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Deutsche Wirtschaft im Aufschwung: 1,6 Prozent Wachstum 2014, 2,4 Prozent 2015

03.04.2014 - (idw) Hans-Böckler-Stiftung

Neue Konjunkturprognose des IMK

Deutsche Wirtschaft im Aufschwung: 1,6 Prozent Wachstum 2014, 2,4 Prozent 2015 Mindestlohn stärkt Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem Aufschwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird in diesem Jahr um 1,6 Prozent im Jahresdurchschnitt zulegen und 2015 sogar um 2,4 Prozent wachsen. Das ergibt die neue Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Ebenso positiv wie die kräftige Aufwärtsentwicklung ist aus Sicht des IMK die veränderte Struktur des Wirtschaftswachstums: Anders als im vergangenen Jahrzehnt hänge der Aufschwung nicht mehr ausschließlich am Außenhandel, sondern er wird wesentlich vom Konsum und zunehmend von den Investitionen im Inland getragen, konstatieren die Wissenschaftler. Durch stärkere Lohnsteigerungen erhöhten sich die Einkommen der privaten Haushalte, dadurch werde sich der Konsum, der lange Zeit extrem schwach war, beleben. Im kommenden Jahr erhalte dieser Prozess durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns zusätzliche Dynamik, schreiben die Forscher. So dürften die real verfügbaren Einkommen 2015 um 2,4 Prozent zunehmen, weil sowohl Löhne als auch Gewinne spürbar steigen (mehr Einzeldaten unten). Dieser Aufschwung ist nachhaltiger ausgerichtet als seine Vorgänger im vergangenen Jahrzehnt, weil er eine stärkere binnenwirtschaftliche Fundierung hat, ist das IMK überzeugt. Die Prognose wird heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.

Rückkehr zu einem balancierten Wachstum

Gegenüber ihrer Konjunkturprognose vom Dezember erhöhen die Konjunkturforscher ihre Wachstumserwartung für 2014 um 0,4 Prozentpunkte. Für 2015 hatte das IMK noch keine Prognose abgegeben.

Erstmals seit längerer Zeit hat Deutschland gute Aussichten auf einen balancierten Aufschwung, von dem breite Schichten der Bevölkerung profitieren, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. Weil sich die Weltwirtschaft kräftig erholt und deutsche Unternehmen sehr wettbewerbsfähig sind, legt der Export zu. Stärker steigende Löhne und der wachsende Konsum im Inland sorgen zugleich aber auch für zunehmende Importe. Davon profitieren auch unsere Handelspartner. Die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte mit ihrem hohen Gefahrenpotenzial werden so etwas kleiner.
Wenn sich dieser Trend fortsetze und noch verstärke, könne das in einen Tugendkreislauf nach oben führen, sagt Horn. Mit der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns und der geplanten Stärkung von Tarifverträgen gebe die Bundesregierung wichtige Impulse für die Lohnentwicklung. Auf Basis der empirischen Forschungsliteratur schätzen die Wissenschaftler die Gefahr von Arbeitsplatzverlusten durch den Mindestlohn als sehr gering ein, zumal die Regierung eine sehr vorsichtige Einführung vorsehe. Kritischer beurteilt das IMK die Finanzierung der Rentenreformen: Gesamtgesellschaftliche Leistungen wie die sogenannte Mütterrente müssten aus Steuermitteln finanziert werden, betonen die Forscher.

Für den Euroraum und die EU prognostiziert das IMK ebenfalls eine positive Entwicklung. Das BIP im Euroraum außerhalb Deutschlands wächst danach in diesem Jahr um 0,7 Prozent und 2015 um 1,5 Prozent. Für die EU insgesamt rechnet das Institut mit einem Plus von 1,0 und 1,7 Prozent.

Die Risiken: Deflation, Euro-Aufwertung, Krim-Krise

Allerdings sehen die Forscher auch gewichtige externe Risiken, die ihre positive Vorhersage noch durchkreuzen könnten.

Falls im Gefolge der Krim-Krise die Energiepreise stark steigen würden, der europäische Handel mit Russland zum Erliegen käme und die Finanzmärkte aufgrund gekappter Zahlungsströme nach Russland in Turbulenzen geraten würden, wäre mit einem spürbaren Eintrüben der Konjunktur zu rechnen, schreibt das IMK. Allerdings seien in der gegenwärtigen Situation weder die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Zuspitzung noch die quantitativen Konsequenzen seriös zu kalkulieren.

Als derzeit realistischer schätzen die Wissenschaftler die Möglichkeit ein, dass sich die Krise im Euroraum wieder zuspitzt. Das Risiko steige, wenn europaskeptische Parteien bei den kommenden Wahlen in Europa an Boden gewännen, so das IMK. Als Unsicherheitsfaktor sehen die Konjunkturforscher auch das schwebende Verfahren wegen der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB). Vor diesem Hintergrund könnte die EZB im Krisenfall zögern, mit der notwendigen Konsequenz zu handeln, fürchten sie.

Zwei weitere ernstzunehmende Risiken sind nach Analyse des IMK eine Deflation im Euroraum und eine weitere kräftige Aufwertung der Gemeinschaftswährung. Sie ergäben sich aus dem Austeritätskurs, mit dem die Europäische Kommission und die EU-Regierungen die Krise im Euroraum bekämpfen wollten. Diese verfehlte Politik werde zwar gelockert. Das bestenfalls geringe Wachstum in vielen Krisenstaaten, die hohe Arbeitslosigkeit, eine nachhaltige Schwächung der Lohnentwicklung und hohe Realzinsen begünstigten aber deflationäre Tendenzen. Die Leistungsbilanzüberschüsse, die der Euroraum insgesamt bei steigenden Exporten und schwächelnden Importen erzielt, erhöhten wiederum den Aufwertungsdruck auf den Euro.

Gegensteuern mit Investitionen und Anleihekäufen

Um den Risiken entgegenzusteuern, empfehlen die Forscher gezielte Anleiheaufkäufe des Eurosystems in den Krisenländern. Dabei sollten neben Staatsanleihen auch Papiere von kleinen und mittleren Unternehmen berücksichtigt werden, um deren Finanzierungsbedingungen zu verbessern. Zudem plädiert das IMK dafür, in wirtschaftlich stärkeren Euro-Ländern die öffentlichen Investitionen zu erhöhen. Das sei insbesondere in Deutschland auch unerlässlich, um die Infrastruktur zukunftsfest zu machen.

Kerndaten der Prognose für Deutschland (siehe auch die Tabelle im Anhang der pdf-Version dieser PM; Link unten):

Arbeitsmarkt

Das stärkere Wirtschaftswachstum lässt die Beschäftigung weiter steigen und die Arbeitslosigkeit sinken. Die Zahl der Erwerbstätigen im Inland nimmt 2014 um rund 240.000 Personen oder 0,6 Prozent im Jahresdurchschnitt zu. 2015 steigt sie um weitere 250.000 (0,6 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen nimmt im Jahresdurchschnitt 2014 um gut 50.000 auf knapp 2,9 Millionen Menschen ab. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent. 2014 wird die Zahl der Menschen ohne Job erneut um 70.000 auf gut 2,8 Millionen im Jahresdurchschnitt zurückgehen. Die Quote liegt bei 6,5 Prozent.

Außenhandel

Die Nachfrage aus den Euro-Ländern, den USA und den Schwellenländern verstärkt sich wieder. Davon profitiert der deutsche Export: 2014 wächst die Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen um 5,3 Prozent, 2015 um 6,7 Prozent. Die Importe entwickeln sich infolge der stärkeren Binnennachfrage noch kräftiger: 2014 legen sie um 6,6 Prozent im Jahresmittel zu, 2015 um 8,5 Prozent. Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss wird dadurch etwas kleiner.

Investitionen

Die bereits 2013 erfolgte Trendwende bei den Ausrüstungsinvestitionen bildet sich 2014 auch in der durchschnittlichen Jahresrate ab, die um 5,6 Prozent steigt. 2015 legen die Investitionen sogar um 9,7 Prozent zu.

Einkommen und Konsum


Die real verfügbaren Einkommen steigen 2014 um durchschnittlich 1,6 Prozent, die realen privaten Konsumausgaben nehmen um 1,5 Prozent zu. 2015 werden die real verfügbaren Einkommen um 2,4 Prozent wachsen, die privaten Konsumausgaben ebenfalls um 2,4 Prozent.

Inflation und öffentliche Finanzen

Die allgemeine Preisentwicklung in Deutschland ist moderat. Im Jahresdurchschnitt 2014 und 2015 liegt die Teuerungsrate laut IMK bei 1,4 und 1,5 Prozent und damit weiterhin merklich unter dem Inflationsziel der EZB.
Vom beginnenden Aufschwung profitiert auch die öffentliche Hand. Das Staatsbudget wird 2014 ausgeglichen sein. Für
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