Studium und im Praxissemester an den drei Berliner Hochschulen befragt. Die Ergebnisse belegen die prekäre ökonomische Situation der Praktikantinnen und Praktikanten und die schwierigen Bedingungen der Anleiterinnen und Anleiter für qualifizierte Reflexionsprozesse. In der Ausbildung der Sozialen Arbeit kommt den Praktika hinsichtlich der Entwicklung einer professionellen Identität und der angemessenen Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt eine besondere Bedeutung zu. Die Praktika werden in gemeinsamer Verantwortung von Praxis und Hochschule gestaltet.

Fünf Monate Vollzeitpraktikum ohne Bezahlung lassen sich für viele Studierende der Sozialen Arbeit allerdings mit Familie, Nebenjob und sozialem Engagement nur schwer vereinbaren. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass steigende Lebenshaltungskosten und stagnierende BAföG-Sätze über 60% der Studierenden dazu zwingen, neben dem Studium zu arbeiten. Während des Praktikums können die Studierenden keiner bzw. nur bedingt einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sodass die ökonomische Situation eines Drittels der Praktikantinnen und Praktikanten stark beeinträchtigt ist. Ein Großteil der Studierenden sucht dennoch die Praktikumsstelle nach dem Kriterium des eigenen Interessenschwerpunktes und der beruflichen Weiterentwicklung aus.

Praktikantinnen und Praktikanten der Sozialen Arbeit sind theoretisch und fachspezifisch vorgebildet und leisten in ihren Praktika verantwortungsvolle, engagierte und unverzichtbare Soziale Arbeit. Der Studiengang Soziale Arbeit der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) unterstützt die Forderungen des Netzwerks Prekäres Praktikum:

1. Die Arbeit von Praktikantinnen und Praktikanten soll angemessen vergütet werden.
2. Anleiterinnen und Anleiter brauchen zeitliche Freiräume für die qualifizierte Anleitung und Ausbildung in den Praxisstellen.

Nur wenn diese Forderungen erfüllt werden, kann geeigneter Berufsnachwuchs gefördert und eine nachhaltige Personalentwicklung garantiert werden.


"Null Euro sind nicht genug. Dass Studierende zur Tafel (für Lebensmittelspenden, Anm.) gehen, kann nicht die Antwort sein auf die Frage nach Wert und Anerkennung in sozialen Berufen." Hannes Wolf, Student an der Evangelischen Hochschule Berlin.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefanie Sauer
Studiengangsbeauftragte Soziale Arbeit
Telefon: 030 845 82 218 | s.sauer@eh-berlin.de Weitere Informationen:http://prekaerespraktikum.com/ - mehr Informationen Anhang
Prekäres Praktikum: Flugblatt mit Informationen und Ergebnissen
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