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GanzOhrSein für ein besseres Schulklima. LMU-Projekt fördert das Hören und Zuhören in der Schule

14.01.2004 - (idw) Ludwig-Maximilians-Universität München

München, 09. Januar 2004 - Chaos im Klassenzimmer, ein unerträglicher Lärmpegel - und sowohl Lehrer als auch Schüler sind genervt. Dass das nicht so sein muss, hat jetzt ein Modellversuch des Instituts für Schulpädagogik und Grundschulpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München gezeigt. Mit dem Projekt "GanzOhrsein" untersuchten die Wissenschaftler um Projektleiter Professor Joachim Kahlert, ob es gelingt, Kinder und Jugendliche für die Bedingungen gekonnten Hörens zu interessieren und ihre Fähigkeiten zu verbessern, gezielt zuzuhören. Die LMU-Forscher konnten im Laufe des auf drei Jahre angelegten Modellversuchs zeigen, dass sich das soziale Klima und damit auch die Lern- und Arbeitsatmosphäre im Klassenzimmer verbessert, wenn es eine gezielte Hör- und Zuhörförderung in der Schule gibt.

"GanzOhrSein" wurde als Modellversuch im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Kulturelle Bildung im Medienzeitalter" der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus sowie von der LMU gefördert.

Am Modellversuch waren 10 Grundschulen, zwei Hauptschulen und zwei Gymnasien beteiligt. In der Eingangsuntersuchung zeigte sich, dass die Kinder außerhalb der Schule nur selten Zuhörsituationen erleben, etwa beim Vorlesen oder Geschichtenerzählen. Danach gefragt, was sie im Unterricht am meisten störe, nannten die meisten Kinder, dass ihre Mitschüler oft nicht still seien.

In Zusammenarbeit mit Erzählern, Musikern, Komponisten und anderen Künstlern wurden Unterrichtsprojekte zu den Schwerpunkten Sprache und Sprechen, Musik, Kunst, Theater, Radio und Raumgestaltung angeboten. Zum Beispiel haben drei Grundschulen erste Formen von Pausenradio entwickelt. Verschiedene Klassen bereiten dabei kurze Beiträge vor, die dann einmal pro Woche vor oder in der Pause über die Sprechanlage der Schule gesendet werden.

Außerdem wurden mit Unterstützung der Stiftung Zuhören e.V. an mehreren Schulen Hörclubs eingerichtet, speziell eingerichtete Räume, in denen die Kinder freiwillig und außerhalb des Unterrichts Hörspiele und Hörgeschichten anhören oder auch selbst kleine Hörstücke herstellen können.

Mit Fragebögen, der Auswertung von Lehrertagebüchern sowie Einzel- und Gruppengesprächen haben die Wissenschaftler die Wirkung dieser vielfältigen Unterrichtsmaßnahmen erfasst. Sie untersuchten außerdem, wie sich die Wahrnehmung des sozialen Klimas in der Klasse entwickelt hat. Dabei stellten sie fest, dass die Kinder sich nach den drei Projektjahren weniger von anderen Schülern gestört fühlen. Schlägereien und Hänseleien seien seltener geworden. Auch gaben die Kinder am Ende des Modellversuchs an, in der Freizeit häufiger ein Musikinstrument zu spielen und Musik zu hören.

Auch die Lehrerinnen betonten, dass die Kinder höflicher zueinander seien und sich besser ausreden ließen. Sie selbst würden nun gezielter Zuhörsituationen schaffen und hätten einen bewussteren Umgang mit der eigenen Stimme entwickelt. Zudem müssten sie weniger oft schreien und seien gelassener gegenüber Störungen.

Professor Kahlert und seine Mitarbeiter fordern nun mehr Fortbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer in Hör- und Zuhör-förderung. Höratmosphäre und Zuhörfähigkeiten - wichtige Voraussetzun-gen für gelingenden Unterricht - lassen sich verbessern, wenn das Hören und Zuhören selbst zum Thema gemacht wird. Dabei sollte dieses Thema nicht auf ein Unterrichtsfach beschränkt bleiben. Das Leitbild "Wir wollen eine Schule sein, in der die Fähigkeit, einander zuzuhören, besonders gefördert wird" sollte im Rahmen der Schulentwicklung zu einem Anliegen der ganzen Schule werden. Laut Professor Kahlert braucht "ein anspruchsvoller anwendungs- und problemorientierter Unterricht, wie er gerade nach PISA mit Nachdruck gefordert wird, eine Atmosphäre, in der konzentriert miteinander gearbeitet und einander zugehört wird".

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Joachim Kahlert
Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik
Tel. 089-2180 5101
E-Mail: kahlert@lmu.de
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