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Gründung des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung BIM an der HU

02.04.2014 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

Partnerschaft mit Hertie-Stiftung, DFB, Bundesagentur für Arbeit und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration profiliert transdisziplinäre Integrations- und Migrationsforschung.
Im neu gegründeten Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) werden ForscherInnen verschiedener Disziplinen wissenschaftliche Grundlagen erarbeiten und empirische Daten erheben. Damit wollen sie zu einer sachlicheren Diskussion über Integrations- und Migrationsfragen in Europa beitragen und einen besseren Erkenntnistransfer in Politik, Zivilgesellschaft und Medien ermöglichen. Das BIM wird sich dem zentralen gesellschaftlichen Thema widmen, wie sich die Migrationsgesellschaften in Deutschland und Europa bisher entwickelt haben und künftig entwickeln werden. Welche Bilder und Erkenntnisse entstehen, wenn Migrationsgesellschaften in ihrer Dynamik als Ganzes beobachtet und erforscht werden? Diesen Fragen wird in der Forschung bislang eher getrennt und arbeitsteilig nachgegangen. Deshalb will das BIM die vielfach noch unübersichtlichen wissenschaftlichen Perspektiven und politischen Debatten zusammenführen und neu bündeln.

Das Institut ist mit seiner starken Ausrichtung auf empirische Forschung und der Zusammenstellung von unterschiedlichen Wissenschaftsrichtungen das erste universitäre Institut in Deutschland, das sich in dieser Form umfassend mit dem Thema Integration und Migration auseinandersetzt. Das Spektrum reicht von den Sozial-, Kultur- und Bildungswissenschaften über die Sportwissenschaft und Ökonomie bis hin zur Psychologie und Medizin. Damit vereint das BIM sehr unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven und Methoden, die erstmals unter einem Dach zusammenarbeiten. In einem von der Hertie-Stiftung initiierten bundesweiten Wettbewerb um die Einrichtung eines Instituts für Integrationsforschung setzte sich das Konzept der Humboldt-Universität zu Berlin gegenüber mehreren anderen universitären Bewerbern durch.

Das Besondere an diesem neuen Institut ist, dass die Gründer nicht nur bei der Finanzierung einen erheblichen Beitrag leisten, sondern sich auch mit ihren Daten in den wissenschaftlichen Betrieb einbringen. Auch die Hertie-Stiftung kann einen Beitrag leisten, denn ihr Programm für Zuwandererkinder umfasst 700 Stipendiaten und 1.100 Alumni. Durch diese Beteiligung der Gründer ist gewährleistet, dass das BIM sich in die Diskussion und Lösung aktueller Fragen bei der Bundesregierung mit einbringen kann, sagt Dr. Michael Endres, Vorsitzender des Kuratoriums der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.

Das HU-Institut wird durch den Zusammenschluss renommierter Partner gefördert: die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die einen Schwerpunkt im Bereich Integration hat und die 1,8 Mio. für den Aufbau des BIM zur Verfügung stellt, der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der mit 0,4 Mio. eine Juniorprofessur zum Thema Fußball und Integration finanziert und seine Daten zur Verfügung stellt, sowie die Bundesagentur für Arbeit (BA), die Personal und den Zugang zu Datenbeständen bereitstellt.

"Wir wissen immer noch zu wenig über die komplexen Integrations- und Migrationsprozesse. Auch um die richtigen politischen Entscheidungen treffen zu können, brauchen wir zusammenführende Informationen aus den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Sport. Deshalb freue ich mich sehr, dass das BIM jetzt seine Arbeit aufnimmt. Ich bin davon überzeugt, dass der interdisziplinäre Ansatz uns wichtige Erkenntnisse liefern wird, wie wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land gezielt stärken können", sagt Staatsministerin Aydan Özouz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

In der Pressekonferenz zur Gründung des BIM betonten die Vertreter der GründungspartnerInnen Dr. Michael Endres (Kuratoriumsvorsitzender der Hertie-Stiftung), Wolfgang Niersbach (Präsident des DFB), Dr. h.c. Frank J. Weise (Vorsitzender des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit) und Staatsministerin Aydan Özouz die Notwendigkeit der Gründung des Instituts und ihre Hoffnung, dass das BIM sich als Institut entwickelt, das für Deutschland und Europa neue Erkenntnisse zur Lösung der drängenden Integrationsfragen erbringt.

Die Humboldt-Universität zu Berlin beherbergt das Berliner Institut für Integrations- und Migrationsforschung, weil sie mit ihrem interdisziplinären Konzept für dieses Institut neue Wege aufzeigt. Die interdisziplinäre Erforschung von Integrations- und Migrationsgesellschaften, etwa in Deutschland, ist enorm wichtig. Ohne die Integration von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Herkunft kann unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Dabei ist der entscheidende Schlüssel der Zugang zu Bildung, sagt Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin.

Sechs Abteilungen, die ihr Forschungswissen aus unterschiedlichen Instituten in Berlin mitbringen, reflektieren die inhaltliche Bandbreite des Themengebiets Integration und Migration.

Gründungsdirektor des Instituts Professor Sebastian Braun: "Das BIM ist ein Ort disziplinärer Vielfalt: Es verbindet unterschiedliche Wissenschaftskulturen an der HU Berlin, um die komplexe gesellschaftliche Wirklichkeit von Integrations- und Migrationsprozessen in Deutschland und im internationalen Kontext zu beschreiben und zu erklären. Unsere empirische Forschung kann damit auch zur realitätsbezogenen Versachlichung von Integrations- und Migrationsdebatten beitragen."

So werden Ursachen von Bildungsungleichheiten zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund erforscht und Möglichkeiten für deren Überwindung aufgezeigt. Auch berufliche Mobilitätsprozesse in Migrationsgesellschaften gehören zur Forschungsagenda des BIM, ebenso wie die gesellschaftlichen Integrationsfunktionen von Sport und Fußball. Zugleich arbeitet das BIM über zivilgesellschaftliche Werte und Initiativen in sozialen Räumen der Migrationsgesellschaften wie auch über die soziokulturellen und -strukturellen Rahmenbedingungen von Gesundheit und Krankheit.

All diese Forschungsvorhaben tragen dazu bei, neue Perspektiven auf das Themenfeld Integration und Migration zu gewinnen. Zugleich sollen neue Fragestellungen nach dem Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten in Migrationsgesellschaften und deren Umgang mit Vielfalt in den Vordergrund rücken. Diese müssen im deutschsprachigen Raum weiter mit internationalen Bezügen reflektiert werden.

Deutschland wandelt sich in eine Migrationsgesellschaft. Daher sollte auch die Integrations- und Migrationsforschung auf die gesamte Gesellschaft ausgeweitet werden und Grenzregime, Segregationsmechanismen sowie institutionelle und strukturelle Diskriminierung und Alltagsrassismen als Desintegrationsprozesse der Gesamtgesellschaft beforschen. Auch der Integrationsbegriff muss sich an der gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen ausrichten und nicht auf Migranten reduziert werden, sagt Dr. Naika Foroutan, stellvertretende Direktorin des BIM.

Besondere Akzente setzt das BIM durch die Kooperation mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Bereich der Datenerhebung, der Datenanalyse und der Arbeitsmarktforschung, sowie durch die Zusammenarbeit mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Universitätsmedizin Berlin. "Zuwanderung wird zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für den deutschen Arbeitsmarkt und die Erfolgsfähigkeit deutscher Unternehmen. Der Integration von Migranten kommt daher eine große Bedeutung zu. Das BIM soll und muss dabei Impulse geben und Entwicklungen anstoßen, die uns in die Zukunft führen", sagt Dr. h.c. Frank-J. Weise, Vorsitzender des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit.


Ein besonderes Profil gewinnt das BIM durch die Abteilung Integration, Sport und Fußball. Der Direktor des BIM, Prof. Braun, ist als Sportsoziologe auch Leiter dieser Abteilung, in der zudem eine
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