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Strategische Rohstoffe aus Bergbauhalden in Sachsen

08.04.2014 - (idw) Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und die TU Bergakademie Freiberg suchen gemeinsam mit Industriepartnern in sächsischen Bergbauhalden nach wirtschaftsstrategischen Rohstoffen. Sie erforschen, ob und wie man diese wirtschaftlich und ökologisch gewinnen kann. Die Wissenschaftler konzentrieren sich jetzt auf Halden in Altenberg und Freiberg; seit einigen Tagen finden dort weitere Bohrungen statt. Alte Bergbauhalden können eine wichtige Rohstoffquelle sein. Sie enthalten noch hohe Mengen an Wertstoffen, nur waren diese früher technisch nicht gewinnbar oder für die Industrie uninteressant. Bereits zu DDR-Zeiten wurde zwar in Altenberg aus Spülsandhalden Zinn abgebaut, 1989 wurde der Betrieb jedoch aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Heute gibt es verschiedene technische Möglichkeiten, die wir im Rahmen unseres Forschungsprojektes untersuchen. Sie haben neben Zinn auch strategische Metalle im Fokus, sagt Projektkoordinator Philipp Büttner vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie.

Das Projekt ist Teil einer großen, durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Fördermaßnahme zur effizienten Nutzung strategisch wichtiger Rohstoffe. Die beteiligten Wissenschaftler haben unter anderem das Ziel, alle Informationen zu den 20 größten Bergbauhalden in Sachsen in einem Haldenkataster zusammenzustellen. Das Projekt startete vor einem Jahr mit Probebohrungen an mehreren Halden um herauszufinden, welche für die Industrie interessanten Wertstoffe darin enthalten sind. Nun wollen die Forscher untersuchen, wie sich die Wertstoffe in den Halden verteilen, das heißt wie genau die Halden aufgebaut sind. Ziel ist, ein dreidimensionales Modell der Haldenkörper zu entwickeln.

Zu diesem Zweck lassen die Projektpartner nun weitere Bohrungen machen. Die Tiefenbachhalde in Altenberg und die Halde Davidschacht in Freiberg sind dafür besonders geeignet, sagt Büttner. Erste Messungen bestätigen die Literaturangaben, dass die Altenberger Tiefenbachhalde etwa 0,2 Gewichtsprozent Zinn enthält, was etwa 6.000 Tonnen des Industriemetalls entspricht. Wieviel davon gewinnbar ist, ist aber noch zu klären. Ebenso untersuchen die Forscher, inwiefern sich die in der Halde enthaltenen, strategischen Metalle wie Wolfram, Molybdän oder Lithium anreichern lassen.

Mit innovativen Methoden Wertstoffe aufbereiten

Die Freiberger Halde Davidschacht ist für die Wissenschaftler interessant, weil sie eine andere Zusammensetzung aufweist als die Tiefenbachhalde. Deshalb kommen dort andere moderne Methoden der Aufbereitung infrage, zum Beispiel mithilfe von Bakterien, so Büttner. Letztlich wollen wir das ganze Spektrum der heute verfügbaren Methoden von herkömmlich bis innovativ für die Aufbereitung von Wertstoffen aus Bergbauhalden testen. Entsprechende Untersuchungen laufen bei den Projektpartnern. Untersucht wird auch, ob und wie sich verschiede Methoden miteinander kombinieren lassen und wie man im Rahmen einer Wertstoffanreicherung auch Schadstoffe isolieren und abreichern kann.

Einladung zum Medien-Termin

Um Ihnen den Bohrungsprozess zu demonstrieren, laden wir alle Medienvertreter herzlich dazu ein, an der Probebohrung an der Tiefenbachhalde in Altenberg teilzunehmen. Bitte melden Sie Ihr Kommen an, damit wir besser planen können (Kontakt: Simon Schmitt, Tel.: 0351 260-2452, s.schmitt@hzdr.de).

Datum: 16. April 2014, 10:00 Uhr
Ort: Tiefenbachhalde, Ecke Geisingstraße / Am Aschgraben, 01773 Altenberg

Das Projekt

Die Bohrungen gehören zum Teilprojekt SMSB Gewinnung strategischer Metalle und Mineralien der BMBF-Fördermaßnahme r3 Innovative Technologien für Ressourceneffizienz Strategische Metalle und Mineralien. Es wird durch das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) koordiniert und von Wissenschaftlern der TU Bergakademie Freiberg, unter Beteiligung von Industriepartnern, durchgeführt. Industriepartner sind AKW Apparate+Verfahren, SAXONIA GmbH und G.E.O.S.

Im Erzgebirge wurde über Jahrhunderte hinweg Erzbergbau betrieben. Die nach dem jeweiligen Stand der Technik nicht zu fördernden oder verwertbaren Bestandteile des geförderten Erzes wurden dabei aufgehaldet, wie es in der Fachsprache der Bergleute heißt, also auf einer Halde gelagert. Insbesondere aus dem Erzbergbau des vorigen Jahrhunderts existieren etliche große Bergehalden (von Berge taubes Gestein), Spülhalden und Waschsandhalden (Halden von feinkörnigem Material, die durch Spülverfahren entstanden sind) aus der Aufbereitung sowie Schlacke- und Flugstaub-Ablagerungen aus der Verhüttung. Diese Halden enthalten fein verwachsene Mineralien sowie geringere Konzentrationen der abgebauten Rohstoffe Zinn, Zink, Silber oder Wolfram, aber auch Begleitelemente wie Lithium oder Indium, die bei der Gewinnung in der Vergangenheit wirtschaftlich noch uninteressant waren. Viele dieser Elemente sind heute von wirtschaftsstrategischer Relevanz. Ihre Gewinnung wäre dann sinnvoll, wenn es gelänge, die Wertkomponenten effizient und wirtschaftlich aufzukonzentrieren.

Ansprechpartner für weitere Informationen:
Prof. Jens Gutzmer | Philipp Büttner
Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie am HZDR
Tel.: 0351 260 - 4400 | - 4417
E-Mail: j.gutzmer@hzdr.de | p.buettner@hzdr.de

Pressekontakte:
Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf
Dr. Christine Bohnet | Kommunikation und Medien
Tel. 0351 260 - 2450 | c.bohnet@hzdr.de

TU Bergakademie Freiberg
Madlen Domaschke | Pressesprecherin
Tel.: 03731 39 2355 | Madlen.Domaschke@zuv.tu-freiberg.de

Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) hat das Ziel, innovative Technologien für die Wirtschaft zu entwickeln, um mineralische und metallhaltige Rohstoffe effizienter bereitzustellen und zu nutzen sowie umweltfreundlich zu recyceln. Es wurde 2011 gegründet, gehört zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und kooperiert eng mit der TU Bergakademie Freiberg.

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) forscht auf den Gebieten Gesundheit, Energie und Materie und betreibt dazu Großgeräte mit teils einmaligen Experimentiermöglichkeiten, die auch externen Nutzern zur Verfügung stehen. Es hat vier Standorte in Dresden, Leipzig, Freiberg und Grenoble und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter, davon ca. 500 Wissenschaftler inklusive 150 Doktoranden.


An der TU Bergakademie Freiberg in Sachsen, der deutschen Ressourcenuniversität, wird entlang der Wertschöpfungskette in den vier Themengebieten Geo, Material, Energie und Umwelt für eine nachhaltige Stoff- und Energiewirtschaft gelehrt und geforscht. Weitere Informationen:http://www.hzdr.de/remininghttp://www.hzdr.de
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