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Entwicklungspsychologie: Die Ursprünge von Wohltätigkeit

02.04.2014 - (idw) Ludwig-Maximilians-Universität München

Woher stammt unser gesellschaftliches Einverständnis, dass Arme bedürftig sind und deswegen Unterstützung bekommen sollten? LMU-Psychologen legen neue Ergebnisse zu den Wurzeln der Mildtätigkeit vor. Zu Beginn von Charles Dickens Erzählung A Christmas Carol weigert sich der herzlose Ebenezer Scrooge, Armen eine Spende zu geben. Drei Geister müssen ihn nachts heimsuchen, bis er sich läutert und zu einem besseren Menschen wird. Dickens lässt Scrooge mithilfe der Geister lernen, worüber schon Kinder verfügen: Mildtätigkeit. Wie eine Studie von Markus Paulus, Professor für Entwicklungspsychologie an der LMU, zeigt, handeln bereits Fünfjährige wohltätig. Die Studie leistet einen entscheidenden Beitrag zur Debatte, ob Mildtätigkeit ihre Wurzeln in der frühen kindlichen Entwicklung hat oder ob sie ein Produkt jahrelanger Sozialisation und Erziehung ist. Wie Paulus aktuell in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology berichtet, konnte er nun nachweisen, dass ihr Ursprung in der frühen Kindheit liegt.

Im Rahmen des Experiments erhielten drei- und fünfjährige Kinder mehrere Sticker, die sie an zwei Teddybären verteilen durften. Der reiche Teddybär hatte ein Stickerheft voller Aufkleber, während im Heft des armen Teddys nur ein paar klebten. Die Kinder erhielten bei mehreren Versuchsdurchläufen unterschiedliche Vorgaben, wie sie die Sticker verteilen konnten. Sie mussten sich zum Beispiel entscheiden, einem der Bären einen Sticker und dem anderen drei Sticker zu geben oder beiden gleich viel. Die Fünfjährigen gaben in allen Durchläufen dem armen Bären am meisten Sticker. Die Dreijährigen dagegen machten beim Verteilen in aller Regel noch keinen Unterschied, welcher Bär bereits viel oder wenig hatte. In diesem Alter zeigte sich sogar eine Tendenz, eher dem reichen Teddy gegenüber großzügig zu sein.

Aus anderen Studien wissen wir, dass Fünfjährige sehr viel Wert auf Fairness legen und in einer Teilungssituation darauf achten, dass jeder gleich viel erhält. Sobald aber einer der Empfänger deutlich weniger hat, also arm ist, überwinden sie diese Neigung und teilen je nach der Bedürftigkeit des Empfängers: Sie geben dem Armen mehr, sagt Paulus. Wie die Versuche mit Kindern unterschiedlichen Alters zeigen, entwickelt sich diese Fähigkeit zwischen drei und fünf Jahren. Das zeigt, wie früh die Wurzeln menschlicher Wohltätigkeit angelegt sind, die in unserer Gesellschaft als Inbegriff von Mitmenschlichkeit gilt, sagt Paulus.

Publikation:
Markus Paulus:
The early origins of human charity: Developmental changes in preschoolers sharing with poor and wealthy individuals http://journal.frontiersin.org/Journal/89037/abstract#sthash.KHvf7Sfp.dpuf
In: Frontiers in Psychology, online 2.4.14
doi: 10.3389/fpsyg.2014.00344

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Markus Paulus
LMU
Fakultät für Psychologie und Pädagogik
Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie
E-Mail: markus.paulus@lmu.de
Tel: 089/2180-5150
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