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8,2 Millionen Euro für junge Freigeist-Forscher +++ Verleihung der ersten Fellowships in Hannover

10.04.2014 - (idw) VolkswagenStiftung

Mit außergewöhnlichen Forschungsansätzen konnten in der ersten Ausschreibung der neuen "Freigeist-Fellowships" elf Wissenschaftler(innen) die Gutachter überzeugen. Zur Finanzierung ihrer Vorhaben stellt die VolkswagenStiftung rund 8,2 Millionen Euro zur Verfügung. Unter den Fellows sind auch Wissenschaftler aus dem Ausland, die für die Arbeit an deutschen Hochschulen gewonnen werden konnten. +++ Pressetermin: Am 29. April werden im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen in Hannover die neuen Fellowships verliehen. Medienvertreter(innen) sind zum Treffen mit den ersten Freigeist-Fellows herzlich eingeladen; Anmeldung: presse@volkswagenstiftung.de. Um dem wissenschaftlichen Nachwuchs neue Wege zu öffnen, hat die VolkswagenStiftung 2013 das Förderprogramm Freigeist-Fellowships ins Leben gerufen. Es richtet sich an exzellente Postdocs, die risikobehaftete, unkonventionelle Forschung an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen betreiben möchten (Info: http://www.volkswagenstiftung.de/freigeist-fellowships). Nun hat das Kuratorium der Stiftung erstmals elf Projekte aus den verschiedensten Disziplinen bewilligt.

Im Folgenden werden vier Forschungsvorhaben näher vorgestellt:

Der Geruch der Verwandtschaft wie entsteht er, wie wirkt er?
Jede Mutter kann ihr Kind am Geruch erkennen und jedes Kind seine Mutter. Diese Fähigkeit wird innerhalb der ersten Tage nach der Geburt erlernt. Aber spielt der Verwandtengeruch auch außerhalb der Mutter-Kind-Beziehung eine Rolle, etwa bei der Suche nach einem geeigneten Partner? Und wie entsteht der Körpergeruch, der uns Informationen über Verwandtschaft verrät? Diesen Fragen widmet sich die Biologin (und vierfache Mutter) Dr. Barbara Caspers in ihrem Vorhaben "Functions and Mechanism of Olfactory Kin Recognition in an Avian Model System", angesiedelt an der Universität Bielefeld. Da der Körpergeruch sowohl von den Genen, als auch von der Umwelt und der Nahrung bestimmt wird, ist es wichtig, die genetischen Einflüsse und die pränatalen Umwelteinflüsse von einander trennen zu können. Dies wird durch die Arbeit mit Vögeln möglich, z.B. indem Eier schon vor dem Schlupf in fremde Nester getauscht werden. Neben Verhaltensexperimenten wird Caspers chemische, bakteriologische und genetische Analysen durchführen, um die Entstehung des Verwandtengeruchs und seine Funktion bei der Partnerwahl und Reproduktion besser zu verstehen.

Algorithmische News: Können Computer Journalisten ersetzen?
Der britische Kommunikations- und Bildwissenschaftler Dr. Neil Thurman möchte im Rahmen des Projekts "Algorithmic News: An Investigation into the Computerisation of Journalistic Work, and Analysis of its Professional, Personal & Societal Consequences" die Erstellung und die Auswirkungen von algorithmisch generierten Nachrichten auf Endverbraucher, Journalismus und Gesellschaft umfassend analysieren. Schon jetzt sind Computerprogramme in der Lage, eigenständig Nachrichteninhalte zu erstellen und zu filtern. Dadurch können auch "Laien" redaktionelle Tätigkeiten ausüben, die zuvor ausschließlich Journalisten vorbehalten waren. Bedeutet dies, dass Nachrichten beispielsweise demokratischer ausgewählt werden und eine höhere Relevanz für den Verbraucher haben? Führt im Gegenzug eine Themenauswahl, die sich ausschließlich an bereits vorhandenen Nutzerinteressen orientiert, nicht dazu, dass unbekannte, neue oder komplexere Inhalte nicht mehr vorkommen? Wie sieht eine bestmögliche Nutzung der "algorithmischen News" aus? Neil Thurman erhält nun die Möglichkeit, solche Fragestellungen am Institut für Kommunikationswissenschaft der LMU München zu bearbeiten nach Stationen an der University of Kent, der University of California, Berkeley, und an der City University London.

Die Schlauheit der Krähen für die Neurowissenschaften nutzen
Der Neurowissenschaftler Dr. Jonas Rose wechselt mit seinem Fellowship vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge an die Universität Tübingen. Er beschäftigt sich in seinem Projekt "A Birds Eye View on the Evolution of Cognition: Crows as a New Model for Cognitive Neuroscience" mit den neuronalen Grundlagen von kognitivem, intelligentem Verhalten vor allem am Beispiel von Krähen. Forscher gingen bislang vielfach von der Annahme aus, dass die Intelligenz eines Tieres in Relation zu seinem Verwandtschaftsgrad zum Menschen steht. Dieser These folgend dürfte ein Vogel, dessen Entwicklungslinien sich bereits vor 320 Millionen Jahren von denen der Säugetiere getrennt haben, nicht so intelligent sein wie beispielsweise ein dem Menschen näherer Verwandter, etwa das Schaf. Doch der Umstand, dass Krähen ein enormes kognitives Repertoire und intelligenteres Verhalten als viele Säugetiere aufweisen, lässt darauf schließen, dass sich die kognitiven Fähigkeiten von Vögeln unabhängig von denen der Säugetiere entwickelt haben. Nicht ein gemeinsamer Vorfahr hat die Fähigkeiten weitervererbt, sondern ähnliche Notwendigkeiten durch die Umwelt haben zu ähnlichen Fähigkeiten geführt. Neurowissenschaftler Rose will die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Aufbaus der Gehirne bei Krähen und Säugetieren untersuchen und der Frage nachgehen, welche Strukturen notwendige Bedingung für Kognition sind.

Exilregierungen in London und die Folgen für Europa
Während des zweiten Weltkrieges wurde London zur Hauptstadt des alliierten freien Europas: Frankreich, Polen, Belgien, die Niederlande, die Tschechoslowakei und andere waren durch Exilregierungen vertreten. Das Ziel dieser Regierungen war es, nationale Interessen aufrechtzuerhalten und zugleich gemeinsam die Gestaltung Europas nach dem Krieg zu planen. Durch diese informellen Netzwerke bildeten sich neue Formen der politischen und rechtlichen Kooperation heraus, die Diplomatie und Völkerrecht nachhaltig beeinflussten. In einer Verbindung von Mikro- und Globalgeschichte untersucht die Historikerin Dr. Julia Eichenberg in ihrem Projekt "The London Moment. Transnational Collaboration of Governments-in-exile during the Second World War and its Impact on European History", welche langfristigen Folgen und Einflüsse die Zusammenarbeit der Londoner Exilregierungen bis in den Kalten Krieg und danach besaßen. In dem interdisziplinären Projekt, das am Institut für Geschichtswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedelt ist, wird sie Konzepte und Theorien aus der Politik- und Rechtswissenschaft in ihre Forschung einfließen lassen. Eichenberg verfügt über internationale Erfahrung: Nach einer Promotion zu polnischer Geschichte in Tübingen und einem mehrjährigen Forschungsaufenthalt am Trinity College und University College in Dublin kam sie nach Berlin, wo sie ein Forschungsjahr am deutsch-französischen Centre Marc Bloch Berlin wahrnahm.

Die weiteren Freigeist-Projekte in Kurztexten:

Dr. Annika Bande, Universität Heidelberg, Physikalisch-Chemisches Institut: Projekt "Electrondynamics of Ultrafast Energy Transfer Processes in Clusters of Real and Artificial Atoms Induced by Long-Range Electron Correlation"
Im Rahmen ihres Freigeist-Fellowships wird Dr. Bande ultraschnelle, langreichweitige Energietransfer-Prozesse mit einer gänzlich neuen Herangehensweise in echten Atomen sowie in synthetischen Nanokristallen (sog. Quantenpunkten) erforschen. Nanokristalle finden sich beispielsweise in Detektoren von Wärmebildkameras, die als Frühwarnsysteme in Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Der Ansatz der Chemikerin sieht vor, dass zwei Quantenpunkte über ihre Elektronen miteinander "kommunizieren", sie miteinander in Verbindung stehen. Dadurch lässt sich die Sensitivität solcher Detektoren deutlich erhöhen. Ihre Erkenntnisse will die Wissenschaftlerin auch auf Anordnungen von natürlich vorkommenden Atomen übertragen.


Dr. Elmar Behrmann, Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Physik und Biophysik: Projekt "Novel Nanotemplates for Combined Structural and Functional Ana
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