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Kreative Managementmethoden erfolgreich demonstriert

12.06.2002 - (idw) Hochschule Wismar. Fachhochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung


"fishbowl" im Plenum
Beispiel einer szenischen Umsetzung Insgesamt 120 Teilnehmer beschäftigten sich am vergangenen Wochenende drei Tage lang intensiv mit "Kreativen Methoden in der Personal- und Organisationsentwicklung", so der Titel einer Fachtagung an der Hochschule Wismar.

Eingeladen hatte Prof. Dr. Anton Hahne vom Studiengang Sozialverwaltung/Management sozialer Dienstleistungen des Fachbereichs Wirtschaft. Gekommen waren Trainer und Berater aus dem ganzen Bundesgebiet, Personalverantwortliche aus Industrie und Öffentlicher Verwaltung, Hochschulkollegen aus zahlreichen anderen Städten. Erfreulich war die geglückte Integration eines kompletten Studiengangs zukünftiger Sozialverwalter, die so die seltene Gelegenheit nutzen konnten, an einer überregionalen Fachveranstaltung mitzuwirken.

Die Vorgabe an die Referenten war es, Beiträge zu einer lebendigen und praxisnahen Tagung einzubringen. Dies setzten schon im Eröffnungsteil die Münchener Ulf Klein und Heike Czwalina um, indem sie soziometrische Aufstellungen in der Großgruppe durchführten. Daran anknüpfend gab es weitere Plenumsdemonstrationen wie "Fishbowl" und "Open Space", Methoden, die seit Jahren auf internationalen Kongressen mit innovativem Anspruch immer populärer werden.

In den angebotenen Workshops konnten die Teilnehmer einzelne Methoden vertiefend kennenlernen, dies wiederum nicht nur kognitiv, sondern häufig durch eigenes Ausprobieren und Handeln. So konnte man z.B. bei "Organisations- und Arbeitssystemaufstellungen" mitmachen, eine Weiterentwicklung ursprünglich rein familientherapeutisch genutzter systemischer Verfahren. Neben dieser und anderen Methoden, die aus der Systemtheorie entwickelt wurden, standen in weiteren Workshops vor allem szenische Methoden im Mittelpunkt: Unternehmenstheater, Konflikttheater, psychodramatische Bearbeitungen (z.B. von "Täter-Opfer"-Interaktionen) und soziodramatische Führungskräftentwicklung (z.B. mit dem sogenannten "Burgspiel"). Die kritische Reflektion der vorgestellten Methoden erfolgte unter anderem in der Podiumsdiskussion, an der die Professorinnen Hanke (FH Neubrandenburg) und Segelken (FH Harz), Frau Saida vom Projekt Verwaltungsinnovation der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Durian (Chefarzt der Sonnenbergklinik Stuttgart) und Dr. Bergknapp (Universität Augsburg) unter der Moderation von Prof. Hahne teilnahmen.Gemeinsam wurde festgestellt, dass die Kreativität nicht zum Deckmäntelchen potentiell mitarbeiterfeindlicher betrieblicher Maßnahmen (wie Outplacement) verkommen darf. Vielmehr gilt es, sowohl in Wachstumsphasen als auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die (Profit-) Interessen der Unternehmen mit den Selbstverwirklichungsinteressen der Mitarbeiter in Balance zu bringen. Zwingend erforderlich ist dazu die Transparenz der eingesetzten Verfahren für alle Beteiligten. Sonst könnte auch die paradoxe Situation eintreten, dass die Vielfalt kreativer Methoden trotz bester Absichten auf Seite der Anbieter bei den Nachfragern (Unternehmen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer) zunehmend Skepsis und Irritation hervorruft.

Bei den anwesenden Unternehmensvertretern (davon viele aus dem sozialen Bereich, von Verbänden und Krankenhäusern) trat diese Irritation nicht ein. Im Gegenteil herrschte Begeisterung über das umfangreiche und differenzierte Angebot, bei manchem Teilnehmer nach drei Tagen
allerdings das Gefühl, nichts mehr zusätzlich aufnehmen zu können. Kenner der Tagungsszene zeigten sich erstaunt über die niedrige Teilnahmegebühr; denn üblicherweise kosten vergleichbare Kongresse von Fachverbänden oder privatwirtschaftliche organisierten Weiterbildungsinstitutionen mindestens das 10fache. Hier zeigt sich, welch attraktives Angebot die öffentliche Hochschule Wismar machen kann, dank des engagierten Mitwirkens zahlreicher helfender Hände im Hintergrund: Verwaltung, Technik und nicht zuletzt Studenten trugen zu einem überaus positiven Feedback der Teilnehmer bei. Entscheidend war aber, dass die Referenten (Hochschullehrer, UnternehmensberaterInnen, TrainerInnen) bereit waren, für geringe Gasthonorare vorzutragen und sich "in ihre Karten sehen" zu lassen. Schon im Vorfeld bei der Reaktion auf den sogenannten "Call for Papers" war deutlich geworden, dass sich die Thematik der Tagung sozusagen als "Marktlücke" erwies und daher die aus überregionaler Sicht periphere Lage Wismars keinen Nachteil darstellte.

Zum Abschluss gab es am Sonntag einen Workshop der renommierten Hamburger Psychotherapeuten Niewisch und Stahmer-Weinandy, die wie viele Berufskollegen in den letzten Jahren verstärkt Ausbildungen für Organisationsentwickler anbieten. Das Thema "Opferdasein als Lebenskonzept" kann in Organisationen vielfältig in Erscheinung treten: Mobbing, Innere Kündigung, Widerstand und Verweigerung. Um mit diesen Phänomenen als Personal- und Organisationsentwickler verantwortungsvoll umzugehen, bedarf es mehr als das kurze Einüben modischer Konzepte aus dem angloamerikanischen Raum. Dieses Fazit kann man gerade dann ziehen, wenn man das ernsthafte und hochprofessionelle Vorgehen der Referenten unmittelbar beobachten konnte. Dass wiederum Professionalität und Lebendigkeit keine Gegensätze darstellen, zeigten zahlreiche Trainer durch ihre Demonstration wertschätzender und - im positiven Sinn - spielerischer Methoden.

Einhelliger Wunsch der Teilnehmer war es, das aus dieser Einzelveranstaltung eine fortlaufende Serie werden sollte. Dies ist letztlich auch der Wunsch des Organisators. Ob die Fortführung allerdings an der Hochschule Wismar oder - wie vorgeschlagen - im Wechsel an der südlichen Peripherie Deutschlands stattfinden wird, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass der Name Wismar für zahlreiche weit angereiste Teilnehmer fest mit der Erfahrung kreativer Managementmethoden verknüpft bleibt.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte direkt an Prof. Dr. Anton Hahne, Tel.: (03841) 753 167 bzw. E-Mail: a.hahne.@wi.hs-wismar.de.

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