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Zukunft der Ingenieurwissenschaften: Expertenkommission Ingenieurwissenschaften@BW 2025 berufen

02.04.2014 - (idw) Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Baden-Württemberg darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Als Hochlohnland muss es immer wieder seine Position hinterfragen, um Wohlstand und Wachstum zu sichern. Wir müssen frühzeitig neue Herausforderungen erkennen, notwendige Konsequenzen daraus ziehen, an neuen Entwicklungen teilhaben und sie prägen. Die beginnende Vierte Industrielle Revolution ist eine solche Entwicklung, die wir mit unseren Fachkräften, Produkten und Dienstleistungen mitgestalten wollen und müssen, sagte Forschungsministerin Theresia Bauer am Montag (31. März) in Stuttgart.

Sie habe daher eine Expertenkommission aus Wissenschaft und Wirtschaft eingesetzt, um die für diesen industriellen Wandel entscheidenden Ingenieurwissenschaften im Land einer systematischen Stärken-Schwächen-Analyse unterziehen zu lassen. Die Kommission soll bis Mitte 2015 Empfehlungen dazu vorlegen, wie die Ingenieurwissenschaften der Dynamik des wissenschaftlich-technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts bestmöglich Rechnung tragen können.
Chancen und Potenziale besser ausschöpfen

Die Kommission soll zudem Vorschläge erarbeiten, wie Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen des Landes möglichst erfolgsversprechend im nationalen, europäischen und auch internationalen Fördersystem positioniert werden können und wie die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Innovations- und Produktionsstandorts Baden-Württemberg durch Profilbildung, Struktur- und Schwerpunktförderung der Ingenieurwissenschaften gesichert und verbessert werden kann.

Ministerin Bauer: Ziel ist es, die Ingenieurwissenschaften in Baden-Württemberg in Lehre, Forschung, Technologietransfer und Weiterbildung auf die Zukunft auszurichten. Seit den 1980er Jahren hat sich der Industrieanteil am Bruttoinlandsprodukt in den Industriestaaten mit Ausnahme von Deutschland kontinuierlich verringert. Hier blieb dieser in den letzten 20 Jahren auf einem hohen Niveau von etwa 25 Prozent, in Baden-Württemberg sogar von über 35 Prozent. Mit diesem starken Industrieanteil ist es uns gelungen, die Finanzkrise europaweit am besten zu überwinden.

Ministerin Bauer unterstrich die hohe Leistungsfähigkeit der Ingenieurwissenschaften im Land und ihre immer noch führende nationale Stellung. Jedoch hätten andere Länder in den letzten Jahren mit Erfolg erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Anschluss an Baden-Württemberg zu erreichen. Auch das nicht immer zufrieden stellende Abschneiden der Ingenieurwissenschaften in verschiedenen bundesweiten Forschungswettbewerben werfe Fragen nach strukturellen Ursachen und Verbesserungsmöglichkeiten auf. Dies gelte - mit Blick auf den Fachkräftebedarf - auch für die hohe Abbrecherquote im Bachelorstudium der Ingenieurwissenschaften.

Ministerin Bauer: Industrie 4.0 bedeutet einen durchgreifenden technischen und technologischen Umbruch, der mit der industriellen Entwicklung Ende des 19. Jahrhunderts vergleichbar ist. Um unsere starke Position zu sichern, müssen die Ingenieurwissenschaften die Herausforderungen dieser Entwicklung annehmen. Von der Kommission erwarte ich mir Rat und Hilfestellung dafür.
Hintergrund - das Zukunftsprojekt Industrie 4.0:

Industrie 4.0 - die Vierte Industrielle Revolution - ist mit wichtigen technologie-, wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Standortperspektiven verbunden. Durch das Internet getrieben, wachsen reale und virtuelle Welt immer weiter zu einem Internet der Dinge zusammen. Die Kennzeichen der zukünftigen Form der Industrieproduktion sind die starke Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten (Großserien-) Produktion, die weitgehende Integration von Kunden und Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse und die Verkopplung von Produktion und hochwertigen Dienstleitungen, die in so genannten hybriden Produkten mündet.

Die Ingenieurwissenschaften in Baden-Württemberg müssen sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen. Ohne eine Fokussierung auf ihre Stärken und eine durchdachte Strategie der Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen von Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik wird es nicht gelingen, ihre führende Position im internationalen Wettbewerb zu halten. Zugleich muss es gelingen, als Ergebnis der Vernetzung die Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch zu erreichen.

Schlüsseltechnologien, die für diese Veränderungen benötigt werden, kommen zu großen Teilen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie; sie benötigen aber auch andere Disziplinen, zum Beispiel die Material- und Biowissenschaften sowie die Verfahrenstechnik. Bei Ingenieuren, Informatikern und Betriebswirten sind wegen der Wechselwirkungen zwischen der wissenschaftlich-technischen Dynamik und den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht nur zunehmend inter- und transdisziplinäre Kenntnisse erforderlich, sondern die Zusammenarbeit mit den angrenzenden Disziplinen muss selbstverständlicher werden, als es heute der Fall ist, um die benötigten Technologien zu entwickeln und im Markt einzuführen. Der Stellenwert der Natur- und Sozialwissenschaften in der Ausbildung der Ingenieurinnen und Ingenieure wird deshalb größer. Anhang

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